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Eckernförder Zeitung

18. Oktober 2017 | 09:56 Uhr

Vortrag : Bäume – geliebt und gefällt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Naturschutzbeauftragte Michael Packschies erzählt von seinen Erfahrungen mit Bäumen und Menschen.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2016 | 05:50 Uhr

Eckernförde | Wie steht es um Eckernfördes Bäume? Einige werden gepflegt, andere gefällt. Einen Überblick gab am Dienstagabend Michael Packschies, Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung, in seinem Vortrag „Bäume! Verehrt, gepflegt, verhasst, gefällt“. Auf Einladung des Nabu-Ortsvereins sprach er in der Bürgerbegegnungsstätte vor 60 Besuchern.

Laut Baumschutzsatzung der Stadt muss für jeden Baum, der gefällt werden soll, eine Genehmigung eingeholt werden. Voraussetzung: Der Baum hat in einer Höhe von einem Meter mindestens einen Stammumfang von 80 Zentimetern (Eiben und Ilex 50 Zentimeter). Die Gründe für eine Fällung können unterschiedlich sein. Manchmal verstopfen oder zerstören die Wurzeln Abwasserkanäle – aber nicht alle. So erzählte Packschies von einem Fall, bei dem sich herausstellte, dass nicht die nahe liegende Buche die Leitung verstopfte, sondern die weit entfernt liegende Pappel.

Doch die Baumschutzsatzung ist keine Fäll-Verhinderungssatzung. Sie dient auch „zur Abwehr schädlicher Einwirkungen“. Wenn ein Baum zum Beispiel durch einen Sturm stark geneigt steht, bleibt oft nur die Kettensäge. Besonders traurig sind die sich in letzter Zeit häufenden Baumkrankheiten: Nach dem Ulmen- und Eschentriebspitzensterben geht es vermehrt den Kastanien an den Kragen: „Es gibt nur noch wenige Kastanien in Eckernförde, die nicht von dem aktuellen Bakterium befallen sind“, so Packschies. Erste Anzeichen der tödlich verlaufenden Krankheit sind braune Flächen an den Stämmen, aus denen es teerartig herausläuft. „Dann kann es ganz schnell gehen: Erst bilden sich Pilze und bald fällt die Rinde ab. Unter ihr ist das Holz dann schon tot.“ Besonders deutlich wird das an der Strandpromenade auf Höhe des Wellenbads. Alle dort stehenden Kastanien werden nach Packschies’ Einstellung in ein bis zwei Jahren tot sein.

Städte, Gemeinden und Wohnungsbauunternehmen sind verpflichtet, zweimal im Jahr ihre Bäume begutachten zu lassen. Das Problem laut Packschies: „Die Baumkontrolleure sind persönlich haftbar. Das ist eine ganz unglückliche Situation.“ Denn das führe dazu, dass zu oft Bäume gefällt werden, bei denen an sich noch Hoffnung bestehe. „Aber die Kontrolleure stehen immer mit einem Bein im Gefängnis.“Oft gibt es zu Baumfällungen auch noch den Pflegeschnitt als Alternative. Nicht mehr als ein Fünftel des Kronenvolumens darf ohne Genehmigung entnommen werden. „Aber auch eine Baumschutzsatzung schützt nicht davor, dass sich Menschen darüber hinwegsetzen.“ Einige zahlten einfach das Bußgeld, mit anderen stehe die Stadt noch nach vier Jahren vor Gericht.

Packschies nannte auch lobenswerte Beispiele für den Umgang mit Bäumen. In der Prinzenstraße bestehe der Garten eines Hauses nur noch aus einer großen Blutbuche. Die Besitzer haben sogar eine Pergola gebaut, die die schweren Äste abstützt. „Diese Menschen fühlen sich ihrem Baum sehr verbunden.“ Und die Blutbuche im Alten Landratspark werde regelmäßig von Fachleuten behandelt und durch Seilabspannungen in ihrem Erhalt unterstützt. „Es lohnt sich bei so einem großartigen Baum.“

Einen Rat hatte Michael Packschies am Schluss: „Ganz wichtig ist es, Kletterbäume zu erhalten, damit die, die in Zukunft unsere Bäume schützen sollen, sie schon früh erfahren können.“

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