Eckernförde : Aufsichtsrat stoppt Butterschiff-Museum

<dick>Wolfgang Beyer</dick> (l.) und Rieke Boomgaarden (r., hier mit Schiffsführer Patrick Mosel und Modell der 'Rümm Hart I') wollen den 39 Meter langen Butterdampfer als Museums- und Veranstaltungsschiff an die Hafenmole legen. Aber: Der Aufsichtsrat hat abgelehnt.   Foto: kühl
Wolfgang Beyer (l.) und Rieke Boomgaarden (r., hier mit Schiffsführer Patrick Mosel und Modell der "Rümm Hart I") wollen den 39 Meter langen Butterdampfer als Museums- und Veranstaltungsschiff an die Hafenmole legen. Aber: Der Aufsichtsrat hat abgelehnt. Foto: kühl

shz.de von
30. April 2010, 07:42 Uhr

Eckernförde | Die Weiße Flotte hat Eckernförde über Jahrzehntegeprägt. Täglich fuhren die "Butterdampfer" nach Dänemark, um den Fahrgästen den zollfreien Einkauf zu ermöglichen. Die Schifffahrten bedeuteten für viele Menschen auch Geselligkeit, Abwechslung, Teilhabe am Leben. Der zollfreie Einkauf an Bord wurde im Jahr 2000 von der EU gekippt, die Butterdampfer mussten ihren Betrieb einstellen. An diese lange und bewegte Geschichte der Butterfahrten als maritime Besonderheit möchten zwei Eckernförder Skipper erinnern und der Stadt ein ganz besonderes Exemplar an die Pier legen: Rieke Boomgaarden von der "Sigandor" und Wolfgang Beyer, Skipper des Traditionsseglers "Jachara", haben die "Rümm Hart I" vor der Schrottpresse bewahrt. Sie möchten sie ganzjährig als Museumsschiff mit begehbarer Maschine und Brücke, vermietbarer Kapitäns- und Mannschaftskammer, Salons, Verkaufsraum, mit Kleinkunstbühne, Gastronomie und Trauzimmer an die Mole der Hafenspitze legen.

Das auf der Husumer Schiffswerft gebaute Fahrgastschiff "Rümm Hart I" soll nach Recherchen der Besitzer das letzte fahrfähige, in Deutschland gebaute Butterschiff sein. Es wurde am 6. Juni 1970 als "Andreas Gayk" in Eckernförde in Dienst gestellt worden, fuhr 15 Jahre lang die Strecke Eckernförde - Sonderburg - Eckernförde und war 1972 als Begleitschiff bei der Eröffnung der Segel-Olympiade vor Schilksee im Einsatz. Nach dem Aus für die Butterfahrten fuhr das Schiff im Oderhaff und sollte zuletzt als Disco-Schiff auf dem Nord-Ostsee-Kanal fahren. Doch dazu kam es nicht, dem Eigner ging die Luft aus, die fahrfähige und gut erhaltene "Rümm Hart I" liegt seitdem in der Eberhardt-Werft in Arnis, wo Rieke Boomgaarden und Wolfgang Beyer sie entdeckten, ein Konzept entwarfen und kauften.

Für die Eigner der beiden Eckernförder Traditionsschiffe war die Sache eigentlich klar: Ein ästhetisch geschnittenes, 39 Meter langes Schiff mit Eckernförder Historie und intaktem Innenleben, das an eine wichtige seemännische Epoche erinnert und für eine Belebung des Hafen sorgen soll - ein Selbstgänger. "Wem wir auch davon berichteten, alle waren Feuer und Flamme", berichten Boomgaarden und Beyer. Ein Farbenhersteller stellte kostenfrei Farbe für den Unterwasseranstrich und die Grundierung zur Verfügung, "weil sie das Projekt klasse finden", so die "Rümm Hart"-Eigner. Zuspruch bekamen die beiden Skipper auch im Ostseebad: Dietmar Steffens, Geschäftsführer der Stadtwerke als Hafenbetreiber, hätte sich zustimmend geäußert und bereit erklärt, das Projekt im Aufsichtsrat vorzustellen. Auch Vertreter der CDU-Fraktion hätten sich bei einem Ortstermin sehr interessiert gezeigt. "Alle Reaktionen waren positiv", sagt Boomgaarden, der von der öffentlichen Akzeptanz seines Projekts überzeugt ist und fest mit einer Genehmigung gerechnet hat. Sogar ein Eröffnungstermin stand schon fest - der 1. Mai 2010.

Doch statt der erwarteten Bestätigung, flatterte den Eigner am 28. Februar eine Absage des Aufsichtsrates der Stadtwerke ins Haus. "Die Ablehnungsgründe sind uns nicht mitgeteilt worden, wir verstehen das nicht", meinten Rieke Boomgaarden und Wolfgang Beyer zur einsilbige Ablehnung, die der Umsetzung ihres Museums- und Veranstaltungsprojekts an der Hafenmole unmöglich macht. Selbst auf eine einjährige Liegezeit mit Option auf Verlängerung hätten sich die Eckernförder Skipper eingelassen.

Sie ärgern sich im Nachhinein, sich zu sehr auf die wohlmeinenden Worte verlassen zu haben, statt ihr Vorhaben selbst vehementer propagiert zu haben. Wie Skipper Boomgaarden anmerkte, hätte man auch offensiver auf kursierende Gerüchte zum Größe und Nutzung reagieren und das Konzept des vielseitig nutzbaren Museumsschiffes als Kleinkunstbühne, Veranstaltungsort, günstige maritime Übernachtungsmöglichkeit und Anlaufpunkt für Skipper und Touristen erklären müssen. "Wir haben uns einfach darauf verlassen, dass es läuft, das war unser Fehler", bedauern Boomgaarden und Beyer heute den unglücklichen Verlauf.

"Der Aufsichtsrat hat die Entscheidung nach reiflicher Überlegung und zwischenzeitlicher Beratung in den Fraktionen einstimmig getroffen", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Jörg Sibbel. Als Grundinformation sei dem Gremium nur bekannt gewesen, dass "auf dem zur Verschrottung anstehenden Schiff" eine Tagesgastronomie und eine Ferienwohnung eingerichtet werden sollten. Dagegen habe gesprochen, dass man sich nach der "Herta" und der "Capella" nicht noch ein weiteres nicht dauerhaft in Fahrt befindliches Schiff an den Hafen legen wollte, die Wohnnutzung im Hinblick auf die weiterhin geplanten Veranstaltungen an der Hafenspitze kritisch gesehen werde und der alte Butterdampfer in prädestinierter Hafenspitzenlage kein "eye catcher" sei.

Rieke Boomgaarden, Wolfgang Beyer und die weiteren Unterstützer wollen nun weitere Überzeugungsarbeit leisten und versuchen, das Thema noch einmal zur Sprache zu bringen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen