Berufswunsch Pastor : Aus dem Hörsaal auf die Kanzel

Steht kurz vor dem Abschluss seines Vikariats: Oliver Erckens in der Rendsburger Christkirche.
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Steht kurz vor dem Abschluss seines Vikariats: Oliver Erckens in der Rendsburger Christkirche.

Ausbildung in der Praxis: Angehende Pastoren müssen nach dem Studium ein Vikariat absolvieren / Gute Berufsperspektiven

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12. Februar 2018, 06:41 Uhr

Eckernförde | Kinderkirche, Konfirmation, Jugendgruppe, Theologiestudium, Vikariat. Diesen geradlinigen Weg gehen nur die wenigsten angehenden Pastoren. Daniela Meyer zumindest hat so einen ähnlichen Weg beschritten. Sie hat ihre Ausbildung in Osdorf fast hinter sich und wird Mitte des Jahres ihre erste eigene Stelle als Pastorin antreten.

Die gebürtige Schleswigerin war schon in ihrer Jugend in den Kirchengemeinden vor Ort aktiv, nahm sich ein Beispiel am Gemeindepastor und studierte nach dem Abitur Theologie in Greifswald, Prag und Kiel. Nach dem Examen ging es in die Praxis und damit in die Kirchengemeinde Osdorf-Felm-Lindhöft. Nun endet ihre Zeit bei Pastor Thoms Heik, und im Sommer beginnt der dreijährige Probedienst als Pastorin, den Meyer im Großraum Kiel absolvieren will. Ihr geradliniger Weg geht weiter.

Bei Oliver Erckens war dies etwas anders. Der 33-Jährige studierte zunächst in Rostock Jura, sattelte dann aber um, weil er keine Berufsperspektive für sich sah. Rechtsanwalt oder Richter, das war nichts für den gebürtigen Badener, der in der Nähe von Bruchsal aufgewachsen ist. Den Beruf des Pastors hingegen konnte er für sich vorstellen, er war seit der Jugend und Kindheit positiv für ihn besetzt. „Ich war immer mit der Kirche verbunden“, sagt er. „Ich habe immer Freude gehabt, von Gott zu erzählen und wie ich ihn erlebe.“

So blieb Oliver Erckens in Rostock, studierte Theologie, arbeitete aber nach dem Abschluss zunächst in der IT-Beratung und pflegte einen Angehörigen. Für den weiteren Weg zum Pastor war noch nicht die richtige Zeit. Dafür entschied er sich, nachdem er sich den Ausbildungsweg in der Nordkirche genau angeschaut und für gut befunden hat. Wie Daniela Meyer steht auch Erckens nun kurz vor dem Abschluss seines Vikariats, das er an der Christkirche Rendsburg-Neuwerk bei Pastor Stefan Holtmann absolviert.

Das Vikariat ist der letzte Schritt vor dem Probedienst als Pastor und damit vor der ersten eigenverantwortlichen Pfarrstelle der jungen Theologen. Zweieinhalb Jahre verbringen die Vikare in einer Kirchengemeinde. Zu Beginn arbeiten sie an einer Schule vor Ort, um auch dieses Arbeitsfeld kennenzulernen. In den Kirchengemeinden selbst werden sie von einem Pastor, ihrem Mentor, angeleitet. Gemeinsam mit Kollegen ihres Jahrgangs besuchen sie regelmäßig Kurse im Pastoralkolleg der Nordkirche in Ratzeburg. Noch öfter – einmal in der Woche – treffen sie sich mit ihrem Regionalmentor und anderen Vikaren aus dem direkten Umfeld zum Austausch über Probleme, aber auch Ideen oder anstehende Gottesdienste und Aufgaben. Die sind vielfältig.

„Der Beruf gibt viele Möglichkeiten, sich zu entfalten“, sagt Oliver Erckens. Zur Arbeit gehöre der persönliche Kontakt mit den Menschen ebenso wie die öffentliche Situation im Gottesdienst. Dazu komme die Konfirmandenarbeit oder auch die Verwaltung in der Kirchengemeinde. Auch Daniela Meyer schätzt an ihrem Beruf besonders die Vielfalt. Vor dem Studium habe sie sich noch gedacht, in der Kirche arbeite sie vor allem mit alten Menschen. Aber dann habe sie sich gesagt: „Ich probiere das jetzt einfach.“ Sie war schnell Feuer und Flamme für das Theologie-Studium und freut sich auf die Freiheit, die sie als Pastorin hat. „Es ist ein Traumberuf mit einer großen Bandbreite.“

Die Bedeutung der vielseitigen Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation, Eheschließung und Trauerfeier hat auch Oliver Erckens im Vikariat kennengelernt. „Wie wichtig sie sind, war mir vorher nicht klar.“ Er komme gerne mit Menschen in einer Phase ihres Lebens in Kontakt, die für diese eine besondere Bedeutung hat. Gleichzeitig sei dies für die Kirche eine große Chance, da sie mit Menschen in Kontakt komme, die sonntags selten zum Gottesdienst gehen. Das bedeute aber natürlich auch, dass an ihn in einem solchen Gottesdienst ein hoher Qualitätsanspruch gestellt werde, so Erkens.

Die Berufsperspektive der angehenden Pastorinnen und Pastoren ist gut. In den kommenden Jahren werden wesentlich mehr Stelleninhaber pensioniert als neue hinzukommen. Und so wird dann auch einer der Schwerpunkte in der Arbeit von Daniela Meyer immer wichtiger: Die Ermutigung von Ehrenamtlichen. „Ich möchte die Menschen befähigen, ihre Gaben zu erkennen und einzusetzen“, sagt sie. Oliver Erckens wiederum hofft auf einen Einsatz in Mecklenburg, wo er die Kirchengemeinden sehr aktiv erlebt hat, gerade auch weil so wenige Menschen Mitglieder der Kirche sind. „Es ist eine andere Stimmung. Neue Ideen haben eine große Chance.“ Neue Ideen, die Oliver Erckens, aber auch Daniela Meyer aus ihrer Ausbildung mit in ihre künftigen Kirchengemeinden nehmen werden.

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