familientreffen : Auf den Spuren von Stammvater Koop

Über 60 Verwandte aus ganz Deutschland nahmen am Familientreffen in Sieseby teil.
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Über 60 Verwandte aus ganz Deutschland nahmen am Familientreffen in Sieseby teil.

In Sieseby war die Wirkungsstätte des Lehrers, Organisten und Küsters Claus Koop Ende des 19. Jahrhunderts. Jetzt trafen sich rund 60 Nachkommen seiner Sippe zum ersten Mal in dem Dorf an der Schlei.

shz.de von
06. Mai 2015, 07:32 Uhr

Eigentlich leben rund 100 Einwohner in Sieseby – vor wenigen Tagen schnellte die Zahl um 60 für wenige Stunden nach oben. Wer am Wochenende im Dorf seinen Spaziergang machte, traf auf eine große Ansammlung fremder Menschen, die sich die Kirche und den Ort anschauten. Nicht ohne Grund – sie sind die Bunges, die Tilles, die Wielands und die Köthes, die Familien Kolls, Scholz und Peters, die Heines, Schröders, Wieses und Reichels und viele mehr. Familien, die sich teilweise untereinander kennen und Menschen, die sich bis vor kurzem gänzlich fremd waren. Aber eines eint sie alle und war der Grund für ein erstes großes Familientreffen: ihr Stammvater Claus Koop. Der gebürtige Dithmarscher war 20 Jahre Lehrer, Organist und Küster in Sieseby, wo er mit seiner Frau Katharina sechs Kinder groß zog. Und weil er der Grundstock dieser großen Familie ist, versammelten sich seine Nachkommen in Sieseby an der Schlei, um an ihn zu denken, in gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen oder einen Anfang für ganz neue Familiengeschichten zu legen.

In der feierlichen Andacht, die Vikar Sven Rehbein in der ehrwürdigen Kirche hielt, war viel über Stammvater Claus Koop zu erfahren, der 1845 geboren wurde. In seiner Eigenschaft als Lehrer, Organist, Küster und Publizist hinterließ er seine Spuren in dem Dorf an der Schlei. Auf diesen wandelten jetzt seine Nachfahren, die aus Aachen, Dresden oder Frankfurt angereist waren, um beim ersten Familientreffen, das von Peter und Silke Koop aus Wrist organisiert wurde, dabei zu sein. Einzig Koops Urenkelin Gretel Heine, geborene Kolls, hatte einen kurzen Weg – die 74-Jährige wurde zwar 1942 in Sieseby geboren, lebt aber heute in Eckernförde. Peter und Silke Koop hatten ein umfangreiches Programm organisiert: Nach einer Andacht ging es auf einem Spaziergang durch den Heimatort ihres Ahnen und anschließend auf eine Schifffahrt auf der Schlei. Ein gemeinsames Abendessen in Damp und ein Frühstück am nächsten Tag bildeten den Abschluss.

Viel Arbeit steckte in der Vorbereitung, erzählte Peter Koop, der dafür fest auf seine Frau Silke bauen konnte. Bereits im Juni 2014 habe man damit begonnen. „Ohne meine Frau hätte ich das nicht geschafft“, sagte er am Rande des Treffens. Denn es sei auch in der großen Nachfahrenfamilie von Claus Koop so wie überall: Jemand müsse das Ruder in die Hand nehmen und die Dinge organisieren. Bei der Planung sei es nicht nur um Terminfindung und Programmgestaltung gegangen. Alle Details hätten sorgfältig vorbereitet werden müssen.

So erhielt jeder der über sechzig Teilnehmer im Alter von eineinhalb bis 89 Jahren ein Namensschild, das mit der Farbe des jeweiligen Familienzweigs unterlegt war. „Es ist ziemlich beeindruckend, wie groß meine Familie ist“, staunte der zehnjährige Felix Wieland aus Hamburg, der zwar viele, aber lange nicht alle Gesichter aus seiner Familie zuordnen konnte. Er fand das Familientreffen an der Schlei aber ausgesprochen „cool“. Silke Koop hingegen war richtig gerührt. „Die vielen Menschen, groß und klein hier so fröhlich zusammengeführt zu haben, das macht richtig warm ums Herz“, schwärmte sie. Die Andacht in der Kirche war denn auch Bühne für die Nachkommen des Siesebyer Lehrers und Musikers, die sein kreatives Talent geerbt hatten. Da wurden Gedichte seiner Tochter rezitiert, Koop'sche Verse zum besten gegeben und wunderbar gesungen, so dass der Stammvater selbst seine Freude gehabt hätte.

Gleichzeitig waren die Beiträge der Familienmitglieder aber auch Ausdruck der Freude über dieses Treffen an der Schlei, das nicht das letzte seiner Art gewesen sein muss. „Wir werden sehen, ob es eine Tradition werden kann“, so Peter Koop, dess en eigener Sohn, der in der Mongolei wohnt, nicht dabei sein konnte.

Koops Dank ging an die Kirchengemeinde, die die Andacht in der Kirche ermöglicht hatte und alle, die gekommen waren. Und wohlgefühlt haben sich offensichtlich alle in Sieseby an der Schlei, wo schon ihr Stammvater so gerne lebte und wirkte.

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