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Eckernförder Zeitung

21. Oktober 2017 | 12:34 Uhr

Auf Minensuche in der Förde

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Marine und LKA beseitigen Altmunition in der Kieler Bucht / Minentaucher und Drohnen im Einsatz

von
erstellt am 19.Mai.2014 | 18:20 Uhr

Auch knapp 70 Jahre nach Kriegsende liegen laut Fregattenkapitän Fritz Klocke von der Einsatzflottille 1 noch tausendfach Munition in der Ostsee, auch im Bereich der Kieler Bucht und Förde. Eine Gefahr, gerade vor dem Hintergrund von rund 40 000 Schiffsbewegungen nach und von Kiel pro Jahr. Das Landeskriminalamt (LKA) spürt diese Altlasten derzeit mit Unterstützung der Marine auf, um sie zu beseitigen. Hintergrund ist eine geplante Verlegung des Verkehrstrennungsgebietes außerhalb der Kieler Förde.

Während im Verklappungsgebiet vor Heidkate überwiegend versenkte Munition ohne Zünder liegt, liegt im Verkehrstrennungsgebiet südlich des Kieler Leuchtturms hauptsächlich Munition mit Zünder. „In dem Bereich, auf dem die Schiffe aus der Förde auslaufen, sind wir in ein bis zwei Wochen fertig, der ist dann quasi munitionsfrei“, sagt Jürgen Kroll, zuständig beim LKA für den Kampfmittelräumdienst. Jetzt sind die in die Förde hineinführenden „Fahrspuren“ dran. Und dabei arbeitet das LKA, das für die Beseitigung der Munition zuständig ist, eng mit der Marine zusammen. Die ist im Rahmen der Amtshilfe mit Minenjagdbooten, Minentauchern und modernster Technik wie der Minenjagddrohne „Seefuchs“ dabei.

Zunächst werden von einem Unterwasserfahrzeug Fotos vom Meeresboden gemacht und ausgewertet. Minentaucher steigen dann hinab, um die Objekte zu identifizieren und gegebenenfalls mittels eines Hebeballons an einen anderen Platz zu verschleppen, wo die Minen entweder gesprengt oder auch entschärft werden können. Ebenfalls zur Identifizierung wird der „Seefuchs“ eingesetzt. Er fährt weitgehend automatisch zur Mine und verfügt über ein Nahbereichssonar und eine Videokamera. Über ein etwa 1000 Meter langes Glasfaserkabel ist die Drohne mit dem Minenjagdboot verbunden, in dessen Operationszentrale die Videobilder auflaufen.

Nach dem Einsatz kehrt das etwa 30 000 Euro teure Stück zum Boot zurück. Eine weitere Version des „Seefuchs“ ist die Einwegdrohne, die mit einer Sprengladung ausgerüstet ist und Minen direkt vernichten kann. Auch wenn sich die Suchtechnik wesentlich verbessert hat, würde die komplette Räumung mit den bisherigen Methoden noch Hunderte von Jahren dauern – „nicht hinnehmbar“ , wie Jürgen Kroll sagt. „Man muss ein unbemanntes Verfahren entwickeln, mit dem man die Munition industriell beseitigen kann.“ Daran werde bereits gearbeitet. Zunächst ist jetzt die Räumung des Fahrwassers bis zu den Holtenauer Schleusen geplant, was Kroll zufolge bis zu zehn Jahre dauern wird, wegen erschwerter Bedingungen: Wetterabhängigkeit, große Flächen, begrenzte Tauchzeiten der Minentaucher, schlechte Sicht unter Wasser.

Dass man sich trotzdem für diesen Job entscheidet, begründet Simon Voss aus Eckernförde (28) damit, dass es ein umfangreiches Tätigkeitsfeld ist. „Auch die sportlichen Anforderungen, die Teamarbeit und der teilweise weltweite Einsatz haben mich gereizt und dazu bewogen, Minentaucher zu werden“, sagt Voss, den sein Beruf schon nach Kanada oder zu den Seychellen geführt hat.

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