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Open Campus zu Gast in Eckernförde : Ausflug in die Realwirtschaft

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Studierende des Open Campus Kiel waren am Donnerstag auf Unternehmensexkursion in Eckernförde. Das Thema: Gründergeschichten. Sie besuchten das TÖZ, Behn und die Bonbonkocherei.

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erstellt am 10.Dez.2015 | 16:48 Uhr

Eckernförde | Wie es ist, Aufträge durch Formfehler zu verlieren, oder wenn es am Monatsende eng wird und die Gehälter gezahlt werden müssen sind unternehmerische Erfahrungen. Wie damit umgehen, wie sie künftig vermeiden, wie die Finanzkraft des Unternehmens stärken? Mit diesen Fragen aus der Praxis konfrontierten gestern Nachmittag die beiden Eckernförder Unternehmerinnen Dagmar Ott und Katja Schälicke die 23 Studierenden des Open Campus aus Kiel, die zu einer Unternehmensexkursion zum Thema „Gründergeschichten“ nach Eckernförde gekommen waren.

Im Technik- und Ökologiezentrum (TÖZ) nahm sie Thorsten Liliental von der Wirtschaftsförderung des Kreises Rendsburg-Eckernförde in Empfang. Die WFG ist einer der Partner des Open Campus, auf dem Studierende der Christian-Albrechts-Universität, der Fachhochschule und der Muthesius-Hochschule fakultätsübergreifend mindestens einmal pro Semester praxisoriertierte Veranstaltungen belegen können. Das Ganze dient der besseren Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Horizonterweiterung und beruflich-unternehmerischen Orientierung des akademischen Nachwuchses. Gestern referierten zunächst die Ernährungsberaterin und -therapeutin Katja Schälicke aus der Praxis Essweise aus dem TÖZ, Dagmar Ott vom Büro Lebensraum Zukunft aus der Marienthaler Straße sowie Getränkeunternehmer Waldemar Behn und Hermann Hinrichs von der Bonbonkocherei. Ihre Gründungs- und Erfolgsgeschichten inspirierten die Studierenden zu zahlreichen Fragen. Die Studierenden wurden begleitet von Frederik Steinbock (Open Campus) und Prof. Dr. Jens Langholz (FH), der einen Start up-Kurs leitet.

Die Diplom-Ökothrophologin Katja Schälicke hat sich vor fünf Jahren mit ihrer Praxis „Essweise“ im TÖZ selbstständig gemacht. Sie berät und behandelt Menschen mit Essstörungen, Übergewicht oder Allergien. Ihre Entscheidung war eine bewusste: Ihre vorherigen Tätigkeiten in einem Lebensmittelkonzern und bei einer Krankenkasse befriedigten sie nicht. Sie wollte mehr den Menschen in den Mittelpunkt stellen und eine komplexeren Zugang zu dem Thema Ernährung und Gesundheit. Schälicke besuchte Fortbildungen, eignete sich Zusatzqualifikationen zum Beispiel in der Entspannungstherapie an und siedelte schließlich mit ihrer Familie von Freiburg nach Eckernförde um. Hier fand sie im TÖZ ein ideales Umfeld und eine Region, die von Ernährungsberatern noch nicht überfrachtet war wie beispielsweise in Kiel. Sie hat sich inzwischen etabliert, verfügt über ein funktionierendes Netzwerk guter Kontakt und hat sich auch mit dem im Vergleich zu Freiburg rückständigen ÖPNV arrangiert. „Wichtig für eine erfolgreiche Existenzgründung ist ein ausreichendes finanzielles Polster. Der Mietvertrag für die Praxis ist eine Hausnummer, ab da laufen die Kosten. Ein Sicherheitspolster von 10 bis 20 Prozent, ein Gründungskonzept und einen Businessplan kann ich jedem Existenzgründer nur ans Herz legen. Auch eine familiäre Rückversicherung sei unumgänglich, das das Unternehmertum kostet viel Zeit, sagte Schälicke.

Dem konnte Dagmar Ott nur zustimmen. Die geschäftsführende Gesellschafterin des Büros „Lebensraum Zukunft“, das sie seit 2009 zusammen mit Niels-Christian Rohde betreibt, entwickelt und beschildert Radwegenetze, Wanderrouten und Wegeleitsysteme. Auftragsgeber sind im Unterschied zu ihrer Vorrednerin nicht Privatleute, sondern in erster Linie Landkreise und Kommunen. Auch in Eckernförde sind die Resultate ihrer Arbeit zu sehen – die blauen Hinweisschilder mit gelber Schrift. Die studierte Ökothrophologin hat nach ihrer Elternzeit beruflich umgesattelt und sich in ein ganz anderes Berufsfeld eingearbeitet, das sehr komplex und vielseitig sein. „Keine Ausbildung kann das alles abdecken, da muss man sich reinarbeiten“, sagt Ott. Ihre Selbstständigkeit habe sich ergeben. „Eine richtige Entscheidung, aber es ist nicht immer leicht und 40 Stunden sind Minimum.“ Man sei gut im Geschäft, erwirtschafte aber „keine Hammergewinne. Wir arbeiten für unsere Beschäftigung.“ Ernüchternd sei das hohe Maß an Bürokratie. Aufgrund von Formfehlern seien ihrem Unternehmens in diesen Tagen gleich zwei mögliche größere Aufträge abhanden gekommen.

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