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Lokführerstreik : Bahnkunden fahren im Zwei-Stunden-Takt

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Von tiefenentspannt bis genervt – die Fahrgäste reagieren sehr unterschiedlich auf den erneuten Lokführerstreik. Die Bahn hat einen Notfallfahrplan aufgestellt: Die züge fahren, allerdings im Zwei-Stunden-Rhythmus statt alle halbe Stunde.

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erstellt am 23.Apr.2015 | 06:09 Uhr

Eckernförde | Da standen sie nun wieder am Bahnsteig, die wartenden Streikopfer. Der erneute Streik der GDL-Lokführer hat zwar dank der medialen Ankündigung niemanden so richtig überrascht, die Bahnfahrer gestern aber mehr oder weniger genervt wegen der langen Wartezeiten und verpassten Anschlüsse. Statt im halbstündigen Rhythmus fuhr die Regionalbahn nach Flensburg und Kiel nur im Zwei-Stunden-Takt. Die Pendler hatten sich darauf eingestellt und sind vorsorglich auf Busse und Privatwagen umgestiegen.

Um 5.48 Uhr Uhr ging der erste Zug gen Norden, dann wieder um 8.10 Uhr alle zwei Stunden bis 20.10 Uhr. Nach Kiel fuhren die Züge ab 6.49 Uhr, dann von 7.49 bis 21.49 Uhr ebenfalls alle zwei Stunden. Immerhin fuhren sie noch, wenn auch nur mit Hilfe eines Notfahrplans und dem Einsatz von verbeamteten Lokführer. Die Bahn setzt auch Busse ein: Von 6.07 bis 20.07 Uhr setzt von Kiel Hauptbahnhof nach Eckernförde und von 6.19 bis 20.19 Uhr von Eckernförde ZOB bis Kiel alle zwei Stunden, Fahrzeit 51 Minuten.

„Ich bin tiefenentspannt“, sagte die Gettorferin Irene Radloff. Sie ließ sich überhaupt nicht stressen vom Ausfall der Züge, auch wenn sie eine dreiviertel Stunde auf dem Eckernförder Bahnhof warten musste, um nach einem wichtigen Termine wieder nach Gettorf zurückzufahren. Sie nahm’s mit einem Lächeln und zeigte Verständnis für den Streik der Lokführer. „Die streiken ja nicht aus Lust und Dollerei“. Andere Fahrgäste hätten allerdings überhaupt kein Verständnis für den Lokführerstreik aufgebracht, berichtete Irene Radloff. Die Gettorferin hatte sich am Abend vorher auf der Homepage der Bahn über den eingeschränkten Fahrplan informiert, „sonst hätte ich es heute nicht geschafft“.

Richtig sauer ist hingegen Sina Kesselring aus Loose. Die junge Mutter arbeitet bei New Yorker im Sophienhof in Kiel. Weil sie ihre Tochter bis 14.30 Uhr auf der Looser Kita abgeholt haben muss, kann sie dort nur drei Stunden am Tag arbeiten. Gestern allerdings fiel ihre Schicht komplett aus. Der Grund: Der Zug um 8.45 Uhr Richtung Kiel fuhr nicht, und der Bus war schon um 8.40 Uhr vom ZOB abgefahren. Hätte sie den Zug um 9.49 Uhr genommen, wäre sie um kurz vor 10.30 Uhr im Geschäft - das hätte sich dann angesichts der ohnehin knappen Arbeitszeit nicht mehr gelohnt. Sina Kesselring hat bei ihrer Chefin angerufen und gemeinsam mit ihr entschieden, an diesem Tag nicht zu kommen. „Jetzt habe ich drei Minusstunden, die muss ich nacharbeiten“, sagte die genervte Looserin. „Es geht ja kein Lokführer für mich arbeiten.“ Heute wird sie sich wohl mit einer Arbeitskollegin aus Kappeln zur Mitfahrt im Pkw verabreden, um dem Streik aus dem Weg zu gehen. „Ich hab’ dafür überhaupt kein Verständnis“, sagt Sina Kesselring, es sei der gefühlt siebte Lokführerstreik in zehn Monaten: „Irgendwann hört’s auf, immer auf Kosten der kleinen Leute.“

Die Lokführergewerkschaft hat angekündigt, bis heute um 21 Uhr weiterzustreiken.

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