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lotse am Nordosteseekanal : Auf ihn vertrauen Kapitäne

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Matthias Schöpe reiste als Kapitän durch die ganze Welt / Nach Piratenangriff wechselte er den Beruf und wurde Lotse

Das Mobiltelefon klingelt. Matthias Schöpe soll ein Containerschiff durch den Kanal lotsen. Er beeilt sich, muss innerhalb von einer Dreiviertelstunde in Holtenau sein. Dort beginnt der Job. Ein Kollege bringt das Schiff in die Schleuse, er steigt zu und fährt das Schiff bis Kilometer 55 bei Rendsburg. Dort kommt ein Lotsenboot längsseits, ein Brunsbüttler Kollege klettert an Bord und übernimmt. Die Uhrzeit spielt für den Kanallotsen und seine Kollegen bei der Arbeit keine Rolle. Auf dem Kanal herrscht Lotsenpflicht. Sobald ein großes Schiff von der Ostsee hereinkommt und durch den Kanal will, sind sie als ortskundige Berater des Kapitäns gefragt. Und das rund um die Uhr.

Für Matthias Schöpe kein Problem. Er ist 56, wohnt in Gettorf und arbeitet jetzt im 14. Jahr als Lotse. Dabei wollte er das nie werden. Geboren und aufgewachsen ist Matthias Schöpe in Goslar im Harz. „Mit 16 wusste ich, ich will Kapitän werden und zur See fahren“, erzählt er. Während eines sechswöchi-gen Schulpraktikums auf einem Küstenmotorschiff während der Sommerferien verfestigte sich sein Wunsch. Er bestand die Kapitänsprüfung in Leer, fuhr mit dem nautischen Patent erst als junger dritter Offizier, dann als zweiter Offizier und schließlich als Kapitän rund um die Welt. Bei ihm zu Hause hängt eine Weltkarte. Überall, wo er schon war, hat er eine Nadel hinein gepikst. Matthias Schöpe betont: „Das geht nur, wenn man so wie ich eine Familie hat, die ihr Leben monatelang alleine managt.“

Die Lotsen hat er immer bewundert. Sie tragen enorme Verantwortung, Frachter und Kreuzfahrtschiffe durch schwierige Seegebiete zu manövrieren. „Das war Fachkompetenz pur, wenn die an Bord kamen“, sagt er. Ein Piratenüberfall in Afrika, bei dem er angeschossen und viel Glück gehabt hat, bewog ihn dazu, die weltweite Seefahrt aufzugeben.

2003 bewarb er sich und wurde aufgenommen in die Lotsenbrüderschaft NOK II. Ein Zusammenschluss von Freiberuflern unter Aufsicht der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes, die den Nord-Ostsee-Kanal und die Ostseeküste be-fahren. Nach achtmonatiger Ausbildung fing Matthias Schöpe mit 44 Jahren an, als Lotse zu arbeiten. „Viel zu alt eigentlich, aber der Bedarf an Nautikern ist riesengroß. Mit 28 Berufsjahren steht man da ganz oben auf der Liste.“Das NOK-Revier war ihm anfangs völlig fremd. Vor allem der erste Abschnitt des Kanals, das alte kaiserliche Profil mit vielen Engen und Kurven hat es in sich. Die größte Herausforderung ist Nebel. „Bei Sichtweiten von unter 100 Metern fährt man nur nach Bildschirm“, erklärt er. „Der Job ist hochgradig anspruchsvoll. Wenn ich drei, vier Stunden Kanalpassage hinter mir habe, bin ich erst mal nicht ansprechbar.“ Aber auch extremer Wind etwa macht großen, hoch beladenen Containerschiffen mit großer Angriffsfläche zu schaffen. Beinaheunfälle habe es da schon gegeben.

Ein geregeltes Arbeitsleben hat Matthias Schöpe nicht. Die Lotsenbrüderschaft führt auf ihrer Internetseite eine Liste mit mehr als 150 Lotsen. Jeweils die ersten zehn müssen sich bereit halten. „Dann weiß ich, dass ich keinen Wein trinken darf“, sagt er und grinst. „Wir sollen ja für die Sicherheit des Seeverkehrs sorgen. Und das tun wir auch.“ Um Schiffen, die selten den Kanal passieren, maximale Sicherheit zu gewährleisten, kommt bisweilen zusätzlich ein Kanalsteuerer an Bord. Bordsprache ist Englisch. Mal ist es ein kleines Küstenmotorschiff, dann wieder ein großer Frachter oder eines der großen Kreuzfahrtschiffe von Aida, MSC oder Costa, das er fährt. Sogar die Dannebrog, die Yacht der dänischen Königsfamilie, hat er schon als Lotse geleitet. Matthias Schöpe: „Es ist die Abwechslung, die den Job so attraktiv macht.“

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erstellt am 25.Apr.2017 | 06:27 Uhr

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