Auf Spurensuche im Mittelalter

Professor Ulrich Müller vom Institut für Ur- und Frühgeschichte überreicht der Kirchenvorstandsvorsitzenden Karen Mordhorst ein großes Poster mit den Ausgrabungsergebnissen.
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Professor Ulrich Müller vom Institut für Ur- und Frühgeschichte überreicht der Kirchenvorstandsvorsitzenden Karen Mordhorst ein großes Poster mit den Ausgrabungsergebnissen.

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14. März 2011, 06:30 Uhr

Krusendorf | Spannendes Thema und voller Saal in "Mißfeldts Gasthof": Am Freitag kamen rund 120 Interessierte, um den Vortrag von Donat Wehner über die Ergebnisse der Ausgrabungen an der St. Catharinenkirche am Jellenbek zu hören. Im August hat ein Team vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) mit den archäologischen Arbeiten an den Überresten der Kirche begonnen, die in der Ortschronik 1319 erstmalig erwähnt wurde. Vorsichtig wurden Steine, Bauschutt und Staub abgetragen. Eine Saalkirche mit eingezogenem Chor müsse hier einst gestanden haben, erklärte Wehner. Es handele sich um eine steinfundamentierte Kirche mit Strebemauerwerk und einem kleinen Vorraum. Der mag in römisch-katholischer Zeit eine Sakristei gewesen sein, eventuell wurde er aber im Protestantismus zu einer Grabkapelle umgewidmet, führte der Archäologe aus. "Die gotische Kirche wurde aus einem Guss gebaut, aber vom Mauerwerk sind nur noch wenige Reste erhalten", so Wehner weiter. Gelbe und rote Backsteine wurden vermauert. Die Maße der Ziegel haben bereits genormtes Klosterformat. "Das gab es erst ab dem 14. Jahrhundert", erläuterte der Archäologe. Auch ein paar grün glasierte Zierziegel seien darunter gewesen - ein Zeichen für den Reichtum des Patrons. Ein besonderes Fundstück ist ein Ziegel mit Schlüsselstempel. Die Initialen S und P sind erkennbar. Die Steine wurden demnach in der Sankt Petri Ziegelei in Lübeck gefertigt. "Der Schlüssel zum Himmelreich - dieser Stein könnte über dem Portal gesessen haben", so Wehner weiter. Ein Priependach könnte die Kirche gehabt haben. "Nonnen und Mönche" heißen die dafür verwendeten Dachziegel in der Form einer der Länge nach halbierten Röhre.

Im Inneren der Kirche deutet einiges auf dünn aufgetragenen Kalkputz hin, durch den das Mauerwerk durchscheinen konnte. "Vermutlich sollte Platz für Bemalung geschaffen werden, aber wir haben keine Reste von Malereien gefunden", berichtete der Ausgrabungsleiter. Die Formsteine, die gefunden wurden, deuten auf ein Kreuzrippengewölbe hin. An den Resten des Fußbodens, ein Fischgrätmuster, kann man erkennen, dass es ein großes Feuer gegeben haben muss. Die aus den Ritzen geborgenen Münzen stammen aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Reste der Altarpfosten, die die Retabel gehalten haben mögen, wurden auf das 14./15. Jahrhundert datiert. Zur Erwärmung des Raumes wurden offenbar Gluttöpfe verwendet. Auch bunte Fenster hat es wohl gegeben. "Die Kirche muss für ihre Zeit prächtig gewesen sein", urteilte Wehner.

Unter den zwei gut erhaltenen Grabplatten befinden sich die Gräber des 1720 verstorbenen Pastor Peter Struve und des Predigers Christian Lexovi, der 1651 im Alter von 83 Jahren starb. Südöstlich der Kirche wurden 14 weitere Gräber entdeckt. Sechs davon wurden bis jetzt eingehender untersucht und brachten die Überreste von vier Erwachsenen, einem Kleinkind und einem Neugeborenen zum Vorschein. "Es waren vermutlich besser gestellte Personen, denn sie waren alle in Särgen, zum Teil aus hochwertigem Eichenholz bestattet - das war bis ins 19. Jahrhundert unüblich", erklärte Wehner. Auch die massiven Beschläge deuten darauf hin: "In der Barockzeit wurde der Prunk auch auf den Tod übertragen". Die Kinder erhielten so genannte Traufbegräbnisse - das Tropfwasser symbolisierte einen weiteren Segen nach dem Tod. Die Bestattungstiefe erwies sich als erstaunlich gering - nur 30 bis 40 Zentimeter hatten die Totengräber gegraben.

Zum Vergleich der Größe der St. Catharinenkirche führte Wehner abschließend die Kirche von Katharinenheerd an und erhielt für seinen Vortrag viel Beifall. Die Ausgrabungsstücke befinden sich derzeit noch im Institut für Ur- und Frühgeschichte, im Anschluss werden solche Fundstücke normalerweise im archäologischem Landesamt in Schleswig verwahrt. Vielleicht besteht die Möglichkeit einige davon mit Infotexten versehen in der Vitrine in der Dreifaltigkeitskirche in Krusendorf auszustellen. Die Knochen aus den Gräbern werden anthropologisch untersucht und anschließend in vorerst sicherer Entfernung von der Steilküste wieder beigesetzt. "In Krusendorf haben wir die Möglichkeit, eine Kirche komplett auszugraben", erklärte Donat Wehner und hofft auf eine baldige Bewilligung weiterer Gelder. Schließlich sind Ausgrabungen dieser Art in Schleswig-Holstein nicht nur ausgesprochen selten, es handelt sich darüber hinaus um eine Notausgrabung, denn die Abbruchkante der Steilküste rückt unaufhaltsam näher.

Professor Ulrich Müller, Leiter des Instituts für Ur- und Frühgeschichte an der CAU, überreichte der Vorsitzenden des Kirchenvorstandes Karin Mordhorst ein großes laminiertes Plakat mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse. Er bedankte sich beim Vortragenden für die tolle Leitung der Ausgrabung und bei allen anderen Beteiligten. "Wir wurden von allen gut unterstützt - vom Container bis zum Kuchen!"

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