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PLANUNG FÜR NEUES STADTQUARTIER : Bahnhofsareal: Wohnen und Parken

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Machbarkeitsstudie für den B-Plan 69 wurde am Mittwoch im Bauausschuss vorgestellt. Er sieht unter anderem die Schaffung neuer Parkplätze und die Verlegung des ZOB westlich der Gleise vor.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 05:30 Uhr

Eckernförde | Ein neues städtebauliches Quartier, das Raum für Wohnen, Parken, Freizeit und Einzelhandel bietet, könnte auf dem Bahnhofsareal zwischen Schulweg und Lornsenplatz/B  76 sowie Grüner Weg und Reeperbahn entstehen. Zu wertvoll sei die 11  400 Quadratmeter große innenstadtnahe Fläche, so der Beschluss der Ratsversammlung von Mai 2016, dass sie nur als Parkfläche dienen solle. Zudem soll langfristig das Ziel verfolgt werden, den ruhenden Verkehr aus der Innenstadt zu verbannen. Das Architekturbüro Sunder-Plassmann aus Kappeln war seinerzeit mit einer Machbarkeitsstudie für den B-Plan 69 „Bahnhofsareal und Umgebung“ beauftragt worden, die Gregor Sunder-Plassmann am Mittwochabend auf der Sitzung des Bauausschusses, der unter der Leitung von Thorsten Peuster (SSW) stand, vorstellte. Eng verbunden mit der Überplanung des neuen Quartiers ist die Frage der Parkplatzsituation in Eckernförde, da durch die Bebauung des jetzigen Park  &  Ride-Parkplatzes ein zusätzlicher Verlust der ohnehin knappen Parkplätze erfolgen würde.

Sunder-Plassmann stellte zwei Varianten der Überplanung vor, die sich durch die Lage des ZOB unterscheiden. Bei einem Entwurf verbleibt der ZOB an alter Stelle, bei dem anderen wird er westlich der Bahngleise auf dem Grünen Weg neu errichtet.

Die Studie sieht auf der östlichen Seite der Bahngleise Gebäude für Wohnungen, Praxen, Büros oder Einzelhandel vor, einen Stadtplatz, der Raum für Begegnungen schafft, ein mögliches Kino nördlich des Bahnhofes und eine Tiefgarage. Auf der westlichen Seite der Bahngleise soll am Grünen Weg ein ZOB für Überlandbusse/Regionalverkehr, ein Split-Level-Parkdeck und gegenüber der nördlichen Bebauung eine weitere Parkpalette am 3. Gleis entstehen. Um eine zusätzliche Verschärfung der Parkplatzsituation während der Bauphase zu vermeiden, schlägt der Fachmann die Bebauung in vier Schritten vor. 1. Bau des Parkdecks am Grünen Weg, 2. Entwicklung des städtebaulichen Volumens nördlich des Bahnhofes inklusive Bau der Tiefgarage, 3. Errichtung der Parkpalette am 3. Gleis, 4. Entwicklung des südlichen Geländes einschließlich Bahnhof. Der fließende Stadtverkehr wird weiter über die Reeperbahn geführt – das gilt auch für die Busse des Stadtverkehrs.

Für Verwirrung bei den Mitgliedern des Ausschusses sorgten die Parkplatzzahlen. Schnell kursierte die Frage, über wie viele öffentliche Stellflächen die Stadt dann überhaupt verfüge. So sah Bürgermeister Jörg Sibbel sich veranlasst, eine Parkplatzbilanz zu ziehen. Zugrunde legte er die Beschlussempfehlung des Bauausschusses für ein Parkraumkonzept aus dem Jahr 2015, das 300 zusätzliche Stellplätze für Veranstaltungen und Tagestouristen vorsieht. Habe es im Zeitraum 2013/2014 in der Stadt insgesamt 2014 öffentliche Parkplätze gegeben, seien es jetzt 1644 Stellplätze – unter der Annahme, dass das Bauvorhaben auf der Fläche des B-Plans 69 verwirklicht wird, so Bürgermeister Sibbel. „Diese Zahl enthält sowohl alle tatsächlich verlorengegangenen Stellflächen als auch geplante Verluste, so dass am Ende inklusive der 300 zusätzlichen Plätze 848 Stellflächen als Kompensations- und Aufstockungsbedarf vorhanden sind“, erklärte Sibbel. Diese Parkplätze fehlen also.

Er machte deutlich, dass durch die Verlagerung des ZOB auf den Grünen Weg Fläche für Parkplätze verloren gehe. Auch für das Split-Level-Parkdeck müsse ein Fläche für An- und Abfahrt vorgehalten werden. Als Ergebnis stellte der Bürgermeister fest, dass auf dem Grünen Weg rund 600 neue Stellflächen geschaffen werden müssten. Grob geschätzt koste das rund 6 Millionen Euro. Die Schätzung für die Parkpalette am 3. Gleis belaufe sich auf 2,4 Millionen Euro. (Zum Vergleich: Die Kosten für das neue Parkdeck in der Noorstraße belaufen sich auf 3 Millionen Euro für 177 Stellflächen.)

Als Katharina Heldt (CDU) die Frage nach einem drohenden Parkplatzverlust auf dem Exer durch die eventuelle Errichtung eines Hotels stellte, fand Bürgermeister Sibbel kritische Worte und warnte die Politiker vor Schnellschüssen: „Bevor wir mit irgendwelchen Beschlüssen kommen, sollten wir den Bürger befragen, welchen Stellenwert der Tourismus in Eckernförde hat und haben soll.“ Trotz der Tatsache, dass in diesem Sommer nicht allen Übernachtungswünschen von Gästen entsprochen werden konnte und trotz der hohen Zahl von zwei Millionen Tagesgästen, die jährlich den Weg ins Ostseeband finden, stellte der Bürgermeister klar: „Die gesamte Bevölkerung lebt nicht allein vom Tourismus.“

Eine klare Absage erteilte der Ausschuss einem Eilantrag der SSW-Fraktion auf Bebauung des Skaterplatzes mit einem Parkhaus. Der Antrag sah vor, vor dessen Bau in Abstimmung mit den Jugendlichen auf der gegenüberliegenden Seite des Schulweges einen neuen Skaterplatz zu errichten. SSW-Fraktionschef Rainer Bosse begründete diesen Antrag mit dem Verlust von Parkraum durch den B-Plan 69 und dessen Kompensation durch ein Parkhaus auf dem Skaterplatz. Georg Bicker (CDU) sprach vom „Alleingang, der mich fast vom Stuhl gehauen hat“. „Mit uns wird es keine Bebauung des Skaterplatzes geben und schon gar nicht durch ein Parkhaus“, sagte Frauek Piechatzek (SPD). „Wir können das Problem nur lösen, wenn wir ein Gesamtkonzept finden“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzende Katharina Heldt. „Einzelbeschlüsse bringen da gar nichts.“ Diese Aussage veranlasste Edgar Meyn (Die Grünen), ein Lob in Richtung CDU auszusprechen für den Willen, das Parkraumkonzept fortzusetzen „und Anträge, die schief aus der Ecke kommen, nicht zu beachten“. Sören Vollert (Die Grünen) ging noch weiter. Man solle langfristig denken, so das Bürgerliche Mitglied. In absehbarer Zeit gebe es nur noch Elektroautos, die autonom fahren würden. „Wir geben so viel Geld von öffentlichen Mitteln aus. Da sollten wir uns fragen, ob das langfristig gesehen richtig ist.“

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