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Beliebung : Aus Not geboren, aus Tradition erhalten

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Eckernförder Beliebung von 1629 begeht 384. Generalversammlung. Im Dreißigjährigen Krieg entstanden.

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erstellt am 31.Mai.2013 | 07:33 Uhr

eckernförde | Unterstützung der Schwächeren, gegenseitige Hilfe und Gemeinsinn - die Grundsätze der Eckernförder Beliebung von 1629 sind bekannt. Unter welchen Umständen sie entstanden, wissen dagegen nur wenige. Bei der 384. Generalversammlung der "Stillen Gilde" am Mittwochabend im Mango’s Saal 71 machte Jörg Czarnowski, Vorsitzender der Bürgeschützengilde, damit Schluss und berichtete aus den Chroniken seiner Gilde. Sie enthalten unter anderem die Aufzeichnungen von Robert Monro, Offizier und Söldner, der 1628 in Eckernförde kämpfte.

Seit 1626 hatten die Schlachten des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) auch die Herzogtümer Holstein und Schleswig erreicht. Eckernförde stand unter dem Schutz des dänischen Königs Christian IV., der an der Spitze der protestantischen Partei gegen die kaiserlichen Truppen der Katholischen Liga unter Tilly kämpfte. Eckernförde war Ende 1627 von 500 Mann der kaiserlichen Truppen der katholischen Liga besetzt, gegen die die Eckernförder Bürgerschützengilde keine Chance hatte.

König Christian IV. schickte daraufhin 2000 in dänischen Diensten stehende Söldner mit Schiffen nach Eckernförde, die am 11. April 1628 die kaiserlichen Truppen in die Eckernförder St.-Nicolai-Kirche zurückdrängten und ohne Gnade abschlachteten. Anschließend ließ er die angeworbenen schottischen, englischen, deutschen und französischen Söldner die Stadt plündern, wohl um die Kosten für die Söldner zu decken. Damit war für Eckernförde dieser Krieg zu Ende. Die abziehenden Truppen hinterließen ein in großen Teilen verarmtes Land.

Die Eckernförder Bürger hatten gelernt, dass sie sich auf sich selbst verlassen mussten, da selbst ihr Schutzherr ihre Stadt hatte plündern lassen. In der Eckernförder Beliebung von 1629 taten sich Gildebrüder zusammen, um die Toten zu bestatten und sich gegenseitig Hilfe in dieser Not geben zu können. "Fahret fort und traget einer des anderen Last", heißt seither der Wahlspruch der Gilde, die 1648 mit dem Ausbruch der Pest die nächste große Aufgabe zu bewältigen hatte.

Dagegen muten die heutigen Verhältnisse geradezu paradiesisch an. Dennoch gibt es auch heute Menschen, die in Not geraten und denen die Beliebung mit ihren finanziellen Möglichkeiten hilft. Dafür gab es ein Dank der Bürgervorsteherin Karin Himstedt und ein Lob des Kreispräsidenten Lutz Clefsen: "Wir leben in einer Gesellschaft, die ständig nach dem Staat ruft", sagte er. Die Gilden dagegen hülfen sich in erster Linie selbst und seien damit ein Vorbild. Auch viele andere Gäste meldeten sich zu Wort, darunter der Standortälteste des Marinestützpunktes und Lorenz Marckwardt, Vorsitzender der Borbyer Gilde.

Am Ende der Versammlung wurden insgesamt 14 neue Mitglieder aufgenommen, acht Frauen und sechs Männer. Die Männer mussten in der für Frauen verbotenen Generalversammlung nach altem Brauch den "Willkommen-Pokal", gefüllt mit gewürztem Malzbier, mit einem Zug austrinken, während die Versammlung mit "He schafft dat, he schafft dat nich"-Rufen die Aspiranten anfeuerte. Unter den Neuaufnahmen waren in diesem Jahr unter anderem Peter "de Stadtwieser" Büchert, König der Bürgerschützengilde, sowie Jörg Böcker, Fernsehmoderator von "NDR aktuell" und der ARD-Sendung "plusminus". Ihn hatte ein Freund und Gildebruder für die Beliebung geworben.

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