Enttäuschung : Aus für Projekt der Vorzeigepädagogik

Die Schüler des letzten WPK Menschen, Natur,  Technik, geleitet von  Biologie- und Techniklehrer Lehrer Burkhard Wilhelm (4.v.r.) und begleitet von Tierzeichner Jens Müller (3.v.r.), übergeben Dr. Wolfgang Böckeler (r.), dem Vorsitzenden des Fördervereins, die letzten Arbeiten, die sie während des Schuljahrs für den Tierpark angefertigt haben.
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Die Schüler des letzten WPK Menschen, Natur, Technik, geleitet von Biologie- und Techniklehrer Lehrer Burkhard Wilhelm (4.v.r.) und begleitet von Tierzeichner Jens Müller (3.v.r.), übergeben Dr. Wolfgang Böckeler (r.), dem Vorsitzenden des Fördervereins, die letzten Arbeiten, die sie während des Schuljahrs für den Tierpark angefertigt haben.

Wahlpflichtkursus Menschen, Natur, Technik an der Isarnwohld-Schule Gettorf wird nach zwölf Jahren beendet

shz.de von
17. Juni 2014, 06:00 Uhr

Eine jahrelange, intensive Kooperation geht zu Ende. Den Wahlpflichtkursus (WPK) Menschen, Natur, Technik der Isarnwohld-Schule, den Biologie- und Techniklehrer Burkhard Wilhelm 2002 ins Leben gerufen hat, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Am Freitag übergaben einige der 22 Schüler des Kurses aus den 10. Realschulklassen dem Förderverein des Tierparks zum letzten Mal Arbeiten, die sie während des Schuljahrs für den Tierpark angefertigt haben. Darunter eine große mit Tiermotiven bemalte Holztafel für den Größenvergleich Tier-Mensch, eine Fütterungsuhr und Riechkästen.

Zahlreiche Arbeiten von Schülern dieses Kurses helfen den Tierparkbesuchern inzwischen, sich zu orientieren. Da sind aus Holz gefertigte und mit Tieren bemalte Hinweisschilder, Fütterungsuhren, an denen Besucher die Zeit für die nächste Fütterung ablesen können, oder Schaukästen, in denen Tiermodelle zu bestaunen sind. Tierzeichner und Diplom-Biologe Jens Müller hilft auf ehrenamtlicher Basis, dass die Zeichnungen botanisch und biologisch korrekt sind. Schüler dieses Kurses haben auch das Bienenhotel renoviert und die Flügel der Windmühle restauriert. Burkhard Wilhelm ist sehr enttäuscht, dass das, was er aufgebaut hat, nicht mehr fortgesetzt wird. Erklärt werde es damit, dass sich die Bedingungen ändern, sagt er. Mit dem Wechsel zur Regionalschule und jetzt zur Gemeinschaftsschule seien die Wahlpflichtkurse weggefallen. Dafür wurde Wahlpflichtunterricht eingeführt, der den Regelunterricht vertiefen soll. „Die neuen Rahmenbedingungen geben diesen Freiheitsgrad nicht mehr her“, macht er deutlich. Der Kursus sei auf seine Möglichkeiten zugeschnitten. Die Lehrer hätten Kurse angeboten, die Schüler durften wählen. Nun müsse er sich an ein fachspezifisches Curriculum halten, also ein vorgegebenes, pädagogisches Konzept. „Im Wahlpflichtunterricht werden wir auch mal die Möglichkeit haben, mit dem Tierpark zusammen zu arbeiten“, erklärt er. „Aber nicht so, dass wir etwas bauen können und nicht in der Kontinuität.“ Es wird sich wohl eher auf Tierbeobachtung beschränken. Jens Müller wird dafür nicht mehr gebraucht. „Ich bedaure das sehr“, betont Burkhard Wilhelm. „Ich denke total gern an die letzten zwölf Jahre zurück, weil es so toll war. Ich habe meinen Schülern sehr gern zugesehen, wie kreativ sie gearbeitet haben. Es hat super geklappt. Ich habe tolle Schülerinnen und Schüler.“

Er dankt sowohl Jens Müller als auch dem Vorsitzenden des Fördervereins Dr. Wolfgang Böckeler für die langjährige Unterstützung und hofft, dass die Rahmenbedingungen wieder günstiger werden und er sein Angebot doch irgendwann fortsetzen kann. Dr. Wolfgang Böckeler kann das überhaupt nicht verstehen. „Es war eine ganz besonders selten vergleichbare, schöne pädagogische Herausforderung“, findet er, spricht sogar von Vorzeigepädagogik. Die Schüler wählten sich den Kursus nach ihren Neigungen und Interessen selber aus, seien nicht im Schulraum und könnten ihre Ideen und Möglichkeiten direkt mit dem Förderverein besprechen. Der Förderverein zahlt das Material. „Das sind schon sehr günstige und motivierende Vorbedingungen für eine vielfältig interessante pädagogische Arbeit“, betont er. „So, wie man sich das im Idealfall wünscht.“ Die Schule könnte sich doch glücklich schätzen mit dem Tierpark direkt vor der Haustür. Dazu käme das Lob von den Besuchern, die vor den von den Schülern gefertigten Tafeln stehen. „Ich habe selten einen Kursus erlebt, der so motiviert dabei ist“, fügt er hinzu. „Wenn so etwas brutal verändert wird, dann ist da etwas verkehrt.“

Auch die Schüler bedauern es sehr, dass es den Kursus nicht mehr geben wird. „Ich finde den Kursus ziemlich cool“, sagt die 17-jährige Anna-Sophie Dier aus Gettorf, die ihn bereits zum zweiten Mal gewählt hat. „Schade, dass er aufhört, weil er sehr abwechslungsreich ist. Ich finde, es ist eine gute Verbindung von Natur und Technik, und es macht richtig Spaß in der Gruppe.“ Im vergangenen Jahr hätten sie eine große Weltkarte für die Tierparkbesucher gemalt, mit den Tieren, wo sie leben, erzählt sie. In diesem Jahr haben sie aus Holz Riechboxen gebaut, in denen die Tierparkbesucher Kräuter wie Salbei, Thymian oder Lavendel erschnuppern können.







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