Das war’s : Aus für das Bürger-Forum

Aus dem Stand schickte das Bürger-Forum bei der Kommunalwahl 2013 fünf Mitglieder in die Ratsversammlung. Bei Dr. Reinhard Jentzsch (von links), Rieke Boomgarden, Monika Ipsen, Micha Bund (✝) und Matthias „Hubi“ Huber war die Freude groß.
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Aus dem Stand schickte das Bürger-Forum bei der Kommunalwahl 2013 fünf Mitglieder in die Ratsversammlung. Bei Dr. Reinhard Jentzsch (von links), Rieke Boomgarden, Monika Ipsen, Micha Bund (✝) und Matthias „Hubi“ Huber war die Freude groß.

Das Bürger-Forum hat nicht genug Kandidaten für die Kommunalwahl. Fraktionsvorsitzenden Matthias Huber zieht es in die SPD.

shz.de von
09. Februar 2018, 06:40 Uhr

Eckernförde | Das war’s mit dem Bürger-Forum. So engagiert die neue Wählergemeinschaft bei der Kommunalwahl im Jahr 2013 angetreten ist, so still und leise verschwindet sie von der politischen Bühne. Am Mittwochabend haben die Mitglieder in einer Sitzung einstimmig beschlossen, dass das Bürger-Forum aufgelöst werden soll. „Wir haben nicht genügend Leute, die bereit sind, in den Ausschüssen und in der Ratsversammlung zu arbeiten“, begründet Fraktionsvorsitzender Matthias Huber den Beschluss.

Er selbst habe jedoch weiterhin Lust auf die politische Arbeit und hat deshalb noch am selben Abend online einen Antrag zur Aufnahme in die SPD gestellt. „Die SPD steht mir mit ihren Inhalten am nächsten“, sagt er. Wenn man auch nicht in allen Punkten übereinstimme: „Inhaltlich sehe ich keine Schwierigkeiten.“

Über seinen Aufnahmeantrag entscheidet der Vorstand der Eckernförder Sozialdemokraten. „Noch ist bei mir nichts eingegangen“, sagte gestern Abend SPD-Vorsitzende Petra Neumann. Huber selbst weiß, dass er bei den Sozialdemokraten nicht unumstritten ist. Ob er bei einer Annahme auch Verantwortung übernehmen kann – darüber entscheiden letzten Endes Vorstand und Mitglieder: Der Vorstand stellt zum Beispiel die Liste der Kandidaten für die Kommunalwahl auf, die Mitgliederversammlung stimmt darüber ab.

Das Bürger-Forum hat sich aus der Bürgerinitiative „Bauen in Eckernförde“ gebildet und bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 aus dem Stand 17,1 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Es ist damit als drittstärkste Kraft mit fünf Mandaten in die Ratsversammlung eingezogen und hatte sich besonders Bauthemen und politische Transparenz auf die Fahnen geschrieben. Auf große Gegenliebe stieß die neue Fraktion zunächst nicht, das Verhältnis zwischen Bürger-Forum und Altparteien war angespannt. Zu einem ersten Eklat kam es noch Ende des selben Jahres, als Spitzenkandidat Dr. Reinhard Jentzsch trotz Befangenheit den Bürgerpark kaufte. Der anschließende Streit ließ ihn im März sein Mandat niederlegen. Für ihn folgte Herbert Kreis, der sein Mandat im September 2015 an Georg Siebert weitergab.

Personell ähnelte das Bürger-Forum einem Karussell. Noch im Jahr 2013 starb Ratsherr Micha Bund, dessen Mandat Thorsten Peuster übernahm. Er wechselte im Jahr 2017 zum SSW. Zwei Jahre zuvor verließ Monika Ipsen das Bürger-Forum, sie wechselte zu den Linken. Heute sind noch Matthias Huber als Fraktionsvorsitzender sowie Georg Siebert und Rieke Boomgaarden als Ratsherren in der Fraktion. Als bürgerliche Mitglieder arbeiten Siegfried Kulbarz, Patrik Schoß und Doris Rautenberg mit, wobei letztere bei der kommenden Kommunalwahl als Kandidatin der Linken antritt.

„Ich bin mit der Arbeit des Bürger-Forums zufrieden“, sagt Matthias Huber rückblickend. „Dafür, dass wir zu Beginn ein Haufen Anfänger waren, haben wir einiges erreicht. Wir haben es zum Beispiel geschafft, dass sich heute alle Parteien Transparenz und Bürgerbeteiligung auf ihre Fahnen schreiben. Auch wenn diese Ziele noch nicht umgesetzt sind, wird doch daran gearbeitet.“ Als weiteren politischen Erfolg nannte Huber unter anderem die Umsetzung der Müllvermeidungsverordnung.

Einen genauen Fahrplan für die Auflösung des Bürger-Forums gibt es noch nicht. „Nach dem jetzigen Kenntnisstand wird das Bürger-Forum am Ende der Legislaturperiode aufgelöst“, sagt Matthias Huber. Er versprach, bis zum letzten Tag zu arbeiten. Für ihn sei die politische Arbeit keine Last, sondern bereite ihm Spaß.

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