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Eckernförder Zeitung

25. November 2017 | 01:22 Uhr

Aufbruch in eine ganz andere Welt

vom

Von Osdorf nach Logaweng: Christian Stoll aus Borghorsterhütten geht als Hilfslehrer nach Papua Neuguinea

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Borghorsterhütten | Angst hat er keine - ganz im Gegenteil: Die Spannung und die Vorfreude steigen von Tag zu Tag. Und der Abreisetermin rückt immer näher. Am Donnerstag, 15. August, heißt es für Christian Stoll Abflug in eine ganz andere Welt. Der 19-Jährige geht für ein Jahr als Hilfslehrer nach Papua Neuguinea.

"Ich wollte nach der Schule nicht gleich studieren, sondern ein Jahr ins Ausland", berichtet er von der Idee, nach Ozeanien zu gehen. Über die Organisation Weltwärts und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sei er auf die Versendeorganisation Zentrum für Mission und Ökomene (ZMÖ) gestoßen und habe sich für eine Aufgabe am anderen Ende der Welt entschieden. "Es sollte etwas Neues, Unbekanntes sein. Etwas, das der deutschen Kultur möglichst wenig ähnelt", sagt Christian.

Über mehrere Treffen mit Mitarbeitern des ZMÖ, Rückkehrern und anderen abenteuerlustigen Ausgesandten tauschte er sich aus. Mayupe Par, ein Einheimischer, der mit seiner Familie derzeit in Breklum lebt, hat mit ihm ein wenig die Pidgin-Sprache Tok Pisin eingeübt, damit er sich von Anfang an ein wenig verständigen kann. Die Sprache setzt sich aus den Sprachen der Kolonialherren und Handelsleute des Landes zusammen - hier vorwiegend aus Elementen des Englischen und Deutschen. Insgesamt über 830 Sprachen und Idiome werden auf Papua-Neuguinea gesprochen. Neben Tok Pisin und der Kreolsprache Hiri Motu gilt Englisch als Amtssprache auf dem Inselstaat. "Aber das sprechen eigentlich nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung", weiß Christian.

"Mi lukim wan liklik pukpuk", führt er seinen Lieblingssatz vor und lacht. "Das heißt: Ich sehe ein kleines Krokodil." Und er kann davon ausgehen, dass er tatsächlich nicht nur kleine Krokodile sehen wird, denn die Artenvielfalt in Papua Neuguinea ist riesig: Hier gibt es Schlangen und andere Reptilien, Spinnen, viele bunte Fische im kristallklaren Wasser und nicht zuletzt den Paradiesvogel, der auch im Wappen des Staates zu finden ist. Viele Tiere sind giftig. Ein Moskitonetz ist wichtig, das Wellblechhäuschen, in dem Christian leben wird, steht auf Holzpfeilern, damit die Kriechtiere es schwerer haben. Sogar einen giftigen Vogel gebe es in seiner Wahlheimat für ein Jahr. Kurz vor Abreise bekommt der junge Hilfslehrer eine Reiseapotheke an die Hand. "Die Sachen sind nur zur Anwendung im Ausland und im Notfall bestimmt", beschreibt er.

Aber nicht nur spannend wird die Zeit, auch mit der Einsamkeit wird Christian von Zeit zu Zeit an seiner Schule, dem Senior Flierl Seminary, zurechtkommen müssen. Wenn der Unterricht stattfindet, kommen rund hundert Einheimische aus ihren Dörfern, um mit dem Deutschen zu leben und zu lernen. In den Ferien wird das Seminar dagegen vergleichsweise verlassen wirken. Kontakt mit der heimischen Außenwelt gibt es mit Glück über das Handy und den Laptop. Der muss aber hinterher wieder gut in Plastik eingepackt werden. "Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und liegt bei 80 bis 90 Prozent", sagt Christian. Die sorgt aber andererseits dafür, dass in seinem Garten einiges wachsen wird, denn auch für seine Nahrung muss er in diesem Jahr selbst sorgen. In Papua Neuguinea wird noch Subsistenzwirtschaft betrieben - die Bevölkerung lebt in erster Linie von dem, was sie selbst anbaut und dem Tauschhandel. "Ich kann auch in Gagidu einkaufen gehen. Dort gibt es Süßkartoffeln, verschiedene Gemüse, manchmal frischen Fisch auf dem Markt - und auch mal eine Tütensuppe oder eine Cola - immer vorausgesetzt, das Schiff kommt an", sagt er schmunzelnd.

Wenn er am Donnerstag abreist, geht sein Flug über Singapur und Brisbane bis in die Hauptstadt Port Moresby, dann mit einer Propellermaschine nach Lae. Von dort geht es mit dem Schiff weiter. Zwar gibt es im nahe gelegenen Finschhafen auch noch einen kleinen Flughafen für den Distrikt. "Aber der ist nur für Chartermaschinen. Man muss selbst dort anrufen, damit sie vorher die Landebahn mähen", sagt Christian. Neun Stunden beträgt die Zeitverschiebung. "Ich reise in die Zukunft", berichtet er. Nein, Angst habe er wirklich keine: "Jedenfalls nicht um mich. Ich mach mir eher Sorgen um meine Familie hier zuhause. Auf mich kann ich ja selbst aufpassen", sagt er lachend.

Wer Christians Jahr in Papua-Neuguinea verfolgen möchte, kann das über den Blog www.christianinpng.blogspot.de.

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