Automatenhorror und andere Schwierigkeiten

auf dem viktualienmarkt

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09. Juni 2015, 12:35 Uhr

Eines Tages, als ich noch in Angeln wohnte, wollten sechs Kolleginnen aus Eckernförde und ich eine nach Bayern verzogene Kollegin besuchen. Der Auftrag, eine günstige Fahrkarte für uns alle zu besorgen, wurde im Reisebüro in Eckernförde erledigt. Nur ich brauchte noch eine Fahrkarte von Süderbrarup nach Eckernförde. Der Schalterbeamte konnte mir am Tag zuvor keine Karte für diese Strecke verkaufen, warum auch immer.

Also stellte ich mich früh morgens – „meine Zeit“, weiß ja jeder –, vor den Fahrkartenautomaten und starrte ihn an. Er war schwarz, er blieb schwarz, er hatte keine Tasten. Die kleine „technisch so begabte“ Bärbel war ratlos, als eine Stimme aus dem Off, bei näherem Hinsehen aus der Nähe der Tür, vom Fußboden her, kam. Sie riet ihr, doch den Bildschirm zu berühren.

Gesagt, getan, plötzlich lebte der Bildschirm, ich konnte tatsächlich den Anweisungen folgen – und hatte eine Fahrkarte in der Hand. Ich bedankte mich bei meinem Helfer, der wohl nicht mit der Bahn fahren wollte, sondern eher dort übernachtet hatte, mich aber fröhlich anschaute und so viel Ahnung von der Handhabung eines Fahrkartenausgabe-Automaten hatte.

Der Zug kam, ich stieg ein, in Eckernförde gesellte sich der Rest der Truppe, natürlich mit der Sammel-Fahrkarte, zu mir und ab Kiel, mit den reservierten Plätzen, begann eine lustige stundenlange Bahnfahrt, Sekt inklusive.

Nach einer wunderschönen Woche am Starnberger See, auf dem Starnberger See, in den Bergen, mit leckerem Fisch - kennen Sie Renken? frisch geräuchert? –,und einer Geburtstagsfeier mit Raffinessen vom Viktualienmarkt in München, mit sämtlichem Geschirr unserer Wirtin, das am nächsten Morgen beim Frühstück dann fehlte, ging es mit ein bisschen Wehmut zurück. In Pasing mussten wir ziemlich lange auf unseren Anschluss warten, und mir kam der Gedanke, dass ich ja wieder eine einzelne Fahrkarte, diesmal von Eckernförde zurück nach Süderbrarup, brauchte.

Wir waren uns einig, dass ich die ja wohl in Eckernförde kaufen müsste. Keiner kam auf die Idee, in Pasing nachzufragen, zu logisch schien es uns.

Nachdem dann im Zug unsere reservierten Plätze besetzt waren und wir feststellen mussten, dass das Reisebüro den falschen Tag eingetragen hatte, verteilten wir uns auf umliegende Plätze und kamen Eckernförde immer näher. Sechs Frauen stiegen aus – und ich hatte natürlich überhaupt keine Zeit, eine Fahrkarte zu kaufen, war ja auch wieder logisch. Nun fuhr ich als Schwarzfahrer weiter.

Es kam, wie es kommen musste: kurz vor Rieseby betrat ein Kontrolleur das Abteil. Ich erzählte total unaufgeregt den Hergang und er bestätigte mir, dass ich wohl nicht die typische Schwarzfahrerin sei, was ich richtig beruhigend fand – er mir aber leider trotzdem eine Strafe von 40 Euro aufbrummen müsse. Die Lösung wäre gewesen, mich sofort beim Zugführer zu melden. Nun weiß ich also, wie es geht. Er gab mir noch den Tipp, ich solle an die zuständige Bahndirektion, nämlich Baden-Baden, schreiben, alles erklären und vielleicht …. Ja, es hat geholfen, ich musste dann nur noch 20 Euro bezahlen.

Und inzwischen weiß ich auch, dass ich im bayerischen Pasing tatsächlich meine Fahrkarte für die Strecke Eckernförde-Süderbrarup hätte kaufen können ….


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