Auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten

Frauke Börnsen am Gudewerdt-Epitaph in St. Nicolai.
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Frauke Börnsen am Gudewerdt-Epitaph in St. Nicolai.

Porträts an markanten Gebäuden, in Kirchen und auf Friedhöfen erinnern an Leben und Werk berühmter Menschen

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30. Juni 2014, 11:42 Uhr

Eckernförde ist keine Stadt der Denkmäler – als Statue sind nur Kaiser Wilhelm I. vor der Willers-Jessen-Schule (schon vor Jahrzehnten verschwunden) und Markgraf von Brandenburg, der „Große Kurfürst“, in den Parkanlagen am Vogelsang zu nennen. In den letzten Jahren ehrte Eckernförde weitere bekannte Persönlichkeiten, die mit der Stadt verbunden sind: den Staatsrechtler Lorenz von Stein und den Reeder Friedrich Wilh. Otte (1715 – 1766) jeweils mit einem von Michael Mohns entworfenen Bronzebild, den Dichter Wilhelm Lehmann mit einem von Manfred Siehle-Wissel geschaffenen Porträtkopf auf dem Rathausmarkt. Alle weiteren Bildnisse sind nur mit besonderer Aufmerksamkeit zu entdecken und zu deuten.

Die Porträts von gleich zwei weltberühmten Männern hat 1907 der Bauschularchitekt Wilhelm Kruckau hoch an einem Giebel des Schwensenhauses verewigen lassen. Jakob Christian Schwensen, Begründer von Eckernfördes erstem Druck- und Verlagshaus, wollte damit die Größten aus seinem Fach ehren. Links wird Johannes Gutenberg (um 1400 – 1468) gezeigt, der Erfinder der beweglichen Lettern, der Druckerpresse und Druckerfarbe. Das plastische Porträtmedaillon rechts nennt Ottmar Mergenthaler, der nach seiner Auswanderung nach Amerika 1884-1886 die erste gut arbeitende Setzmaschine erfand. Hatte ein tüchtiger Setzer bei Luther pro Stunde etwa 1400 Lettern zusammenfügen können, schaffte die Setzmaschine nun 6000 Zeichen.

Ebenfalls zwei sich nahe stehende Persönlichkeiten hat Holzschnitzmeister Cyriakus Dirken in der Lehne des Rantzau-Gestühls in der Kirche St. Nikolai verewigt. Wir erkennen, allerdings nur bei guten Lichtverhältnissen, ein plastisches Brustbild von Martin Luther, dem weltberühmten Reformator und Übersetzer der Bibel. Seine Gesichtszüge sind klar erkennbar (wobei die Nase leicht beschädigt ist). Neben ihm ist eine zweite Figur in das Gestühl eingeschnitzt: Philipp Melanchthon, wie Luther Reformator und vielfach „Praeceptor Germaniae“, also Lehrer der Deutschen genannt. Die beiden Plastiken bedeuten eine (fast versteckte) Würdigung der größten Gestalten der Evangelischen Kirche.

In St. Nicolai, im Epitaph von Gudewerdt II an der Ostwand, ist auch das einzige auffällige Porträt einer Frau zu entdecken. Gesetzt neben das Bild ihres schon verstorbenen Mannes, Kaufmann Thomas Börnsen, lässt sich seine Ehefrau Frauke von einem noch unbekannten Künstler malen. Karl Fr. Schinkel nennt sie in seinem Eckernförde-Buch eine „reiche und eitle Witwe“, die dem Adel beweisen wollte, dass auch eine Bürgerliche ein bedeutendes Kunstwerk stiften könne.

Große Friedhöfe wie in Hamburg (Ohlsdorfer Friedhof) oder Wien (Zentral-Friedhof) enthalten nicht selten Grabsteine mit Porträtbildern. In Eckernförde gibt es nur ein derartiges Denkmal im ehem. Soldatenfriedhof am Exer: Es erinnert an den Tod von Turnern in den Kriegsjahren 1864 und 1914 – 1918; für die Opfer des Zweiten Weltkrieges wurde nach 1945 ein Stein hinzu gesetzt. Ins Zentrum ist eine Bronzeplastik gesetzt, die Turnvater Jahn abbildet. Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) war Pädagoge und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Er gilt als Gründer der deutschen Turnbewegung, gedacht damals als Vorbereitung der Jugend auf den Kampf gegen Napoleon. Noch heute turnen wir an Reck oder Barren, beides von Jahn erfunden.

Es gibt weitere große Persönlichkeiten, die einen Bezug zu Eckernförde haben und ein derartiges Denkmal verdienten. Die Liste reicht von Dichter Detlev von Liliencron, Maler Max Streckenbach oder Fotografin Dora Baasch bis hin zu Gustav Gründgens, der im ehemaligen Gasthof „Stadt Hamburg“ seine große Karriere als Schauspieler und Regisseur begann.







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