zur Navigation springen

Bäume schlagen aus und andere Gewalttätigkeiten

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Es gibt wirklich gefährliche Monate, wie zum Beispiel den Mai, in dem - jeder weiß es - sogar "die Bäume ausschlagen". Später sind sie dann wieder total friedlich. Aber eigentlich geht es ja schon morgens los, wenn wir die "Augen aufschlagen". Die Sonne mischt bei alledem auch noch mit, kaum bin ich aus der Tür, "sticht sie" schon, im Norden allerdings nur ab und zu, und obendrein "schießt auch noch der Salat", dabei will ich doch im Garten nur "ein Foto schießen".

"Kaninchen werfen", womit nur und nach wem? Hasen "schlagen Haken", nein, nicht in die Wand - merkwürdige Gesellen - wen "sticht denn nun hier der Hafer"? Alles klingt ziemlich grob, finden Sie nicht? "Einer zieht dem anderen das Fell über die Ohren", heute wie damals. Manchmal hätte ich große Lust, meinem Gegenüber "die Ohren langzuziehen", und da ist dann gar nicht mehr von Tieren die Rede ... und lustig ist es auch nicht.

Tagtäglich "fällen wir Entscheidungen", wir sollten dabei möglichst kein "Wort fallen lassen", aber auch niemandem "das Wort abschneiden", wär doch unhöflich und obendrein verletzend. Und auf gar keinen Fall sollten wir das "Kind mit dem Bade ausschütten" oder einem anderen "die Ehre abschneiden". Ein Schlagwort nach dem anderen schlägt hier gewaltig zu. Betätigen wir uns eigentlich handwerklich, wenn wir "Hoffnung schöpfen" oder anderen "eine Brücke bauen"?

Wenn wir heutzutage nicht "einen Zahn zulegen", wenn wir jemandem "ein Dorn im Auge" sind, werden uns vielleicht "Daumenschrauben angelegt" oder, genauso brutal, man "nimmt uns in die Zange". Aber in einem guten Gespräch sollten wir dem Partner, auf den wir "ein Auge geworfen" haben, eine "Eselsbrücke bauen", uns aber auf keinen Fall "Sand in die Augen streuen" lassen.

Und doch, wenn jemand einen Sündenbock braucht, "dreht er uns möglicherweise durch die Mangel". Wir hätten wohl besser die Warnungen nicht "in den Wind geschlagen", nun wird uns diese ganze unglaubliche Geschichte wahrscheinlich "auf den Magen schlagen".

Aber ehe ich mir hier die "Zunge abbreche", sollte ich "die Kirche lieber im Dorf lassen", ich weiß etwas viel Besseres: ich mach mir einen Tee und lass jetzt einfach mal "meine Seele baumeln" - und vielleicht kennt sowieso in der nächsten Generation kaum noch einer diese Redewendungen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen