Tag der offenen Tür auf dem Klärwerk : Bakterien müssen sich hier wohl fühlen

Für schwindelfreie Besucher: oben vom Eindicker mit dem besten Überblick.
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Für schwindelfreie Besucher: oben vom Eindicker mit dem besten Überblick.

Tag der offenen Tür auf der Kläranlage / Gemeinde bot Führungen über das Gelände an / Holger Ohm kennt die Anlage in- und auswendig

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24. Juni 2015, 06:38 Uhr

1973 wurde sie erbaut, 1993 ausgebaut, 2009 modernisiert und erweitert. 315  000 Kubikmeter Abwasser durchfließen sie im Jahr, davon 260  000 Kubikmeter Schmutzwasser. Das entspricht einer Belastung von etwa 12  500 Einwohnerwerten. Die größte Herausforderung stellt dabei das salzhaltige Abwasser der Käserei Holtsee dar. Um den Einwohnern ihre Kläranlage näherzubringen, hatte die Gemeinde am Sonnabend zum Tag der offenen Tür ins Klärwerk eingeladen. Um die 20 Besucher kamen bereits um 10 Uhr, um die erste Führung mitzumachen.

„Das Klärwerk Holtsee ist die größte Einrichtung, die die Gemeinde betreibt“, machte Bürgermeister Jens-Peter Frank zur Begrüßung deutlich. „Mit allen Problemen und Anforderungen.“ Es sei nicht immer einfach, alles im Griff zu behalten im Rahmen der gesetzlichen Regelungen. Denn das Klärwerk sei, der Käserei geschuldet, recht groß für eine so kleine Gemeinde. Er dankte Klärwärter Holger Ohm und dem Gewässerschutzbeauftragten Ramon Hiemcke, die dafür sorgen, dass alles funktioniert und die vorgegebenen Grenzwerte eingehalten werden. Dann startete Holger Ohm, der die Anlage nach 27 Jahren in- und auswendig kennt, die erste Führung. „Damit die Leute sehen, wo ihr Geld bleibt“, sagte er und schmunzelte.

„Es wurde viel investiert in den vergangenen Jahren.“ Auf einem großen Übersichtsplan am Betriebsgebäude zeigte und erläuterte er den Besuchern, wie das Klärwerk aufgebaut ist und wie es funk-tioniert. Am Zulauf der Kläranlage kommt das Abwasser aus den Gemeinden Holtsee und Haby, ein Teil aus Regenwasser und Drainagen, von den Betrieben und der Käserei Holtsee an. 80 Prozent davon sind Industrieabwässer aus der Käserei. „Eine große Herausforderung, da es sehr salzhaltig ist“, erklärte Ohm. Der Salzgehalt des Abwassers in der Kläranlage Holtsee liege bei 1000 bis 1500 Milligramm pro Liter. In normalen Kläranlagen liege er unter 100 Milligramm pro Liter. Dadurch, dass die Einleitungsstelle von der Habyer Au, die in den Wittensee mündet, in den Nord-Ostsee-Kanal verlegt wurde, konnte die Nährstoffbelastung des Wittensees deutlich reduziert werden. Dem Wasser im Kanal schadet der Salzgehalt im Abwasser nicht, da es ohnehin salzig ist.

Auf ihrem Rundgang sahen die Besucher, wie im Rechengebäude mit Sandfang grobe Teile wie Plastik, Kondome oder Fett aus dem Abwasser entfernt werden, wie in den Belebungsbecken Sauerstoff untergemischt wird, damit Bakterien die Inhaltsstoffe im Abwasser abbauen und Schlamm daraus machen, und wie sich im Nachklärbecken noch vorhandene Schwebstoffe absetzen und klares Abwasser die Anlage verlässt. Anschließend werden mit Chemikalien Phosphate aus dem Abwasser entfernt, der absinkende Schlamm aus der Nachklärung abgesogen, über die Schwerkraft eingedickt und mit der Zentrifuge entwässert. Dem Schlamm wird Kalk zugesetzt, um ihn zu hygienisieren, so dass er in der Landwirtschaft verwertet werden kann. Die Besucher, so wie Johanna Carl aus Harzhof und Inga Schröder aus Holtsee, fanden den Rundgang interessant. „Ich wollte mich hier auch über die Verwertung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen informieren“, verriet Johanna Carl, die einen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet. Inga Schröder wollte vor allem sehen, wie sich das Klärwerk in den vergangenen 25 Jahren entwickelt hat. „Ich bin schon beeindruckt von der Größe der Anlage“, meinte sie. „Und es ist sehr faszinierend von der Technik her.“

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