Riesebyer Willkommenscafé : Auf Willkommen folgt Integration

Sie kommen gerne in die Alte Post, wo das Willkommenscafe regelmäßig angeboten wird. Schahd (hinten v.l. 13 Jahre), Abdulhadi (9), Abd al Rahman (11) sowie Zoha (4), Luciana ( 3 ) Noah (2 ) und Sam (1 ) Sie feierten als Neubürger in Rieseby mit Falafel, Hummus und Geschenken das diesjährige Weihnachtsfest.
Sie kommen gerne in die Alte Post, wo das Willkommenscafe regelmäßig angeboten wird. Schahd (hinten v.l. 13 Jahre), Abdulhadi (9), Abd al Rahman (11) sowie Zoha (4), Luciana ( 3 ) Noah (2 ) und Sam (1 ) Sie feierten als Neubürger in Rieseby mit Falafel, Hummus und Geschenken das diesjährige Weihnachtsfest.

Das Riesebyer Willkommenscafé des Helferkreises veranstaltete eine Feier zum Jahresabschluss. Helfer überlegen eine zukünftige inhaltliche Neuausrichtung.

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27. Dezember 2017, 06:58 Uhr

Rieseby | Ganz versunken sitzt sie da, die vierjährige Zoha mit ihren großen Augen und braunen Löckchen, die ein Flechtzopf bändigt, und versucht sich im Malen nach Zahlen in ihrem neuen Malbuch. Das hat sie gerade bei der vorgezogenen Bescherung in den Räumlichkeiten der Alten Post in Rieseby erhalten, denn der Weihnachtsmann war schon da und hat Geschenke gebracht – zumindest für die Kinder des Willkommenscafés Rieseby.

Dies feiert gerade seine eigene Weihnachtsfeier auf orientalische Manier. Es duftet verführerisch nach frisch frittierten Falafel, Hummus, Baba Ghanousch und Baklava. An der langen festlich eingedeckten Tafel – stilecht norddeutsch mit roten Weihnachtssternen dekoriert – haben vier Familien mit ihren Kindern zusammen mit den Ehrenamtlern Platz genommen.

Seit nun zwei Jahren koordinieren Waltraut Folge und Christine Scheller den Kreis. Im Dezember 2015 ins Leben gerufen, nahm der lose Zusammenschluss seine Arbeit auf, als der Zustrom der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Westbalkan auch Rieseby erreichte und rund 30 Flüchtlinge in die Gemeinde zogen. Damals mussten vor allem administrative Hürden mit den Neubürgern genommen und Unterkünfte gesucht werden.

Viele der damaligen Asylsuchenden leben heute nicht mehr in der Gemeinde, sind zu Verwandten in andere Regionen Deutschlands gezogen, haben ein Studium oder eine Ausbildung in der Ferne aufgenommen. Einige sind jedoch auch geblieben, wie Bassam Shamoun und seine Familie. Zusammen mit seiner Frau Rania und der gemeinsamen Tochter Louisana (2) lebt er nun im Dorfzentrum und fühlt sich wohl. Nur das mit der Arbeit gestaltet sich herausfordernder als gedacht, berichtet der studierte Jurist, der in Damaskus als „Security Officer“ für die Sicherheitsabteilung des Four Seasons Hotels zuständig war. Mehrfach habe er sich schon für verschiedene Ausbildungen beworben: als Industriekaufmann oder als Steuerfachangestellter und trotz B2-Sprachzertifikat keine Zusagen erhalten. „Manchmal bekam ich sogar noch nicht einmal eine Rückmeldung auf meine Bewerbung. Das finde ich schade“ merkt Bassam an.

Folge und Scheller sind sich einig, dass sich die Aufgabenfelder des Willkommenscafés geändert haben. „Vielleicht wäre auch eine Umbenennung unserer Arbeit nötig“, gibt Scheller zu bedenken. Denn „willkommen geheißen“ wurden die Neubürger bereits auf vielfältige Art und Weise. Nun, nach zwei Jahren des Ankommens, gilt es die Integration der Neubürger weiter voran zu treiben. Dazu sei weiterhin die Sprachförderung der Neubürger sehr wichtig. „Sprachkurse sind immer noch auf der Bedarfsliste“, so Scheller.

Um die ehrenamtliche Arbeit der letzten zwei Jahre zu rekapitulieren, wird sich die Initiative im Januar zusammensetzen und über eine inhaltliche Neuausrichtung nachdenken. Neue Mitwirkende sind gerne gesehen. Einen großen Wunsch haben Folge und Scheller nämlich zum diesjährigen Weihnachtsfest: Das Willkommenscafé in der Alten Post als Anlaufpunkt und Koordinationsstelle soll weiterhin erhalten bleiben und damit auch zeigen können, dass das Helfen und Unterstützen eine bereichernde Wechselwirkung entfalten kann. „Die herzliche Begegnung mit den verschiedenen Menschen macht eine unglaubliche Freude und erweitert den persönlichen Horizont“, stellen sie fest.

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