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Filmverleih aus Ascheffel : Barnsteiner will Film-Vielfalt fördern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Deutschlands nördlichster Filmverleiher sitzt in Ascheffel. Barnsteiner-Film ist auch bei Green Screen mit „Der Bauer und sein Prinz“ vertreten

Wenn sich Eduard Barnsteiner einen Film anschaut, dann zieht er sich in seinen Sichtungsraum auf dem Dachboden zurück. Dazu gibt es meist Coca Cola und Popcorn. Hin und wieder bekommt er auch seine Privatvorstellung in der Schauburg in Rendsburg. Schon nach wenigen Minuten, weiß er dann, ob der Film auf dem Ablehnungsstapel landet oder ob er das Filmprojekt annimmt. „Kriegt er mich oder nicht“, darauf kommt es dem 50-Jährigen bei dem Film an. Auch seine Frau Britta sagt: „Der Film muss mich emotional mitnehmen“, betont sie, „mitnehmen auf eine Reise, von der ich nicht zurück will.“

Nahezu täglich bekommen Britta und Eduard Barnsteiner Filme von Regisseuren, die ihr Werk in den Kinosälen sehen wollen. Das Ehepaar aus Ascheffel leitet den Filmverleih Barnsteiner-Film – der nördlichste Filmverleih in Deutschland – abgesehen von Beate Uhse in Flensburg.

Schon als Internatsschüler im Allgäu war der heute 50-Jährige Eduard Barnsteiner im Filmclub aktiv, bediente die 35-Millimeter-Maschine im Kinosaal. Barnsteiner studierte Jura und machte ein Praktikum bei Senator-Film. Außerdem absolvierte er eine Ausbildung zum Filmtheaterkaufmann. Von 2000 bis 2007 arbeitete er bei Disney, bevor er sich in Berlin mit seinem eigenen Verleih selbstständig machte. 2011 zog das Paar nach Klein Wittensee, 2014 nach Ascheffel.

Die Technik ist eine andere geworden. Zu Zeiten des 35-Millimeter-Films umfasste ein 90-Minüter noch rund 2,5 Kilometer Filmrolle, heute gibt es die Festplatte.

„Nach Fertigstellung eines Filmes erwirbt ein Filmverleih von der Produktionsfirma die Auswertungsrechte über einen vereinbarten Zeitraum“, erläutert Barnsteiner seinen Beruf. Der Verleih lässt die Filmkopien ziehen, die in Umlauf kommen, übernimmt das Marketing des Filmes und organisiert die Vermietung an die Kinos. Der Verleih erhält vom Kinobesitzer etwa 43 Prozent des Umsatzes.

„Der Montag ist der Dispositionstag, der wichtigste Tag für den Verleiher“, sagt „Barny“ Barnsteiner. Wenn die Wochenendeinspielergebnisse zusammengestellt sind, diskutiert der Vertrieb des Verleihs mit den Kinobetreibern, auf welchen Leinwänden der Film ab der kommenden Woche gezeigt wird.

Dabei sind es nicht die Rechte an großen Blockbustern, bei denen Barnsteiner mitbietet, sondern vielmehr Kinderfilme und die Streifen, die in kommunalen Kinos ihr Publikum finden. „Jeder Film, jeder Drehbuch ist eine Wette“, sagt Barnsteiner, eine Wette, ob der Film einschlägt oder nicht. Wenn aber viele-Hollywood-Filme dreimal am Tag im gleichen Kinosaal laufen, ist für die kleineren Filme schlicht kein Platz mehr. „Wir wollen die Vielfalt fördern“, sagt Bettina Wilkening-Barnsteiner. Vielfalt, das ist es auch, was sie sich von einem neuen Eckernförder Kino erhoffen. Ein Kino, das allen Alternsgruppe und Sparten etwas bietet.

Etwa 25 000 bis 75 000 Euro investiert Barnsteiner pro Film. Zum Vergleich: Bei Disney seien es etwa 1,7 Millionen Euro gewesen. Mit dem Geld muss die digitale Vorführkopie für Kinos erstellt werden, die Master DCP. Außerdem müssen Plakate, Grafiken, Pressematerial, bei Schulvorführungen pädagogisches Material entworfen werden. Der Verleih kümmert sich auch um eine marktgerechte Bearbeitung des Films, die Synchronisation sowie die Altersfreigabe. „Ein erfolgreicher Kinofilm ist es dann, wenn mindestens 25 000 Zuschauer den Film sehen“, sagt der 50-Jährige.

Zu schaffen macht der Branche die Piraterie. Viele Filme sind bereits vor dem offiziellen Kinostart illegal im Netz zu finden. „Das ist ruinös“, sagt Barnsteiner. Bei Disney seien die Schäden in die Millionenhöhe gegangen.

Mit dem Film „Der Bauer und sein Prinz“ ist Barnsteiner-Film auch bei Green Screen dabei. Am Sonnabend um 10 Uhr feiert der Film in Eckernförde Premiere. Es geht um Prinz Charles, der in einem ungewohnten Licht erscheint. Auf seiner Farm spricht er viel über Nachhaltigkeit. Er hat die Vision, die Welt ökologisch zu ernähren, „In England darf der Film nicht gezeigt werden“, sagt Barnsteiner. Laut Verfassung dürfe sich kein Mitglied der königlichen Familie öffentlich politisch äußern.

Mit „Circles“ hat Barnsteiner sich ein besonders Juwel gesichert. Der Antikriegs-Film hat mehrere Preise erhalten. Auf den großen Überraschungserfolg, der zum Kassenschlager wird, warten die Barnsteiners aber nicht. Denn nicht immer kann man den Triumph genießen: „Es geht das Gerücht, dass der Verleiher von ’Dirty Dancing’ so von dem Erfolg überwältigt wurde, dass er am Herzinfarkt starb“, erzählt Barnsteiner.


www.barnsteiner-film.de

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erstellt am 03.Sep.2014 | 08:00 Uhr

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