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Eckernförder Zeitung

20. Oktober 2017 | 11:10 Uhr

Auf der Schwelle zur Heiligen Nacht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wort zu Heiligabend von Heike Tamminga-Boyke, Pastorin am BBZ Rendsburg-Eckernförde

„Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradies. Der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis.“ (EKG 27)

Viele von uns werden heute Abend einstimmen in das schöne Weihnachtslied, werden den Ruf hören „Fürchtet euch nicht!“ und sich hineintragen lassen in die sehnsuchtsvolle Stimmung der Heiligen Nacht.

Nicht wenige Menschen allerdings schauen voller Sorge und Angst in die Zukunft. Manche werden gebeugt von persönlichen Kümmernissen, andere ängstigen sich angesichts der weltpolitischen Verdunkelungen der letzten Wochen – mögen sie von Westen, Osten oder gar aus unserer eigenen Mitte heraufziehen. Wenigen erscheint es gar so, als würden sich alsbald eher die Pforten der Hölle als die des Paradieses öffnen. Sie fürchten das Nahen einer von ökologischen, politischen und ökonomischen Katastrophen geprägten apokalyptischen Weltzeit. Sie fragen: Ist es nicht naiv, auf den winzigen Hoffnungsschimmer der Heiligen Nacht zu vertrauen, die doch eingebettet ist in die längsten und dunkelsten Nächte des Jahres?

Was geschieht? Was ereignet sich mit uns, in uns, um uns herum? Was kann geschehen?

Vielleicht werden Sie gerade heute Nacht erfasst von einer überraschenden Bewegung, fühlen: Gott geht durch meine Seele. Er wird einen Schleier wegziehen und wieder über etwas legen, etwas offenbaren und ein Geheimnis wahren.

Er lässt mich ein klitzekleines Stückchen Himmel schauen, ein winziges Menschlein als gefährdetes Hoffnungslicht in dunkler Zeit. Dessen Vollmacht ist noch verborgen, ein Geheimnis. Sie ruht tief unter der Oberfläche von Armut, Schmutz, Schwäche und Ohnmacht, unter Krippe und Kreuz – nur sichtbar dem, der Augen hat zu sehen; der geübt und gewillt ist, ins Dunkel (auch des eigenen Herzens) zu schauen und sich nicht fürchtet.

Wer es aber wagt, erhascht einen Blick auf den, der da liebt ohne Angst und ohne Maßen, jeden von uns bis tief ins Herz hinein. Also noch einmal, diesmal gefragt mit Botho Strauß: „Was geschieht zwischen der offenen Pforte zum Paradies und der offenen Pforte zur Hölle? Was geschieht schon zwischen zwei Türen? Es zieht!“ – Heute werden wir es spüren: Die frische Luft dieser einen Nacht vertreibt die Schwaden des Dunkels. Gleich, ob wir weihnachtlich gestimmt sind, traurig oder besorgt, ob wir vorbereitet sind, ob wir es wollen oder nicht – Weihnachten geschieht!

Ein gesegnetes Fest wünscht Ihnen






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