Bärenstark und hochkomisch

Tobias Hanf, Jan Melzer, Frank Valet und Sanna Nyman sind die mitreißende A-Capella-Comedy-Truppe „LaLeLu“.
Tobias Hanf, Jan Melzer, Frank Valet und Sanna Nyman sind die mitreißende A-Capella-Comedy-Truppe „LaLeLu“.

A-Capella-Comedy mit LaLeLu in der Stadthalle: „Die Schönen und das Biest“

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25. März 2019, 11:38 Uhr

Bereits seit 20 Jahren sind „LaLeLu“ mit ihrer ganz speziellen A-Capella-Comedy unterwegs und haben sich damit eine große und treue Zuhörerschaft ersungen. „LaLeLu“, das sind die drei Schönen Tobias Hanf, Jan Melzer, Frank Valet und mit dem Biest könnte Sanna Nyman gemeint sein, die Sängerin mit den finnischen Wurzeln. Ohne Instrumente bieten sie einen Reigen an Liedern, Tanz und Slapstick. Bekannte Songs aus Pop, Schlager und Klassik werden zitiert, umgetextet und in neuer Mischung verwoben, bis sie sich in veränderter Form als Komik neu präsentieren.

Um die vielen Anspielungen verstehen zu können, muss man allerdings schon sehr lange aufmerksam den Hitparaden in Funk und Fernsehen gefolgt sein und ein gutes musikalisches Gedächtnis haben. Passen Frauen und Männer doch zueinander? Kann man eine Liebeserklärung auch grunzen? Gibt es Liebe im Zeitalter von Tinder und #metoo? Was macht Papageno am Ballermann? Was ist Achtsamkeits-Doom-Metal? Fragen über Fragen.

Das Thema Mann und Frau ist ein häufig strapaziertes und daher oft nur noch milde belächeltes, wenn es zum Gegenstand von Comedy-Veranstaltungen wird. LaLeLu zeigten in ihrer 15. Bühnenshow „Die Schönen und das Biest“ jedoch, dass man Klischees selbstironisch und mit Swing begegnen kann: „Zuerst die gute Nachricht: Die Frau braucht einen Mann, daher ist es zwingend notwendig, man(n) bietet sich auch an!“

Gemeinsam mit Ed Sheeran, Dean Martin, Elvis Presley, Wolfgang Amadeus Mozart, Jogi Löw, Shakira und Fachleuten der Liebe wie Roland Kaiser, Angela Merkel und Serge Gainsbourg besangen LaLeLu das Thema der Themen, seit Eva Adam genötigt hat, in den Paradiesapfel zu beißen. Liebe in Zeiten der Datingportale nahm Jan Melzer in seiner Elvis-Parodie „Love Me Tinder“ („We can drink us schön tonight“) wunderbar auf die Schippe. Mezzosopranistin Sanna Nyman verglich in ihrem Song Männer mit Ikea-Möbeln („Überleben selten einen Umzug, die Produktion oft lieblos und hart“), kann sich aber auch betrunken und animalisch an ihren nicht-deutschen Auserwählten werfen, der, ganz im Gegensatz zum Macho-Klischee, zu allererst das Thema Beziehung einer philosophischen Analyse unterzieht.

LaLeLu sind mit Einfallsreichtum gesegnet und finden eine gute Balance zwischen anspruchsvollen und seriösen Gesangsdarbietungen und herrlichem Klamauk wie in ihrer Opernparodie „Der Bierkönig“, einem Singspiel aus Ballermann-Hits, in dem die „Polonäse Blankenese“ im Gewand von Carl Orffs „O Fortuna“ eine ganz eigene Ästhetik erfährt. Tobias Hanf glänzte nicht nur mit seiner Bassstimme, sondern auch als Parodist in einer herrlichen Talkshow mit Peter Maffay als Gastgeber und Edmund Stoiber im Genderwahn. Quer durch alle Genres zeigte sich das Ensemble bärenstark und hochkomisch.



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