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TAG DER ARCHITEKTUR AUCH IN ECKERNFÖRDE : Badewanne mit Meerblick

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Haus „Ostseeterrassen, Pier 61“ öffnete am Sonntag seine Türen für die Öffentlichkeit. Rund 450 Besucher wollten das Haus mit der ungewöhnlichen Architektur besichtigen.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2017 | 05:10 Uhr

Eckernförde | Nicht nur im Herbst, wenn die Stürme um das Haus wehen und die Regentropfen an die Scheibe klatschen, nimmt Corinna Ruge gern ein Bad in ihrer Wanne. Die 47-Jährige genießt zur jeder Jahreszeit einen herrlichen Panoramablick auf die Ostsee, ist die Wanne doch von zwei Seiten von hohen Fensterfronten umrahmt. Besonders der weibliche Teil der rund 450 Besucher, die am Wochenende das Haus von Corinna und Thomas Ruge besichtigten, war von der Badewanne mehr als entzückt.

Anlässlich des landesweiten Tages der Architektur am 10. und 11. Juni stellte das Eckernförder Architektenbüro Rimpf das Projekt Ostseeterrassen, Pier 61, in der Sehestedter Straße vor. Die Wohnanlage, deren markante Form ganz bewusst an ein Schiff erinnern soll und die von der B  76 aus sehr gut zu sehen ist, wurde 2016 fertiggestellt. Der Bau war für den Architekten eine echte Herausforderung. Das Grundstück ist nur zwölf Meter breit und 50 Meter lang – das Gebäude ist sechs Meter breit und rund elf Meter hoch. „Es galt, 14 Meter Höhenunterschiede zu bedenken. Jedes der fünf Geschosse sollte einen Ausblick auf das Wasser bekommen. Denn die Ostsee stand im Fokus der Planungsidee“, erklärt Stefan Rimpf. Der maritime Charakter des Hauses ist nicht nur an seiner Gestalt zu erkennen. So leben die Bewohner statt in Etagen auf Decks. Die Anleihen an die Schiffsarchitektur sind überall sichtbar. Schiffsgeländer auf jeder Etage, innen wie außen mit flachen Handläufen, geweißte Holzplanken.

Auf Deck 4, der höchsten Etage des Hauses, und Deck 3 sind die Hauseigentümer Corinna und Thomas Ruge (47) mit ihrem Sohn Armin (13) zuhause. Ein glücklicher Zufall hat die Familie und das Architektenbüro zusammengebracht. Schnell wurde deutlich, dass die Bauherren und das Architektenbüro Rimpf auf einer Welle schwammen. Denn ursprünglich war eigentlich geplant, dass Thomas und Corinna Ruge nur eine der fünf Eigentumswohnungen kaufen wollten. „Wir sind Meereskinder und wollten unbedingt wieder an die See“, verriet der Hausherr. Er selbst ist gebürtiger Borbyer. Bis zum Einzug vor zwei Jahren hat die Familie in Schacht-Audorf gewohnt. Da er in Neumünster arbeite, sei Eckernförde mit der Ostsee vor der Tür einfach näher als die Nordsee, begründete Ruge die Entscheidung. Bei den Planungen sei deutlich geworden, dass eine Bauträgerschaft sinnvoll sei: „Wir wollten alles in einem Guss.“ Damit traf er haargenau den Nerv von Architekt Rimpf. „Wir hatten großes Glück, einen Bauherrn gefunden zu haben, der unserem Anspruch in Sachen Gestalt und Gestaltung folgte“, sagte Stefan Rimpf (59). Es sei eine WinWin-Situation für alle gewesen.

Die Idee sei es gewesen, ein Haus zu bauen, das sich terrassenförmig an den Hang schmiegt, wie an einen Weinberg, so Rimpf. Herausgekommen ist ein einzigartiger Bau, dessen besondere Herausforderung die Herstellung des Daches war. „Es galt, die richtige Wölbung zu finden. Wir mussten selbst Werkstattzeichnungen anfertigen, weil sich kein Betrieb fand“, erinnert sich Rimpf. Jetzt deckt ein Dach aus Bootssperrholz, beschichtet mit GFK aus dem Bootsbau, das Haus.

370 Quadratmeter Fensterfläche wurde verbaut. Stahlstützen ersetzen tragende Wände. Während das Haus zur Ostsee hin breiter wird, wird es im hinteren Bereich, wo die Funktionsräume und die Schlafzimmer angesiedelt sind, schmaler. Eine Herausforderung war es auch, trotz weniger Wände Platz für Möbel oder Bilder vorzuhalten. Auf Deck 4 gibt es ein Wohnzimmer mit integrierter Küche. Hier wohnt auch Sohn Armin (13). Ein Gästebad und ein Abstellraum vervollständigen das Angebot. Das Highlight ist die Kommandobrücke auf Deck 4. Der Boden besteht aus Schiffdeckenplanken aus Teak. Ein Panoramablick auf die Ostsee lädt abends zum Entspannen ein. Auch auf Deck 2 (vermietet), Deck 1 (Ferienwohnung) und Deck 0 (Wohnung von Corinna Ruges Eltern) findet sich die ungewöhnliche Architektur und genießen die Bewohner den Blick vom Balkon.

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