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Die Frau unten ohne : „Barfußlaufen ist gesund für mich“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförderin Kerstin Borowski braucht keine Schuhe, weder im Sommer noch im Winter. Notschuhe sind im Auto aber stets dabei.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Eckernförde | Eines hat Kerstin Borowski im Laufe der Jahre gelernt: „Ich habe immer Notschuhe dabei, für den Fall, dass sich jemand belästigt fühlt“, erklärt die 73-Jährige. Die Eckernförderin hat eine ganz einfache Lebensmaxime – sie läuft barfuß, zu jeder Zeit und an jedem Ort: „Entweder immer barfuß oder nie“.

Draußen regnet es, der Wind weht die Blätter vor sich her, es herrschen Temperaturen von 14 Grad. Kerstin Borowski muss wegen einer Besorgung noch einmal schnell in die Innenstadt. Sie zieht eine Jacke an, leint ihre Hündin Kimba an, nimmt die Schlüssel und verlässt das Haus. Ihre Füße sind nackt – Schuhe zieht die gebürtige Groß Wittenseerin schon lange nicht mehr an. „Ich bin schon als Kind immer barfuß gelaufen. Wir waren vier Kinder zu Hause – und Schuhe waren teuer.“ In der Öffentlichkeit trug sie damals aber noch Schuhe, in der Schule war das Tragen von Schuhen Pflicht.

Das tat sie als Lehrerin in der Albert-Schweitzer-Schule später nicht mehr. „Der Direktor hat mir in Sachen Kleiderordnung eine Ausnahme erteilt“, sagt sie. Kollegen, Schulkinder und Eltern hätten sich schnell an den Anblick gewöhnt. Das war und ist auch heute noch nicht immer so. „Der Anblick nackter Füße scheint bei einigen Menschen ein großes Befremden auszulösen“, weiß die 73-Jährige aus Erfahrung.

So wurde sie bei dem Besuch eines Kinos in Kiel angesprochen. „Ich bin barfuß ins Kino gegangen. Beim Verlassen wurde ich sehr barsch auf meine fehlenden Schuhe angesprochen.“ Nahezu dramatische Folgen hatten ihre nackten Füße vor Jahren auf dem portugiesischen Flughafen Faro. Ein Mitarbeiter empfand den Anblick als beleidigend. Die damals vier minderjährigen Töchter mussten getrennt von den Eltern ins Flugzeug steigen, Kerstin Borowski und ihr Mann durften den Flieger nur über den hinteren Eingang betreten. Eine so extreme Reaktion habe sie nie wieder erlebt, so die Eckernförderin – weder in Deutschland noch in England, wo sie vor Jahren eine ihrer erwachsenen Töchter besucht hat. „Barfußlaufen ist praktisch, ist gesund für mich und steigert mein Wohlbefinden – es ist ganz einfach“, sagt Borowski, die ehrenamtlich bei Green Screen tätig ist. Auch wenn es draußen klirrend kalt ist, zieht sie keine Schuhe an.

Es gibt drei Ausnahmen: Wenn im Winter wegen Eis Salz gestreut wird: „Das brennt wie Feuer auf der Haut“; wenn das Gelände am Eimersee auf der Hunderunde zu matschig ist und eine Rutschgefahr birgt – „die Gesundheit geht immer vor“ – und wenn sie Golf spielt. Vier Paar Schuhe besitzt die Seniorin: Gummistiefel, Golfschuhe, Winterstiefel und Birkenstocksandalen als Notschuhe. Jeden Abend teilt sie sich mit ihrer Hündin eine Salbe für deren Pfotenpflege. Zuvor wäscht sie ihre Füße mit einem Scotch Britt-Schwamm und bearbeitet die dicke Hornhaut mit einem Bimsstein. Und Verletzungen? „Kleine Dörner und Scherben schneide ich selbst heraus“, verrät sie. Ernsthafte Verletzungen habe sie aber noch nie gehabt. Ihr einziges Zugeständnis: „Ich hole mir alle neun Jahre eine Tetanusspritze.“

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