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Eckernförder Zeitung

14. Dezember 2017 | 07:56 Uhr

Außergewöhnliches Konzerterlebnis

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zweites Reformationskonzert in sehr gut besuchten St.-Nicolai-Kirche / Leitthemen: Tod und Ewigkeit, Sterben und Auferstehung

Vier Komponisten, fünf Werke, sieben Solisten, ein Chor und eine Dirigentin: Großer Aufwand am Sonntagnachmittag zur Aufführung beim zweiten Konzert im Rahmen der Schleswig-Holsteinischen Festmusiken aus der Zeit der Gottorfer Hofmusiken. Aber auch ein Aufwand, der es wert war.

Belohnt wurde das Publikum in der sehr gut besetzten St.-Nicolai-Kirche mit einem außerordentlichen, auch außergewöhnlichen Konzerterlebnis aus einem Guss. Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski entstand in enger Zusammenarbeit mit St. Nicolai Flensburg und den Instrumentalisten der Hamburger Ratsmusik auf historischen Instrumenten im Stil des Barock eine packend mitreißende Wiedergabe der Notenfunde aus dem Umfeld des Gottorfer Hofes.


Historische Instrumente im Stil des Barock

Professor Konrad Küster hatte sie im Rahmen eines EU-Projektes entdeckt und aufführungsreif vorbereitet. Dieses Konzert beendete ihren drei Jahrhunderte dauernden Dornröschenschlaf: Anlass war das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017, das durch die beiden Konzerte in der Historie von St. Nicolai einen zusätzlichen Erinnerungswert erhielt. Großen Anteil daran hatten der St.-Nicolai-Chor Eckernförde und dessen Leiterin, Katja Kanowski, die jedoch in der Besetzungsliste des Programmblattes nicht genannt waren. Dabei trugen sie doch unverzichtbar zur Musik, der Organisation und dem großartigen Gelingen bei.

Leitthemen des Programms waren Tod und Ewigkeit, Sterben und Auferstehung. Namen der Komponisten Johann Philipp Förtsch, Johann Friedrich Meister, Johann Theile und Georg Österreich waren bis jetzt Kirchenmusikkennern kaum bekannt. Dennoch schufen sie hörenswerte Kompositionen, die in ihrer Lebendigkeit und Kraft überzeugten, die man gerne wieder hören möchte, auch wenn sie aus traurigem Anlass entstanden waren. Herausragend die beiden Werke Georg Österreichs (1664 -1735) mit atemstockenden Einfällen wie deutlichen Pausen im letzten Teil seiner Begräbnismusik für Herzog Friedrich IV.: „Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihrer Arbeit.“

Das ausführliche Programmblatt gab mit vielen Hintergrund-Informationen und Details Auskunft über Komponisten und Werke. Neben herausragenden Stimmkünsten der Solisten wie Marie Luise Werneburg in Johann Friedrich Meisters „Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn“ für Sopran und Generalbass, das von Mitgliedern der Hamburger Ratsmusik mit betörendem Theorbenklang begleitet wurde, wirkten „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ oder „Jauchzet Gott, alle Lande“ tröstend und ermutigend für die Weiter-Lebenden. Die aufgeführten Werke boten viele Neu-Entdeckungen von Musik- und Textbeziehungen, wie am Schluss des Meister-Werks: „Es müssen alle meine Feinde zuschanden werden und sehr erschrecken, sich zurücke kehren und zuschanden werden plötzlich“ heißt es da – mit ebenso plötzlichem, verblüffendem Schluss.

Der gelungene Abschluss eines Musik-Abenteuers, auf das sich alle Beteiligten eingelassen hatten und das nachhaltige Eindrücke hinterließ. Die Kantorei hatte klangschön, kräftig und sicher gesungen, die Solisten und Musiker waren bestens aufeinander abgestimmt. Dieses Programm mit unbekannten Werken unbekannter Komponisten kam beim Publikum an. Kerzenlicht und Worte wie „Wer an mich gläubet, der wird leben, ob er gleich stirbet“ erzeugten eine festlich-intime Stimmung in dieser musikalischen Reise in eine lebendig gewordene Vergangenheit. Es war mehr als „nur ein großartiges Konzert.“







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