Verstoss gegen Naturschutzgesetz : Auwald fällt Säge zum Opfer

Kein einziger der Bäume, die am Bachverlauf standen, steht noch. Rechts befindet sich der Spielplatz, links sind die Häuser der Borbyer Hufe zu sehen.
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Kein einziger der Bäume, die am Bachverlauf standen, steht noch. Rechts befindet sich der Spielplatz, links sind die Häuser der Borbyer Hufe zu sehen.

Das Tiefbauamt hat einen Auftrag zum Fällen von Laubbäumen und Feuchtgebüschen im gesetzlich geschützten Biotop vergeben. Gegen das Amt liegt eine Anzeige vor.

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22. Februar 2018, 04:48 Uhr

Eckernförde | Die Anwohner im Martin-Krebs-Weg, deren Grundstücke direkt an den Auwald und an das Feuchtgebüsch am Ostarm des Lachsenbaches grenzen, verstehen die Welt nicht mehr. Wo bislang ein Biotop, bestehend aus Laubbäumen und Büschen, Vögeln und anderen Tieren Lebensraum bot, sind seit Dienstag nur noch Stümpfe, abgesägte Bäume und gekappte Büsche zu sehen. Ausgestattet mit schwerem Gerät rückten am Dienstag um 8 Uhr morgens mehrere Arbeiter an und sägten einen Baum nach dem anderen ab.

Das ganze Ausmaß des Schadens ist seit gestern zu sehen. Erst durch das Handeln von Barbara Davy (68), deren Grundstück an das Biotop grenzt, wurden die Arbeiten, die auch gestern fortgesetzt werden sollten, gestoppt. Davy, die für die Linken im Umweltausschuss sitzt, informierte umgehend Michael Packschies, Abteilungsleiter Naturschutz und Landschaftsplanung. Merkwürdig war, dass selbst der oberste Naturschützer der Stadt Eckernförde nichts von den Baumfällungen wusste, obwohl der Auftrag für diese Aktion aus dem eigenen Haus, nämlich vom Tiefbauamt kam.

„Ich war ziemlich überrascht von der Sache“, sagte Packschies auf Nachfrage unserer Zeitung, „jetzt müssen wir klären, wie unser Tiefbauamt dazu kam, diese Maßnahme zu veranlassen.“ Denn bei dem betroffenen Gebiet handelt es sich um Auwald und Feuchtgebüsche, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz in die Kategorie „Geschützte Biotope“ fallen. „Eingriffe sind hier verboten“. Nur unter Berücksichtigung des Naturschutzgesetzes dürfe in Biotopen über Vorhaben nachgedacht werden.

Barbara Davy hat bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Anzeige erstattet. „Ich bin mehr als entsetzt“, sagt die 68-Jährige. Ihrer Ansicht nach ist ein irreparabler Schaden für die Natur entstanden. Auch die Nachbarn verstehen die Baumfällungen nicht. 30 Jahre wohne sie in ihrem Haus im Martin-Krebs-Weg. Aufgrund des Auwaldes habe sie bislang nie die Häuser in der Borbyer Hufe sehen können, verrät eine Nachbarin. Jetzt sehe sie zum ersten Mal abends die Lichter in den Wohnungen. „Ich bin ganz entsetzt über diese Aktion“, sagt sie.

Ihr Mann habe die Arbeiter sofort zu Beginn der Baumfällungen noch angesprochen, sagt eine zweite Nachbarin. Diese hätten gesagt, sie hätten einen Auftrag für die Aktion bekommen.

Aufgrund der Anzeige von Barbara Davy („die habe ich als Privatperson gestellt“) muss die Behörde tätig werden und Ermittlungen aufnehmen. Für heute ist ein erstes Gespräch des Mitarbeiters des Tiefbauamtes und von Michael Packschies zur Klärung des Sachverhalts bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde anberaumt. Auf dem Spielplatz auf der anderen Seite des Ostarms des Lachsenbaches gibt es Probleme mit der Entwässerung. Der Platz steht ständig unter Wasser. Betroffen ist insbesondere ein Fußballtor auf der Fläche. Die Frage stellt sich, ob die Fällungen etwas damit zu tun haben könnten.

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