Schule am anderen Ort : Aus Schrott mach Edelkunst

Künstlerfreude bei Matthis Plaga (12d), Leon Schönknecht (12f) und „Matu“ Michael Matuszewski (v li) über das U-boot und das Flugzeug.
Künstlerfreude bei Matthis Plaga (12d), Leon Schönknecht (12f) und „Matu“ Michael Matuszewski (v li) über das U-boot und das Flugzeug.

Der Kunstkurs des 12. Jahrgangs der Jungmannschule verwandelt mit Hilfe der Installationsfirma Klünder Kupferrohre in Kunstwerke.

shz.de von
09. Juli 2015, 06:37 Uhr

Eckernförde | Schule an anderem Ort: Seit dem 12. Mai finden immer dienstags die ersten beiden Stunden des 12. Jahrgangs der Jungmannschule in der Marienthaler Straße statt. Mit ihrem Lehrer, Studienrat Claas Schlotfeldt, haben 22 Jungen und Mädchen ihren Kunstkurs (Q1 /Ku5) in der Werkshalle der Firma Klünder absolviert. Es galt, unter fachkundiger Anleitung Metallskulpturen zu kreieren.

Die Inhaberin der Firma Klünder, Brigitte Thies, hatte gemeinsam mit ihrem Mitarbeiterteam beschlossen, übrig gebliebene Kupferrohre und -bleche, Kupfer- und Rotguss-Lötfittinge, dazu Löt-Zubehör und Werkzeuge den kunstorientierten 17- bis 18-jährigen Schülern zur Verfügung, den Arbeitsraum bereit und einen tatkräftigen Handwerker an ihre Seite zu stellen. Mit Klünder-Mitarbeiter Michael Matuszewski („Matu“) war eine 1A fachliche Begleitung über die Wochen gewährleistet. Er hat das nötige Know-how, dazu eine geschickte Hand im Umgang mit den Youngsters.

Das Hämmern, Bohren, Biegen, dazu Schneiden, Zusammenlöten – es waren ungewohnte Tätigkeiten, das brauchte Kraft und gleichzeitig Fingerspitzengefühl – dazu eine gehörige Portion Fantasie und Durchhaltevermögen. Die Jungen und Mädchen waren ernsthaft gefordert, schließlich sollte neben allen technischen Finessen durch Material und Bearbeitung auch noch „Kunst“ entstehen. Etwas, was in Form und Inhalt überzeugt, den späteren Betrachter zum Nachdenken anregt, ihn in seiner Fantasie beflügelt oder zum Lächeln und Staunen bringt.

Jetzt wurden die Arbeitsergebnisse von Kursleiter Schlotfeldt begutachtet und bewertet. Vieles war weitgehend fertiggestellt, dennoch gab es noch dies oder jenes zu richten, zu verbessern, zu entscheiden. Sollte das „Wasser“ im Aquarium nun aus knallblauer Gelatine sein? Oder würden sich die maritimen Wunderwesen aus glänzendem Kupfer besser gegen Grün oder Violett abheben?

Abheben? Dieses tolle Flugzeug aus schwerwiegendem Kupferrohr regte zu Gedanken über das Wunder der Schwerkraft an. Und das perfekte U-Boot mit der hellglänzenden Schraube – runter ja, aber wieder hoch? Das war hier die Frage. Ohnehin drängten sich viele Fragen auf . Musste das vielarmige „Krakel“ etwas bedeuten, oder war es nur einfach schön?

Viviane Brune (17) brachte vieles auf den Punkt: „Die Kupferrohre als Material hatten schon ihre Funktion – nun war es wichtig, alles umzuformen.“ Bei der Ideenfindung schlug sie die Rohre platt („das ging schwer“), bog sie und setzte sie gebündelt gegeneinander. Einander zugewandt, scheinen sie sich zu unterhalten. Es entstand „Kommunikation“ – und Vivianes Erklärung? „Nicht immer nur Elektronik und Smartphone, eine echte Kommunikation ist nötig.“

Man darf auf die Gesamtausstellung in der Sparkasse gespannt sein: Ab 18. Dezember darf man gucken, anfassen, Freude haben, Fragen stellen und – diese echten Unikate aus begabter Schülerhand ersteigern. Mit dem Erlös soll die Mammut-Abi-Feier 2016 – mit zwei ganzen Jahrgängen und bisher noch an unbekanntem Ort – mitfinanziert werden.


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