zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

24. Oktober 2017 | 03:18 Uhr

Bandendiebstahl: „Kronzeuge“ packt aus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Geschäftseinbrüche im Jahr 2014: 20 Jahre alter Altenholzer legt umfassendes Geständnis ab

von
erstellt am 15.Jan.2016 | 06:16 Uhr

Auf sein Konto gehen mehrere Einbrüche, Diebstähle und eine Körperverletzung, dennoch kam der 20 Jahre alte Altenholzer bei seiner Verhandlung am Eckernförder Jugendschöffengericht gestern ohne Freiheitsstrafe davon. Das hat er sich selbst zu verdanken: Er legte ein umfangreiches Geständnis ab und hatte der Polizei mit seinen Aussagen ermöglicht, die ganze Diebesbande dingfest zu machen.

Die Taten ereigneten sich zwischen April und Juli 2014. Der damals 18 und 19 Jahre alte Altenholzer war arbeitslos und kokainabhängig, wofür er Geld brauchte. Zudem wollte er mit seinen finanziell deutlich bessergestellten Bekannten mithalten und schloss sich einer Diebesbande an. Die jungen Männer hatten es auf Eisdielen und Geschäfte in Kiel, Kronshagen, Schönberg und Osterrönfeld abgesehen, brachen aber auch in Nortorf, Bordesholm und Heikendorf ein, teilweise hebelten sie ganze Ladenzeilen auf. Meistens ging es ihnen nur um das Bargeld in den Kassen, gingen aber teilweise auch mit leeren Händen nach Haus.

Der den Fall bearbeitende Kripo-Beamte schilderte in seiner Zeugenaussage die damalige Situation mit vermehrten Einbrüchen in Schleswig, Neumünster, Kiel und auch Eckernförde, die auf das Konto weiterer Täter gingen. Während sich die Mittäter des Angeklagten nicht auf ein Geständnis einließen, habe er als eine Art Kronzeuge „maßgeblich zur Aufklärung der Gesamtsache beigetragen“. Er habe keine tragende Rolle gespielt, andere seien die Köpfe der Bande gewesen. Zwei der Mittäter wurden am Landgericht zu fünf und dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Der Angeklagte berichtete aus seinem Leben: Seine Eltern trennten sich, als er zwölf Jahre alt war, die Schule brach er in der siebten Klasse ab. Es folgte eine zweieinhalbjährige Jugendhilfemaßnahme, ein halbes Jahr Obdachlosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit, schließlich der Abstieg in die Kokainsucht und Kriminalität. Seither aber hat der Angeklagte keine Taten mehr begangen, hat sich um eine Ausbildung bemüht und arbeitet zurzeit bei einer Zeitarbeitsfirma. Seine Freundin ist im sechsten Monat schwanger.

Seine Reifeverzögerung ließ das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen, sein Geständnis kam ihm zugute. Dennoch: Seine Lebenssituation sei zwar in Ordnung , aber alles andere als sicher, sagte der Richter, der eine Schuldfeststellung mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren aussprach. Sollte der Angeklagte in dieser Zeit wieder straffällig werden, würde es ein Nachverfahren mit einer Strafverhängung geben, bei der laut Richter „nicht sehr intensiv“ über eine Bewährung nachgedacht würde. Ebenso wäre es bei einer Verletzung der Auflagen: regelmäßiger Kontakt zu einem Bewährungshelfer, ein nachweisbar drogenfreies Leben und eine geregelte Arbeit oder eine Ausbildung. Bei Arbeitslosigkeit muss der Angeklagte 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Sie haben es selbst in der Hand“, so der Richter. „Sie können ausgesprochen glimpflich davonkommen.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen