Neues aus dem internat : Ausblick auf Louisenlund 2025

Mit einem neuen Stipendiatsprogramm will die Internatsstiftung junge Schüler aus der Region anwerben.
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Mit einem neuen Stipendiatsprogramm will die Internatsstiftung junge Schüler aus der Region anwerben.

Der neuer Schulleiter plant den Ausbau der Internatsstiftung.

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04. Juli 2014, 07:30 Uhr

Das Louisenlund in zehn Jahren soll ein anderes sein als heute. Gerade einmal sechs Monate im Amt hält Dr. Peter Rösner mit seinen Vorstellungen für ein Internat der Zukunft nicht hinterm Berg. Auf der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend in Güby stellte der neue Schulleiter sich und seine Ziele für die Internatsstiftung vor. In zehn Jahren will der 41-Jährige die Schülerzahl von derzeit rund 340 auf 660 erhöhen, die Zahl der Mitarbeiter von 120 auf 170. Insbesondere der Ausbau der Unterstufe liegt Rösner am Herzen.

In den Klassen fünf bis sieben würden lediglich insgesamt 25 Schüler unterrichtet werden. „Zu wenig, um differenzierten Unterricht anzubieten“, erläuterte Rösner. Auch das Sozialverhalten würde in einem durch größeren Klassenverband besser gefördert werden. In diesem Jahr hätten 53 Schüler das Abitur abgeschlossen, sieben weitere den internationalen Abschluss, das IB. Gerne hätte die Schule eine größere Vielfalt an Kursen angeboten, doch diese sei angesichts der Schülerzahl nicht realistisch. Um eine Breite sowohl bei den Kursen als auch den Gilden anbieten zu können, müssen Schüler hinzukommen, betonte Rösner. Nur so könnte Louisenlund im Wettbewerb mithalten.

Die Stärkung der Unterstufe im Internat sei eine Herausforderung, sagte Rösner. Schließlich sei der Ausbau der Ganztagsschulen im Land vorangeschritten, die Betreuung im Internat über den Vormittag hinaus sei längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Ein Anfang dafür ist das neue Stipendiatsprogramm, das dank der Spende eines Vaters mit 500 000 Euro dotiert ist (wir berichteten). Das Programm richtet sich in erster Linie an Kinder aus den umliegenden Landkreisen, die die Grundschule verlassen. Es ist geknüpft an einen Eigenbeitrag der Eltern in Höhe von fünf Prozent des Bruttoeinkommens, mindestens aber von 340 Euro pro Monat. Nach Ablauf der Frist liegen dem Internat jetzt gut zehn Bewerbungen vor. „Alle aus der Umgebung“, wie Rösner auf EZ-Nachfrage sagte. In der kommenden Woche finden die Vorstellungsgespräche statt, drei bis vier Kinder sollen das Teilstipendiat erhalten, im nächsten Schuljahr sollen es nochmal so viele sein. „Wir hoffen, dass sich weitere Spender finden, damit für das Stipendiatsprogramm weiter geworben werden kann“, so Rösner.

Um zusätzliche Kapazitäten auf dem Hof- und Schlossgelände zu schaffen, sei der Neubau eines Gebäudes sowie einige Umbauten erforderlich, ergänzte Rösner, der sich vor allem eins das Internat erhofft: als Bereicherung in der schleswig-holsteinischen Schullandschaft und als Schule in der Region wahrgenommen zu werden. Dazu zähle auch, Louisenlund zu öffnen und unsichtbare Mauern niederzureißen. Regelmäßige öffentliche Veranstaltungen oder Führungen über das Gelände sollen Menschen aus der Region nach Louisenlund ziehen.

„Sie schlagen einen ganz neuen Kurs ein“, sagte Bürgermeister Manfred Pohl . Ein Kurs, der ganz im Sinne der Gemeinde und der Menschen sei. Den Vorstand habe er auf seiner Seite, versicherte Rösner auf Nachfrage Pohls. Und auch Internatsgründer Kurt Hahn hätte die neue Schulleitung bei ihrem Vorhaben unterstützt, machte Lehrer und Historiker Dr. Alf Hermann deutlich. Als der Reformpädagoge Hahn 1949 Louisenlund gründete, schuf er einen Staat im Staate, erinnerte Hermann. Hahn wollte, als Reaktion auf die Weimarer Republik, den Schülern, fern dem als schädlich betrachteten Einflüssen des Staates, eine ganzheitliche Erziehung ermöglichen. 2014 wird Louisenlund neu erfunden. „Würde Hahn heute noch einmal Louisenlund gründen“, sagte Hermann, „dann würde er es so gestalten, wie es Dr. Rösner plant“.

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