Auf Einigung folgt Drohung

46-Jähriger vor Schöffengericht zu 750 Euro verurteilt

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26. Juni 2015, 10:13 Uhr

Es war eine Drohung, die dem Gettorfer Angst und Schrecken einjagte: „Du bekommst nochmal einen Gewehrlauf in den Arsch gesteckt, wenn du meine Tochter zu weiteren Zahlungen nötigst.“ Das zumindest soll der 46-Jährige Angeklagte zu ihm gesagt haben, kurz nachdem sich die beiden vor Gericht auf einen Vergleich geeinigt hatten. Ob dem tatsächlich so war, musste jetzt das Schöffengericht Eckernförde beurteilen.

Der besagte Tag liegt zwei Jahre zurück. Wegen ausstehender Mietforderungen gegenüber der Tochter des Angeklagten hatte der heute 72 Jahre alte Gettorfer das Gericht eingeschaltet. Die Mieterin ließ sich vor Gericht von ihrem Anwalt vertreten, gekommen war auch ihr Vater, der als Familienoberhaupt als Ansprechpartner fungierte. Beide Parteien einigten sich auf einen Vergleich: Die Mieterin sollte insgesamt noch rund 700 Euro zahlen.

Vor dem Gerichtsgebäude soll es dann zu der Äußerung gekommen sein, die der Angeklagte vehement abstritt. „Wir hatten uns geeinigt, alles war super. Warum hätte ich ihm drohen sollen?“, begründete der Mann. Zwar sei es zu einem Gespräch zwischen ihm und dem Anwalt des Vermieters gekommen, jedoch ging es darin um Kleingeld für den Parkscheinautomaten.

Das hatte der besagte Anwalt, der in diesem Fall als Zeuge aussagte, anders in Erinnerung. Den genauen Wortlaut konnte er nicht wiedergeben, jedoch seien die Worte „Gewehr in den Arsch“ und „Ich mach dich platt“ gefallen.

Auch der Vermieter bestätigte die Drohung. Er habe regelrecht unter Schock gestanden und deshalb erst am nächsten Tag Anzeige erstattet.

Für den Staatsanwalt stand fest, dass sich der Angeklagte strafbar gemacht hatte, jedoch ergaben sich Zweifel, ob der Zusatz „wenn du meine Tochter zu weiteren Zahlungen nötigst“ tatsächlich gefallen war oder im Laufe der Zeit als Schlussfolgerung in die Erinnerung des Vermieters eingebracht wurde. In diesem Falle würde keine räuberische Erpressung vorliegen, sondern nur eine Drohung.

Dass die Zeugen die Geschichte jedoch nicht erfunden hatten, ergebe sich aus der Interessenlage, meinte der Staatsanwalt: Der Angeklagte hat bis heute die Zahlung nicht beglichen. Für den Staatsanwalt stand fest, dass er es von Anfang an nicht konnte oder wollte. Der Anwalt des Vermieters hatte hingegen kein Interesse an einer Eskalation. Deshalb forderte der Staatsanwalt eine Verurteilung wegen Drohung und eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro.

Der Verteidiger pochte darauf, dass sein Mandant den Ausspruch nie gemacht habe und die Zeugen aus Unmut wegen ihrer negativen Erfahrungen mit ihm handelten.

Der Richter und die beiden Schöffen schlossen sich bei der Urteilsfindung den Ausführungen des Staatsanwaltes an: Weder der Anwalt noch der Vermieter hätten ein Interesse daran, „ein weiteres Fass aufzumachen“. Die Bemerkung habe sich so zugetragen. Strafverschärfend kam hinzu, dass sich der Vorfall direkt nach einer Verhandlung zugetragen habe, in der man sich auf einen Vergleich geeinigt hatte. Strafmildernd war hingegen, dass der Angeklagte bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war. Seine Strafe beträgt 50 Tagessätze zu je 15 Euro – die Hälfte des geforderten Satzes, da sein Einkommen in Höhe von 1000 Euro nicht für ihn allein, sondern auch für seine Frau reichen muss. Der 46-Jährige muss auch die Gerichtskosten tragen.

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