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Einwohnerversammlung : Auf der Suche nach Lösungen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rund 250 Gettorfer kamen zur Einwohnerversammlung . Es laufen Verhandlungen über die Nutzung des Gebäudes im Hainweg.

Gettorf | Werden es nicht zu viele Flüchtlinge? Wie kann das Amt die Aufgabe der Unterbringung personell und finanziell bewältigen? Wird die Integration gelingen? Gettorfs Einwohner sorgen sich, ob die Situation handhabbar bleibt. Aber Feindseligkeiten, wie mancherorts in Deutschland oder in Auslassungen in den sozialen Netzwerken, an denen sich auch Gettorfer beteiligen, waren auf der Einwohnerversammlung zum Thema Unterbringung von Flüchtlingen am Montag im Hotel Stadt Hamburg nicht zu spüren. Um die 250 Bürger waren gekommen, um sich zu informieren, ihre Bedenken kund zu tun und zu überlegen, wie man helfen kann.

Amtsdirektor Matthias Meins machte gleich zu Anfang unmissverständlich deutlich, dass kein Weg daran vorbei führt, die vom Kreis zugewiesenen Flüchtlinge aufzunehmen. „Wir haben sicher ganz unterschiedliche Meinungen, was die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und der EU angeht“, sagte er. „Aber es ist völlig ausgeschlossen, dass wir sagen, wir nehmen sie nicht auf. Wir müssen uns alle Gedanken machen, wie wir mit der Situation zurechtkommen.“

Nach den vom Amt vorgelegten Zahlen werden dem Amtsbereich in 2015 insgesamt 318 Menschen zugewiesen, wovon 176 bereits in Sammelunterkünften und Wohnungen in Gettorf, Lindau, Osdorf und Schinkel untergebracht sind. Die meisten kommen aus Syrien, Eritrea, Armenien, Iran und Albanien. Es sind 22 Familien darunter, Muslime und Christen. 187 müssen noch in diesem Jahr unterkommen. Für 2016 und danach gibt es noch keine Zahlen.

Um die Menschen unterzubringen, wird derzeit das Verwaltungsgebäude auf dem Bundeswehrgelände in Ruckforde in der Gemeinde Lindau für 45 Flüchtlinge und – nach Absprache mit der Schulleitung – die Containerklassen an der Isarnwohld-Schule durch einen Zaun abgetrennt und für maximal 110 Flüchtlinge hergerichtet. Schulverbandsvorsteher Hans-Ulrich Frank (CDU) versicherte, dass der Schulunterricht nicht beeinträchtigt werde. Alternativen wären eine Zeltstadt oder die Sporthallen, erklärte der Amtsdirektor.

Einwohner brachten einen Neubau und das leerstehende alte Altenheim am Hainweg ins Gespräch. Eigentümerin des Gebäudes ist die Brücke Rendsburg-Eckernförde, mit der Gettorf in einer Pflegedienstgesellschaft das neu gebaute Alten- und Pflegeheim betreibt. Hier sei man noch in Verhandlungen, erklärte dazu Bürgermeister Jürgen Baasch (SPD). „Hier muss tatsächlich etwas passieren, darum werde ich kämpfen.“ In der Tat habe es Gespräche gegeben, bestätigte Klaus Magesching vom Vorstand der Brücke Rendsburg-Eckernförde auf Nachfrage. Derzeit überplanen sie das Objekt jedoch für die eigene Nutzung, sagte er. Es sei vorgesehen, dort entweder unbegleitete minderjährige Flüchtlinge oder am Korsakow-Syndrom Erkrankte unterzubringen, also Menschen, die an einer durch Alkoholmissbrauch hervorgerufenen Demenz leiden. „Wir sind jedoch für Gespräche mit der Gemeinde Gettorf offen“, sagte er zu.

Amtsvorsteher Kurt Arndt (SPD) hob hervor, wie wichtig neben der Unterbringung die Integration der Menschen sei. „Die Politik gibt die Richtung vor, die Verwaltung muss handlungsfähig bleiben und das Ehrenamt muss funktionieren“, sagte er. „Diese drei Bausteine haben dazu geführt, dass das bisher so gut geklappt hat.“

Sönke Bahr, Leiter der Polizeistation Gettorf, konnte nichts Negatives vermelden. „Wir hatten nur wenige Einsätze im Zusammenhang mit Flüchtlingen, nichts Gravierendes“, sagte er. Er nannte Ruhestörung oder dass Radfahrern gewisse Verkehrsregeln nicht bekannt gewesen seien. Er hofft, dass es so ruhig bleibt. Christian Albrecht Schnarke, Sprecher des Flüchtlingsbeirats, in dem sich inzwischen etwa 60 Leute ehrenamtlich um die Flüchtlinge im Amtsbereich kümmern, sieht ein Problem in der Länge der Asylverfahren. Das Smartphone sei während der zermürbenden Wartezeit oft die einzige Verbindung in die Heimat. Unterschiede, aus welchem Land die Flüchtlinge kommen, machen sie nicht. „Wir hoffen, dass auch die, die abgeschoben werden, uns als Deutsche in guter Erinnerung behalten“, betonte er.

Nicht nur um die Herausforderung, die die dezentrale Lage der Unterkunft in Ruckforde mit sich bringt, zu meistern, werden mehr Menschen gebraucht, die sich aktiv einbringen möchten. Bei einer weiteren Einwohnerversammlung in Lindau am Dienstag, 10. November, wird der Flüchtlingsbeirat vor Ort um Unterstützung werben. Weiter lädt er am Mittwoch, 4. November, um 16 Uhr zum nächsten Willkommenscafé in die Flüchtlingsunterkunft am Karl-Kolbe-Patz ein. Schnarke weiß: „Wenn man ins Gespräch kommt, verlieren sich die Vorbehalte der anderen Kultur gegenüber.“ Man habe vieles klären können, schloss Bürgermeister Jürgen Baasch die Versammlung nach über zwei Stunden. „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn sich im Dorf etwas hochschaukelt.“

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