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Frau auf hoher See : Auf den Meeren der Welt zu Hause

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Svenja Lazinka aus Gettorf trägt als 2. Nautischer Offizier der Aida-Kreuzfahrtflotte große Verantwortung

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2014 | 18:04 Uhr

Zur See zu fahren, das ist etwas für gestandene Männer. Eine Offizierslaufbahn einzuschlagen und Verantwortung für ein großes Schiff zu übernehmen sowieso. Pustekuchen! Solche Vorurteile haben heute keine Berechtigung mehr, auch wenn ein 2. Nautischer Offizier in Gestalt einer jungen, zierlichen Frau – rein statistisch gesehen – vielleicht nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel ist. Für Svenja Lazinka (28) aus Gettorf ist das alles kein Problem. „Ich komme vom Meer. Dieser Berufswunsch war für mich immer präsent“, sagt sie selbstbewusst.

In diesen Tagen und Wochen ist sie mit der Aidabella im Nordatlantik unterwegs, um dazu beizutragen, mehr als 2000 Passagiere und gut 600 weitere Crew-Mitglieder in einer fast dreiwöchigen Kreuzfahrt von Warnemünde kommend sicher über Island, Grönland und Neufundland in den New Yorker Hafen zu geleiten. Anschließend stehen weitere Ziele auf dem Nordamerikanischen Kontinent auf dem Programm.

Nach dem Abitur in Kronshagen und der Ausbildung zur Schiffskauffrau bei Sartori & Berger in Kiel nahm Svenja Lazinka zunächst eine Stelle als Nautischer Offiziersassistent an und fuhr Einsätze auf einem Containerschiff in Nord- und Ostsee, auch im Persischen Golf und im Indischen Ozean – als einziges weibliches Besatzungsmitglied unter 20 Männern. Beim zweijährigen Studium an der Ingenieurschule für Seefahrt in Warnemünde erwarb sie das Nautische Befähigungszeugnis, um anschließend den Weg zu neuen beruflichen Ufern zu wagen. Gleich in den ersten Dienstwochen an Bord der Aida wurde sie sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen – Hurrican „Sandy“ war schuld. „Das war wirklich ein außergewöhnlicher Beginn. Wir mussten das Schiff von New York nach Miami umrouten“, erinnert sich Svenja Lazinka an turbulente Tage im Spätsommer 2012.

Dieses Jahr im Januar wurde die geborene Flemhuderin zum 2. Nautischen Offizier befördert – an Bord eines Kreuzfahrtschiffes fühlt sie sich nach wie vor ausgesprochen wohl. Morgens von acht bis zwölf, abends von acht bis zwölf, sieben Tage in der Woche – das sind ihre regulären Dienstzeiten. „Im Team auf der Brücke hat jede Wache ihre eigenen Aufgaben. Hier muss aber auch im Notfall alles funktionieren“, erzählt sie. Gerade die Transamerika-Route mit der Wetterauffälligkeit des Nordatlantiks im Herbst sei etwas Spezielles und verlange besondere Aufmerksamkeit.

Wie es mit der Akzeptanz eines weiblichen Offiziers innerhalb des männlichen Führungsriege steht? „Im Team entscheiden die Kompetenz und der Einsatz, nicht das Geschlecht“, betont Svenja Lazinka. „Für einen Bürojob wäre ich nicht geeignet. Die Arbeit mit unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Bereichen ist das, was ich mir immer gewünscht habe“, sagt die Gettorferin, um hinzuzufügen: „Ich wollte immer die Welt sehen. Und nachdem sie gesehen habe, weiß ich auch, wie schön es zuhause ist.“ In ein paar Wochen geht’s wieder auf Heimaturlaub. Dann freut sie sich darauf, dass ihr Freund, der auch zur See fährt, für sie kocht, dass sie Eltern und Bekannte treffen und zwischendurch mit dem Fahrrad an den Strand fahren kann. Und darauf, Zeit zu haben, um zum Beispiel endlich abends lange wach sein und morgens mal wieder so richtig ausschlafen zu können.

 






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