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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 09:29 Uhr

Hof Kubitzberg : „Balsam für die Seele“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Einrichtung der NGD hilft psychisch Erkrankten zurück in den Beruf / 25-jähriges Bestehen wird mit Tag der offenen Türen gefeiert

von
erstellt am 07.Sep.2014 | 06:10 Uhr

Der Hof Kubitzberg gibt Menschen Arbeit, die sonst keine hätten, und damit Halt für ihren Alltag – seit 25 Jahren begleitet die Einrichtung der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie (NGD) psychisch Kranke bei der Genesung und damit verbundenen beruflichen Rehabilitation. Bekannt ist der Hof für seinen Bioladen, doch hat er darüber hinaus noch weitere Arbeitsbereiche, die sich alle anlässlich des Jubiläums beim Tag der offenen Türen am Sonnabend, 13. September, interessierten Besuchern präsentieren.

1988 setzte die NGD die dezentrale, regionale Betreuung psychisch erkrankter Menschen auf dem Hof Kubitzberg um. Anfangs sei es Teil des Konzepts gewesen, dass die begleiteten Menschen dort wohnen und arbeiten, erklärt Christian Oberländer-Wille, Leiter des Hauses, rückblickend. Heute würden sie dort nur noch arbeiten, aber in Kiel wohnen. „Wir sind von einem Rundum-Angebot zum Arbeits-Angebot geworden“, sagt Oberländer-Wille. Zehn Mitarbeiter und zwei der insgesamt sechs Gruppenleiter, die alle sonderpädagogisch und in ihrem jeweiligen Fach ausgebildet sind, organisieren den Bioladen. Er bietet neben eigenen Produkten nach Bioland-Richtlinien auch Waren vom Großhandel und damit ein Vollangebot. Den Service, gewünschte Waren als Abo-Kiste zu bekommen, nutzten viele Kunden aus Kiel, aber auch dem Dänischen Wohld, so Oberländer-Wille.

Weitere 50 betreute Menschen sind in den anderen Gruppen tätig: Sie kümmern sich um die 600 Hühner, zehn Galloway-Rinder sowie diverse Enten und Gänse, sorgen für den Futter-Anbau oder den Gemüse-Anbau, verarbeiten Waren auf Bestellung wie zum Beispiel geschälte und gespaltene Kartoffeln und fertigen in der Ergotherapie kreative Dinge wie Holzschmuck oder Stofftaschen an.

Die Erkrankungen der begleiteten Menschen, die zwischen 18 und 60 Jahre alt sind, sind vielfältig – Depressionen, Psychosen, Epilepsie, Persönlichkeitsstörungen sowie Zustände nach Schlaganfällen oder Unfällen wurden bei ihnen diagnostiziert und behandelt. Die medizinische Reha muss abgeschlossen sein, wenn die Menschen auf den Hof kommen, sagt Gabi Alt vom Sozialdienst. Eine Beschäftigung auf dem Hof gebe ihnen Struktur, ihrem Alltag Sinn und schütze sie vor Einsamkeit, weiß Alt aus ihrer Erfahrung. Als „Balsam für die Seele“ habe einer der Mitarbeiter das einmal bezeichnet. Sollte die angestrebte Rückkehr in den ersten Arbeitsmarkt nicht gelingen, wird nach Möglichkeiten gesucht, die Menschen weiter in die Abläufe auf dem Hof einzubinden.

Mit Tagen der offenen Türen, Praktika für die Konfirmanden der Kirchengemeinde aber auch geführten Rundgängen gewährt der Hof Einblick in seine Aufgaben und wirbt damit gleichzeitig für Verständnis. „Wir sind kein gewöhnlicher Großhandel. Wenn jemand spontan noch 20 Kilo geschälte Kartoffeln nachordert, versuchen wir immer, das hinzukriegen, haben dabei aber die Verfassung der Mitarbeiter im Blick“, erklärt Oberländer-Wille. „Und wenn sie das hinkriegen, dann wollen wir das auch wertgeschätzt wissen.“

Die Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung der Menschen mit Behinderung steht auf dem Hof Kubitzberg im Vordergrund. Und so entschieden sie auch, wie das Jubiläum begangen werden soll. Neben Einblicken in alle Arbeitsbereiche im laufenden Betrieb gebe es verschiedene Mitmachmöglichkeiten zum Beispiel beim Eier sortieren oder Kartoffeln schälen. Der Bioladen lädt zu verschiedenen Verkostungen ein, dazu sind auf dem kleinen Bauernmarkt, der am Hofladen aufgebaut wird, Produkte anderer Werkstätten der NGD wie Kerzen, Taschen und Holzspielzeuge, aber auch Käse und Backwaren zu finden. Für Musik ist ebenso gesorgt wie für Spiele.

Der Tag der offenen Türen am 13. September beginnt um 10 Uhr und endet um 16 Uhr. Parkplätze sind ausgeschildert.

 

 

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