Strandgefahren : Bald keine Kite-Surfer mehr in Weidefeld ? Gefahren für Badegäste in Waabs

Ein Himmel ohne Kite-Surfer könnte am Weidefelder Strand vielleicht Wirklichkeit werden. Einige erschweren die Arbeit der DLRG erheblich.
Ein Himmel ohne Kite-Surfer könnte am Weidefelder Strand vielleicht Wirklichkeit werden. Einige erschweren die Arbeit der DLRG erheblich.

Leser berichtet von uneinsichtigen Wassersportlern am Weidefelder Strand. Strandbetreiber Theo Kalmar will notfalls rigoros gegen Kite-Surfer vorgehen. Waabser DLRG hat Polizei wegen Kite-Surfer eingeschaltet.

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23. Juli 2014, 15:00 Uhr

Waabs | In den vergangenen Tagen haben die Meldungen über Badeunfälle mit tödlichem Ausgang ein beängstigendes Maß angenommen. Offenbar kann der Aufenthalt in markierten Badezonen oder sogar am Strand ebenfalls gefährlich sein – das legen zumindest Ereignisse am Weidefelder Strand vom Sonntag nah. Kite-Surfer sollen am Nachmittag mehrfach Badegäste in bedrohliche Situationen gebracht haben. Offenbar ging die Gefährdung so weit, dass Strandpächter Theo Kalmar laut darüber nachdenkt, Kite-Surfer an seinem Strand grundsätzlich nicht mehr zu dulden.

Ein Leser meldete sich und schilderte seine Beobachtungen vom Sonntag. Er sprach von „Lebensgefahr“. Die auffälligste Situation betraf demnach einen Kite-Surfer, der „mehrfach mit Absicht mit sehr hoher Geschwindigkeit“ durch die mit weißen Bällen deutlich abgetrennte Badezone gefahren sei. Zu diesem Zeitpunkt haben sich, so beschreibt es der Strandbesucher aus Mohrkirch, etliche Badende in diesem Bereich befunden, und der Kite-Surfer habe einen Abstand von „zum Teil weniger als einem Meter“ gehabt. Der Mohrkircher berichtet weiter, dass der junge Mann schließlich per Trillerpfeife und „persönlichem Körpereinsatz“ eines DLRG-Strandwächters an Land gebracht wurde. „Bei Ostwind ist es jedes Jahr dasselbe“, so der Leser. „Es sind ein paar Chaoten, die glauben, sie hätten das Recht gepachtet.“ Gleichzeitig betont er, dass es andere Kite-Surfer gegeben habe, die „vorbildlich hinter der zweiten Sandbank“ geblieben seien.

Theo Kalmar hat den Vorfall nicht selber gesehen, sich davon aber von seinem DLRG-Team berichten lassen. Und er bestätigt die Beobachtungen – mehr noch: Als der Kite-Surfer an Land zitiert wurde, habe er, so der Strandpächter, dem DLRG-Wachleiter Schläge angedroht. Kalmar: „Der Wachleiter hat ihn dann aufgefordert – und zwar auch in meinem Namen –, sofort das Grundstück zu verlassen.“

DLRG-Mann Hubert Koch war am Sonntag Zeuge des Zwischenfalls, und er erinnert sich an den Kiter, der „ohne Rücksicht“ durch die Badenden gefahren sei. Koch schätzt dessen Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer

Kalmar räumt ein, dass es schwer sei, Kite-Surfer zu kontrollieren, aber er weiß um die Regeln für diese Wassersportler. Dazu gehöre etwa ein Mindestabstand von 300 Metern zur Badezone sobald sie eine Geschwindigkeit von acht Stundenkilometern erreichten. In der Badezone selber habe kein Kiter etwas zu suchen. „Die DLRG hat so schon genug zu tun“, sagt Kalmar, „Wenn jetzt auch noch die Kiter so viel Aufmerksamkeit binden, können die Wachläufer ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen“, befürchtet der Strandpächter.

Kalmar ist selber leidenschaftlicher Windsurfer. „Wir haben mit unseren Surfschülern früher viel Theorie gepaukt, es ging um Transportfragen, Ausweichregeln, physikalische Grundsätze“, sagt er. „Heute geht es nur noch darum, den Leuten ein Fun-Erlebnis zu ermöglichen, Theorie spielt keine Rolle mehr.“ Kalmar stellt klar: „Wenn sich die Kiter nicht reglementieren lassen, schieben wir notfalls einen Riegel davor.“ Der Strand ist Privatgrundstück, Hausrecht hat er beziehungsweise die DLRG.

Der Mohrkirchner berichtet von weiteren Zwischenfällen. So habe es unter anderem zwei jungen Frauen gegeben, deren Drachen beim Startversuch entweder ins Wasser zwischen die Badenden oder auf Land zwischen eine Gruppe Strandbesucher gestürzt seien. „Ich wünsche mir mehr gegenseitige Rücksichtnahme aller Strandbesucher“, sagt er. „Es kann doch nicht sein, dass eine Handvoll Leute das Urlaubsgefühl und die Sicherheit so vieler anderer torpedieren.“

Kite-Surfer gefährden Badegäste in Langholz in der Badezone

„Lebensgefährlich“ – Winfried Achtert fehlen fast die Worte. Der DLRG-Wachleiter für Strände in Kleinwaabs und Langholz kann das Verhalten von Surfern und Kite-Surfern an den Badestellen nicht verstehen. Seit dem der Wind aus Osten kommt und eine starke Welle auf die Waabser Strände wirft, sind bis zu 20 Kitesurfer und Surfer im und am Wasser unterwegs. Dabei führen sie rücksichtslos und widerrechtlich durch die abgetonnten Badebereiche – quer durch die Schwimmer im Wasser. Besonders in Langholz sei es am Wochenende so dramatisch gewesen, dass Achtert die Polizei und das Ordnungsamt Schlei-Ostsee holte. Seine teils noch jungen Rettungsschwimmer seien von den Kite-Surfern übel beleidigt und beschimpft worden, als diese sie auf das absolute Verbot zum Surfen im Badstellenbereich hinwiesen und sie vergeblich aufforderten den Bereich zu verlassen.

Seit rund zehn Jahren, so lange sei er an dem Strand im ehrenamtlichen Einsatz, sei das immer wieder ein Problem, in diesem Jahr sei es aber besonders schlimm, so Achtert. Bisher sei aus purem Zufall noch nichts passiert, aber es müsse ja nicht erst etwas passieren, daher fordert er Konsequenzen. Sie hätten der Polizei einige Autokennzeichen von vermeintlichen Surfern gegeben, so der Wachleiter. Dies bestätigte Uwe Kornienko, stellvertretender Leiter der Polizeistation Damp. Sie würden die Liste zur weiteren Ermittlung an die zuständige Wasserschutzpolizei weiterreichen, die am Wochenende nicht nach Waabs rauskommen konnte. Ganz klar besteht ein Verbot für Wasserfahrzeuge aller Art – Motorboote, Segelboote, Kite-Surfer und Surfer – in die abgetrennten Badebereiche einzufahren, sagte Kornienko. Das sei auch auf vielen Schildern am Zugang zum Strand zu lesen, so Achtert. Alle riefen immer nach Sicherheit am Badestrand, aber gegen uneinsichtige, rücksichtslose und „freche“ Surfer seien sie machtlos. Spreche man sie an, dann hätten sie tausend Ausreden, warum sie quer durch die Badenden führen. Dabei hätten gerade Kite-Surfer kaum ein Auge aufs Wasser, da sie immer ihr Segel in der Höhe im Blick hätten, so Achtert, stinksauer.

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