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Elternschaft auf Probe : Babypuppen halten Teenager auf Trab

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schüler der Gudewerdt-Schule werden Eltern auf Probe: Chipgesteuerte Puppen sollen Teenaagerschwangerschaften verhindern helfen.

von
erstellt am 07.Okt.2017 | 06:04 Uhr

Eckernförde | Sie heißen Emil, Felix, Helene, Clara und Mia, sind 53 Zentimeter groß und wiegen 3500 Gramm. Sie schreien, haben Hunger, volle Windeln oder wollen einfach nur Aufmerksamkeit. Die fünf sind keine echten Babys, sondern Puppen, aber sehr realistische. So werden sieben Mädchen und Jungen, 14 bis 16 Jahre, der Gudewerdt-Schule für ein Wochenende auf Trab halten. Denn sie sind drei Tage mit den Bedürfnissen eines Säuglings konfrontiert.

Die Elternschaft auf Probe ist Teil des Sexualkundeunterrichts der neunten Klasse mit Lehrerin Caroline Witt. Sie hat das Projekt schon einige Male angeboten. Die Reaktionen ihrer Schüler seien unterschiedlich gewesen. „Die meisten waren froh, dass es nach einem Wochenende endete“. Viele hätten aber Muttergefühle entwickelt und Tränen in den Augen gehabt, als sie die liebgewonnene Puppe trotz Ringen unter den Augen wieder abgeben mussten.

Zur Verfügung gestellt werden die Puppen von der Diakonie. Rebecca Satgunarajan brachte die Puppen gestern mit in die Schule, übergab sie im Maxi Cosi den Teenagern. „Wir wollen nicht abschrecken, sondern sensibilisieren“, betonte sie. Schule oder Ausbildung und ein Baby unter einen Hut zu bringen sei eine immense Herausforderung und nicht zu empfehlen. Aber diese Erfahrung sollten die Schüler selbst machen.

Alina (15) hat Rücksprache mit ihrem Freund gehalten, der seine Unterstützung bei der Betreuung zugesagt hat. Mit Fynn (16), Niklas (14) und Gunnar (15) sind auch drei Jungs dabei. „Wir teilen uns ein Baby“, sagen sie. Sie haben sich gemeinsam fürs Wochenende bei Fynn einquartiert und übernehmen schichtweise die Verantwortung. „Fynn hat ein Fußballspiel, dann sind wir mit der Pflege dran“, erklärt Gunnar.

In der Brust der Puppe steckt ein Sensor, der aufzeichnet, ob alle Bedürfnisse zeitnah befriedigt werden. Sonst gibt es Minuspunkte. Auch grobe Behandlungen wie Schütteln oder Stürze werden registriert. Damit die Schüler das Baby während der Zeit nicht einfach abgeben, bekommen sie einen Chip am Armgelenk befestigt. Über das Wochenende wird aufgezeichnet, welches Baby wie lange geschrien hat und ob es gewickelt und gefüttert wurde. Nach jedem Milchfläschchen muss das Baby Bäuerchen machen, das erfordert Geduld, auch dürfen die Schüler beim Hochheben nicht vergessen, das Köpfchen zu stützen.Rebecca Satgunarajan sei rund um die Uhr erreichbar, sollte die Verzweiflung zu groß werden.

 

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