zur Navigation springen

weihnachtsparty : Auf Fehlersuche bei Ingkes Abschied

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Letzter Auftritt von DJ Ingke Lehmann im „A Tavola“ . Publikum nimmt die gut einstündige technische Panne mit Humor

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Hätte sie Musik von „Blood, Sweat and Tears“ dabei gehabt, sie hätte sie gar nicht mehr auflegen müssen. Ingke Lehmanns allerallerletzte Weihnachtsparty überhaupt lief mit einer solchen Dramatik über die Bühne, dass der Schweiß nur so floss und einige Beteiligte Blut und Wasser schwitzten. Waren es erst nur die fantastische Partystimmung, das proppevolle „A Tavola“ und die bei Lehmann-Partys stets dicht gedrängte Tanzfläche, die die Poren öffneten, kam der Schock so zwischen elf und zwölf: Nichts ging mehr. Der Sound war weg. Unerhört. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sofort machen sich Gerd Brill, Ehemann der beliebten Partymacherin und ein paar Freunde an die Fehlersuche. Sie kontrollieren jedes Kabel, jeden Regler, alle Verbindungen, sie kontrollieren die Kabel ein zweites und ein drittes Mal. Nichts. Die vielen Gäste nehmen es mit Geduld und Humor, bestellen sich in Ruhe etwas zu trinken, schnacken, legen eine Pause ein. „Ja, das ist schade. Es sollte unbedingt weiter gehen, wir drücken die Daumen. Und warten. Wo gibt es sonst so etwas Tolles für unser Alter... 40 plus“, lachen Meike und Monika aus Eckernförde und zwinkern. Im Hintergrund hört man Nena singen, wie durch eine Wolldecke – ganz dumpf und ganz weit weg: „Irgendwie, irgendwo, irgendwann...“

Auch Heike Petersen, eine Freundin von Lehmann und Mitbegründerin des Partyerfolges (damals noch im Grünen Jäger), der den Eckernfördern seit 24 Jahren durchtanzte Nächte beschert, trägt die Katastrophe mit Fassung – äußerlich: „Die Stimmung war richtig gut, die Party in vollem Gange, als ich kam. Jetzt haben sie schon alles ausgetauscht, die Kabel, das Mischpult, die Boxen... Ob die Anlage Ingkes Entscheidung, keine Party mehr zu veranstalten, vorgegriffen hat?“ Fieberhaft, unermüdlich und ohne die Hoffnung aufzugeben, stöpseln, probieren und arbeiten die Männer weiter an der Technik. Aus den Interimsboxen des Tavola, das sich etwas geleert hat, in dem aber noch eine Menge treuer Fans darauf warten, dass es weitergeht, dringt Foreigners „Urgent“ (Dringend). Dann, um ein Uhr und drei Minuten, hält sich Gerd Brill die Ohren zu: aus den Boxen kommt Lärm! Schöner Lärm – auch umschrieben mit „Musik“. Die wartenden Menschen applaudieren begeistert. Auch hinter dem DJ-Pult wird ein Schalter umgelegt, die Anspannung wird abgestreift, Ingke Lehmann ist die Alte. Flippt hinter Mischpult und CD-Stapeln herum, klatscht im Takt, ist überglücklich, total erleichtert. Gerd Brill erläutert nach kurzer Verschnaufpause: „Ausgerechnet am letzten Abend...Wir haben oft alles hin -und her gestöpselt, 150 mal? Das ist nicht übertrieben. Aber das Publikum hat sich geduldig gezeigt.“

Sabine und Michael Kalfe aus Holzdorf haben ausgeharrt und lassen sich den Abend nicht verderben. „Das kann schon mal passieren. Einfach hier bleiben, warten, dass es weitergeht – hat ja dann auch geklappt. Ingke macht so gute Musik zum Tanzen, da muss man nicht gleich aufgeben!“ Und die kann nur noch einmal feststellen: „In 24 Jahren ist mir das noch nie passiert. Das war furchtbar...“ Der Abend ging weiter bis vier Uhr, die Leute hatten ihren Spaß, der Druck fiel ab, alles gut. Und ein Song, der nach der erfolgreichen Wiederbelebung lief, passte ja wohl besonders: John Handys „Hard Work“ .






Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen