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Hobbyhandwerker : Basteln ist seine große Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Seit seiner Kindheit macht Rolf Utermöhlen aus alten Dingen etwas Neues./ Ideen dazu werden in der Umgebung und im Urlaub gesammelt.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 06:25 Uhr

Lindau | Vermutlich wurde Rolf Utermöhlen die Kreativität und die Leidenschaft zum Basteln wohl schon in die Wiege gelegt – und sein Nachname dürfte dem einen oder anderen alteingesessenen Gettorfer auch noch ein Begriff sein. „Mein Vater hatte nach dem Krieg eine Spielzeugfabrik mit 72 Mitarbeitern im Hasselrott“, verrät der 69-Jährige, der mit seiner Frau Kirsten in Lindau wohnt und fast täglich neue Bastelideen in die Tat umsetzt.

Kleine, schlichte Holzautos wurden in den vierziger Jahren in der Fabrik von Werner Utermöhlen zunächst gefertigt. Später kamen Metallfahrzeuge zum Aufziehen dazu. Aber die Fabrik musste schließen. Und Rolf Utermöhlen begann, sich selbst an der Herstellung von kleinen Autos zu versuchen. „Geld war immer knapp, wir mussten uns unsere Spielsachen selbst bauen“, berichtet er.

Nach einer alten Entwurfsskizze seines Vaters entstand das erste Fahrzeug. Seitdem ist der Rentner nicht mehr zu bremsen. Ob Vogelhäuschen nach einem Selbstporträt, Ritterburg oder voll funktionsfähiges, solarbetriebenes Duschhäuschen im eigenen Garten – bei einem Besuch in Haus und Garten von Kerstin und Rolf Utermöhlen gibt es an jeder Ecke, in jedem Raum und selbst in jedem Baum etwas Originelles zu entdecken. Flugzeuge aus ineinander gesteckten Konserven in verschiedenen Farben und Größen stehen im Wintergarten. Zwei Autos aus alten Spanplatten sind echte Hingucker. Das Besondere an all diesen Arbeiten: Rolf Utermöhlen verwendet so gut wie keine neuen Teile – alles ist Recycling-Material. Das Lenkrad der Autos und auch die Reifen sind von alten Kinderwagen, die Schutzbleche hat der Hobby-Handwerker aus Zehn-Liter-Gurken-Konservendosen geschnitten und geformt, die Dosendeckel dienen als Scheinwerfer. Sein Arbeitsmaterial findet er auf

Flohmärkten, manchmal auch auf dem Sperrmüll. „Oder bei ebay“, sagt er und lacht. Woher das Arbeitsmaterial kommt, wäre also geklärt, aber woher kommen die vielfältigen Ideen? „Meistens sehen wir etwas im Urlaub und dann wird es zuhause gleich nachgebaut“, berichtet Kirsten Utermöhlen. Die beiden reisen mit ihrem Wohnmobil umher. Von einer Reise ins Erzgebirge kommen, zum Beispiel, die Vorbilder der hölzernen Häuser. In der Volkskunstwerkstatt von Romy Thiel in Deutschneudorf seien ihr die Augen übergegangen, berichtet die 53-Jährige. Sie kaufte ein Modell der Seiffener Kirche und dann begann die Sammelleidenschaft. Häuser, eine Kirche, der Bahnhof von Lindau erstellte ihr Mann für sie – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ein ganzes Dorf, zum Teil ungemein filigran gearbeitet, ist entstanden und wird immer zu Weihnachtszeit aufgestellt.

Jetzt zum Frühjahr geht der Blick wieder in den Garten: Vogelhäuschen, hölzerne Schlangen, die sich in den Ästen räkeln und eine Ritterburg, die über dem Goldfischteich thront. Rolf Utermöhlen arbeitet nicht immer ein Projekt nach dem anderen ab. „Manchmal fehlt ein Teil und ich muss darauf warten. Dann fange ich in der Zwischenzeit etwas Neues an“, verrät er. In seine Werkstatt darf deshalb auch nur ungern jemand rein. „Manchmal wühl ich mich da zu“, sagt der Bastler und lacht. Als nächstes will er die Außentoilette und Dusche fertig machen. Es fehlt noch der hochhängende Spülkasten und das passende Fallrohr, dann ist das leuchtend grüne Häuschen mit der Aufschrift „Tante Meier“, das neben der Dusche steht, fertig. Und was kommt dann? „Dann fahren wir erstmal in den Urlaub“, verrät er.

Daran seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, hat Rolf Utermöhlen trotzdem nicht gedacht. Der gelernte Feinmechaniker hat einige Jahre als Verkaufsfahrer im Betrieb seines Bruders und später im Wachdienst der Bundeswehr als Hundeführer gearbeitet. Er hat immer gebastelt, aber fast nie etwas davon verkauft. Und wenn doch, dann wurde das Geld in neue Materialien investiert. Aber eigentlich wird am Ende alles verschenkt. „Es war für die Kinder, später für die Enkel oder für Freunde als Dankeschön oder Mitbringsel“, sagt Kirsten Utermöhlen. Sie unterstützt ihren Mann, bringt die Ideen mit ein und verziert die Arbeiten mit Farben. Auf die Frage, wie lange er für das eine oder andere Stück gebraucht hat, antwortet Rolf Utermöhlen mit einem Schulterzucken und einem Lächeln. „Das kann ich gar nicht sagen. Für etwas Kleines brauch ich ein paar Stunden, für so ein Auto auch schon mal eine Woche. Aber das ist egal. Ich hab doch Zeit ohne Ende“, erklärt er.

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