Baden mit strengen Auflagen

Sging’s los: In Borby wurde getrennt nach Geschlechtern gebadet. Typisch die Badekammern.
Sging’s los: In Borby wurde getrennt nach Geschlechtern gebadet. Typisch die Badekammern.

Wie der Zwickelerlass nach Eckernförde kam – das Eckernförder Badeleben seit 1830 / Nächste Führung am 21. Juli

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14. Juli 2015, 06:07 Uhr

Was wissen Sie vom Zwickelerlass und von Badekultur? Wahrscheinlich nicht viel mehr als ich. Also machen wir uns auf zu einer Führung, diesmal mit der Stadtführerin Frau Franke-Weingart. Sie erwartet uns an der Holzbrücke.

Noch auf der Eckernförder Seite erfahren wir, dass das Badeleben seinen Anfang im damals selbstständigen Borby nahm. In der alten Fischersiedlung, wo fast an jeder Ecke und in jedem Hof geräuchert wurde, immer Fischgeruch über den Gassen waberte, dazu einem eher unansehnlichen Strand, dem Dang, hätte wohl keiner gern gebadet. Im ländlichen grünen Borby aber mit seinen schönen Villen, da wuchs um 1830 herum die Lust auf das neumodische Badevergnügen, aber beileibe nicht im Freien.

Auf der Borbyer Promenade versetzen wir uns nun ins Jahr 1830. Ein Arzt, ein Pastor und ein Ratsherr hatten Geldgeber gefunden, kauften von Hofbesitzer Christiansen am heutigen Vogelsang ein Grundstück und bauten das erste Badehaus. Zwei Badekammern, ein Konversationszimmer, Wannen aus Holz, Wasser, das eimerweise von Borbyer Jungs aus der Ostsee geholt wurde…das muss ein Badevergnügen gewesen sein. 1832 wurde ein Badesteg mit Kabinen gebaut und der Bereich davor mit Planen abgeschirmt, auf dass nur niemand schaute! Im Dunkeln tauchte man zwei- bis dreimal ein, das war dann die gesunde Berührung mit dem Wasser.

Es muss doch Spaß gemacht haben, denn 1833 wurde Borby Seebad. Das Badehaus wurde 1835 umbenannt in Marien-Louisen-Bad und 1850 folgte ein neues Logier- und Badehaus. Das „Bad der ersten Klassen“ war im ganzen Land bekannt. 1881 baute Hofbesitzer Christiansen das mondäne, vornehme Hotel Marien-Louisen-Bad, in dem Kaiser Wilhelm nicht nur weilte, wenn er die Regatten zur Kieler Woche eröffnete.

Unsere Stadtführerin will uns nicht vorenthalten, wie man seinerzeit bekleidet war, wenn man sich ins Wasser wagte. Tatsächlich hatten die Römer in der Antike nackt gebadet, und was glauben Sie, trug die modebewusste Römerin seinerzeit in der Therme? Tja, diese Frage wird sie dann bei der nächsten Führung beantworten. Fest steht, dass die Männer auch bei uns lange nackt gebadet haben, damit das heilsame Wasser in die Haut eindringen konnte. 1850 dann trugen sie gestreifte Badehosen, um 1900 dann Badeanzüge, während bei Frauen Ganzkörperbekleidung angesagt war. Das bedeutete knöchellange Kleidung, Strümpfe, Badeschuhe, Badehaube und – ein Hut. Etwa ab 1900 trugen dann auch Frauen Badeanzüge.

Natürlich prangerte die preußische Regierung dieses Lotterleben als Sittenverfall an. Also wurde die „Polizeiverordnung zur Ergänzung der Badepolizeiverordnung“ erlassen, die im Volksmund zum „Zwickelerlass“ wurde, weil sie einen Zwickel im Badeanzug gesetzlich vorschrieb. Obwohl die Kleiderordnung für Frauen erleichtert wurde, war die Bekleidung noch lange nicht leicht. Sie bestand aus schwerer Wolle, nass wog sie bis zu drei Kilo. Ab und zu musste dann jemand vor dem Ertrinken gerettet werden. Wiegen Sie doch mal Ihren Badeanzug.

Auf dem Rückweg gehen wir links Richtung Hafenspitze, um ein paar aufregende Geschichten von Onkel Bergs Bude zu hören. Endlich hatte das Badeleben nun auch Eckernförde erreicht. Man baute 1898 die Volksbadeanstalt in der Nähe der Seelust, Grünanlagen entstanden, eine „Wandelbahn“ wurde angelegt, heute sagen wir Promenade.

Nachdem die rheumageplagte Elfriede von Maltzahn sich für den Strand in Warnemünde vom Hof-Korbmacher Bartelmann einen „Strandstuhl“ anfertigen ließ, kommen wir auch heute noch in den Genuss, am Strand, in der Stadt oder auf dem Balkon im Strandkorb zu sitzen.

Ich verspreche Ihnen, dass Sie am Dienstag, 21. Juli um 19 Uhr, Treffpunkt Holzbrücke, noch viel mehr über unser Badeleben erfahren.

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