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Inlineskaterhockey : Aus dem Keller zum EM-Vizemeister

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Eckernförder Tjark Machau zog mit der deutschen U19-Nationalmannschaft ins EM-Endspiel gegen die Schweiz ein.

von
erstellt am 28.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Eckernförde | Mit großer Vorfreude und auch einer Menge stolz war der Eckernförder Tjark Machau (Foto) am vergangenen Wochenende zu den U19-Europameisterschaften im Inlineskaterhockey gereist. Das Turnier im kroatischen Delnice, an dem neben Deutschland auch noch Österreich, Schweiz, Kroatien und Großbritannien teilnahmen, wurde über zwei Tage ausgespielt. Am Sonnabend die gesamte Vorrunde und am Sonntag die Halbfinals sowie die Platzierungsspiele und das Finale.

Der 18-jährige Tjark Machau und seine Mitstreiter gingen als Turnierfavorit ins Wochenende. Die U19-Nationalmannschaft Deutschlands gewann diesen Titel bereits 12 Mal und ist damit unangefochtener Rekordhalter in dieser Altersgruppe. Seit dem Jahr 2004 haben die deutschen Nachwuchstalente zehn von elf Endspiele gewonnen. Dementsprechend viel wurde dem Team von den Bundestrainern Carsten Lang und Stephan Weichelt auch diesmal wieder zugetraut. Und diese Hoffnungen und Erwartungen waren durchaus berechtigt. In allen Vorrundenspielen präsentierten sich die Deutschen dominant und in Torlaune. Nach dem 8:3 gegen Österreich war das Team so richtig im Turnier angekommen und legte gegen Gastgeber Kroatien einen 17:0-Kantersieg hin, dem kurz darauf ein 17:1-Erfolg über Großbritannien folgte. Zum Finale des Vorjahres kam es im letzten Gruppenspiel, als die deutschen Talente auf die Schweiz trafen. Doch auch hier behielt Tjark, der gegen Kroatien ein Tor erzielt und eine Vorlage gegeben hatte, mit seiner Mannschaft mit 6:2 die Oberhand.

Alles deutete also auf eine souveräne Titelverteidigung hin, doch bereits im Halbfinale am Sonntag, zeigte sich, dass über Nacht wohl bei dem ein oder anderem die Beine schwer geworden waren. Oder der Kopf war nicht mehr frei. Um sich gegen Großbritannien mit 11:4 durchzusetzen reichte es dennoch. Das Endspiel war zum zwölften Mal in Folge erreicht. Gänsehaut-Momente gab es vor dem Anpfiff beim abspielen der Nationalhymnen vor der gut besuchten Tribüne in Delnice. Sollte die Stadt Eckernförde mit Tjark Machau einen neuen Europameister bekommen? Nein, die Schweizer nahmen erfolgreich Revanche für die 0:10-Vorjahres-Finalniederlage und besiegten Deutschland nach den drei Dritteln mit 6:4 (2:1, 2:2, 2:2). Früh gerieten die deutschen Spieler mit 0:1 ins Hintertreffen. Und so ging es weiter. Durchweg liefen sie einem Rückstand hinterher. Kein Spieler in den deutschen Reihen konnte seine Normalform abrufen. Statt ein Mannschaftsspiel aufzuziehen, wurden sie kopflos und versuchten – jeder für sich – das Spiel im Alleingang zu entscheiden. Damit hatte die Schweiz genau das erreicht, was sie wollte. Die spielerische Stärke der Deutschen zu stören und durch ihren überragenden Torhüter die Distanzschüsse des deutschen Angriffs zu entschärfen.

Auch wenn es am Ende nicht für den EM-Titel reichte, kehrte Tjark Machau doch mit vielen Erfahrungen zurück, die er so schnell nicht vergessen wird. Die EZ hat mit ihm gesprochen.

Tjark, nach zwei Tagen in Kroatien und einem Vize-EM-Titel bist Du jetzt zurück in Eckernförde. Welche Gefühle überwiegen so kurz nach dem Turnier?
Der Ärger und die Enttäuschung darüber, dass wir das Finale verloren haben, überwiegt im Moment noch. Ich glaube, es wird schon noch ein paar Tage dauern, bis die Freude darüber kommt, Vize-Europameister geworden zu sein.

In der Vorrunde lief es richtig gut für Dich und das deutsche Team. Was war am Finaltag am Sonntag los?
Ich fand, dass wir nicht mehr so gut als Team zusammengespielt haben. Es waren zuviele Einzelaktionen dabei. Insgesamt war es für uns wie verhext, denn man muss auch zugeben, dass der Torwart der Schweizer einen sensationell guten Tag hatte. Da gab es leider kein Vorbeikommen, auch wenn wir insgesamt nicht schlecht gespielt haben. Wenn das Spiel noch zwei Minuten länger gedauert hätte, glaube ich, dass wir den Ausgleich noch geschossen hätten. Schade.

Die deutsche Nationalmannschaft ist im U19-Jahrgang so etwas wie der EM-Dauer-Gewinner. Habt ihr wegen dieser Rolle Druck verspürt?
Nein. Uns war natürlich klar, dass wir der Favorit auf den Turniersieg sind. Und diese Rolle wollten wir ja auch annehmen. Aber richtigen Druck haben wir aus dem Umfeld nicht verspürt.

Unter dem Strich bleibt ja mit der Vizemeisterschaft ein durchaus schöner Erfolg. Wie hast Du dich gefühlt, als Du im Nationaltrikot vor der Partie die Hymne gehört hast?
Da ist man natürlich stolz. Auch darauf, dass man diesen Weg überhaupt erfolgreich in den vergangenen Jahren gegangen ist, und man nun bei so einem Turnier auf dem Feld stand. Das ist eine schöne Entlohnung. Der Adler auf der Brust und die Hymne vor dem Endspiel zu hören – das sind Erlebnisse, die ich niemals vergessen werde. Ich weiß, dass ich mit den Topspielern des Jahrgangs in einer Mannschaft gespielt und dazugehört habe. Das macht mich stolz.

Wie geht es für Dich im Skaterhockey nun weiter? Ist die Herren-Nationalmannschaft ein Thema?
Ich denke nicht, dass das für mich machbar ist, wenn ich hier im Norden bleiben würde. Aber selbst wenn ich wechseln würde und irgendwo höherklassig spielen könnte, bin ich realistisch genug, dass es für mich wohl nicht reichen wird. Ich bin bei meinem Verein, den Holtenau Huskies, auch zufrieden. Mir macht es dort Spaß und für mich steht sowieso mein Abitur im nächsten Jahr im Vordergrund. Eines steht für mich aber fest...

Und das wäre?
Dass ich es überhaupt in die Nationalmannschaft geschafft habe, liegt daran, dass ich über Jahre den Keller meiner Eltern zerdeppern durfte. Da bin ich teilweise ganze Tage nicht hochgekommen und habe Schüsse und dribbeln geübt. Dafür möchte ich mich natürlich bedanken.


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