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„Grenzenloses Backen“ : Backbuch mit menschlicher Botschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Schülerfirma „conneckt“ der Jungmannschule meldet gute Verkaufszahlen für das Gemeinschaftsprojekt mit Flüchtlingen „Grenzenloses Backen“.

von
erstellt am 14.Dez.2015 | 19:26 Uhr

Eckernförde | Die Schülerfirma „conneckt“ des WiPo-Kurses des 11. Jahrgangs der Jungmannschule (wir berichteten) hat einen flotten Start hingelegt: Sämtliche 90 Anteilsscheine zu je 10 Euro sind verkauft, und das erste Buchprojekt ist sehr gut eingeschlagen. Bis dato sind rund 250 Exemplare von „Grenzenloses Backen“ verkauft worden, die meisten davon auf dem Eckernförder Weihnachtsmarkt, auf dem „conneckt“ noch bis zum kommenden Sonntag (Freitag geschlossen) einen Info- und Verkaufsstand betreibt. „Wir haben sehr positive Reaktionen bekommen“, sagt Stella Elmentaler. Ihr Mitschüler und „conneckt“-Kollege Dominique Reimann sprach von vielen interessierten Besuchern vor allem an den weniger besucherstarken Tagen unter der Woche – „am Wochenende ist eher Punschtrinken angesagt.“ Aber das tut dem guten Umsatz keinen Abbruch, „conneckt“ hat gerade die dritte Auflage zu fassen und schiebt wegen der großen Nachfrage vermutlich noch eine vierte hinterher.

Es ist keine gewöhnliche Anleitung zum Plätzchenbacken, sondern ein Gemeinschaftsprojekt der Schüler mit Flüchtlingen aus der Region Eckernförde, die allerdings weit gefasst ist und bis nach Flensburg und Molfsee reicht. Die Schüler und Hobby-Unternehmer haben zentral in der Bürgerbegegnungsstätte oder zu Hause bei den Flüchtlingen mit ihnen gemeinsame Backerfahrungen ausgetauscht und sind anschließend gemeinsam an Rührschüssel und Backofen aktiv geworden. Herausgekommen sind zahlreiche außergewöhnliche Rezepte aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern, die alles eines gemeinsam haben: Sie sind gleichermaßen einfach und lecker. Das Buch mit dem doppeldeutigen Titel „Grenzenloses Backen“ kostet 6,90 Euro und ist nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch im Grünen Haus, St.-Nicolai-Straße, sowie in der Buchhandlung am Gänsemarkt erhältlich. Offenbar ist es genau zur richtigen Zeit erschienen, denn Weihnachten steht vor der Tür und sinnvolle Geschenke werden allerorten dringend gesucht.

Auf den gut 50 Seiten in handlicher und praktischer Ringbuch-Bindung ist nachzulesen, wie beispielsweise syrische Butterkekse, Schokoladen-Kokos-Kekse, arabische Nelken-Mandel-Plätzchen oder auch Karottenkuchen gebacken werden. Die Flüchtlingsfamilien entpuppten sich bei den Auswärtsterminen als herzliche Gastgeber. Demnächst wollen die Schüler das Flüchtlingscafé in Flensburg besuchen und dort versuchen, an weitere Rezepte und Kontakte zu kommen, um das Nachfolgewerk – ein Kochbuch von und mit Flüchtlingen und deren landestypischen Rezepten – zu produzieren. Das große Kochbuch, mit rund 50 Rezepten und rund 100 Seiten doppelt so dick wie das Backbuch, soll im Februar 2016 auf den Markt kommen.

Einer, der auf Seiten der Flüchtlinge mit dabei war, ist Husam Rajab Fawar aus Douma in Syrien. Der 25-jährige Pharmazie-Student hat gerade bei einem Bombenangriff am vergangenen Sonntag mit über 100 Toten seinen Onkel und seinen sechsjährigen Neffen verloren. Husam ist nach einer langen Flucht über die Balkanroute seit dreieinhalb Monaten in Deutschland und lebt derzeit mit anderen Syrern in Kosel, wo er sich gut aufgehoben fühlt. Er möchte in Deutschland bleiben, Deutsch lernen und sein Studium fortsetzen. Das „conneckt“-Projekt findet er großartig, weil es die Menschen zusammenbringt und das Eis zwischen Einheimischen und Flüchtlingen bricht. Vom Kampfeinsatz gegen den sogenannten Islamischen Staat verspricht er sich hingegen nicht viel, weil bisher auch lediglich zehn Prozent aller Angriffe des Assad-Regimes, der Russen, der Amerikaner oder Franzosen die Terroristen getroffen hätten und die Zivilbevölkerung mit vielen Toten und Verletzten am allermeisten darunter zu leiden habe.

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