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Bürgeranhörung Lärmaktionsplan : Auf dem Weg zu einer leiseren Stadt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Stadtverwaltung informierte Donnerstagnachmittag über die laufende Lärmaktionsplanung. Die Bürger haben die Möglichkeit, sich daran zu beteiligen und Stellungnahmen abzugeben. Die Abgabefrist läuft bis Anfang Januar 2014.

von
erstellt am 13.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Die lauten Straßen sind besonders im Fokus. Dort, wo schwere Lkw und Pkw die Menschen kaum zur Ruhe kommen lassen, auch nachts nicht. Sie sollen in der 2. Stufe der EU-weit verordneten Lärmaktions- und Lärmminderungsplanung alle fünf Jahre erfasst und daraus Maßnahmenkataloge zur Lärmreduzierung abgeleitet werden. Um herauszufinden, wo die Belastungen besonders stark sind und der Hebel anzusetzen ist, kommen verschiedene Instrumente zum Einsatz. Es wird gezählt und berechnet, Lärmkarten gezeichnet und Vorschläge gemacht, mit welchen rechtlich möglichen Maßnahmen den Emissionen beikommen kann. Gestern fand im Rathaus von 16 bis 19 Uhr eine Bürgeranhörung zu diesem Thema statt, die jedoch kaum auf Resonanz stieß. Neben den Lärmexperten und Verwaltungsmitarbeitern waren nur sehr wenige Bürger anwesend. Sie allerdings brachten sich intensiv ins Geschehen ein. Bauamtsleiter Roy Köppen wies allerdings darauf hin, dass aus dieser Lärmaktionsplanung kein individuelles Recht auf Umsetzung lärmmindernder Maßnahmen abgeleitet werden könne.

Olga Kuhl vom Ingenieurbüro „Lairm Consult“ in Hammoor bei Bargteheide gab eingangs einen Überblick über die Grundlagen und Ziele der Lärmaktionsplanung, um anschließend zu konkreten Maßnahmen zur Lärmminderung zu kommen. In Eckernförde hat sie zwölf sogenannte Konfliktbereiche benannt, in denen die Lärmbelastung durch den Straßenverkehr hoch (Nachtpegel über 50 db(A)) bis sehr hoch (über 60 db(A)) eingestuft wird. Dabei handelt es sich um Teilabschnitte der Rendsburger Straße, Berliner Straße, Reeperbahn, Vogelsang, Gaehtjestraße, Grasholz und Riesebyer Straße. Die Aufnahme in diese Kategorie setzt eine entsprechend dichte Bebauung unweit der Straße voraus. Neben übergreifenden lärmmindernden Maßnahmen wie „Förderung des lärmarmen“ Verkehrs (z. B. E-Autos), Stärkung des ÖPNV, die Förderung eines „betrieblichen Mobilitätsmanagements“ (z. B. Dienstfahrräder) oder der Verstetigung des Verkehrsflusses gibt es auch allerhand Konkretes: Prüfung der Zulassung lärmmindernder Straßenoberflächen, Tempo 30 in der Gaehtjestraße, im unteren Teil des Mühlenbergs und des westlichen Abschnitts des Vogelsangs (jeweils nachts) sowie ganztags in der Reeperbahn. Bei Bundesstraßen, so Kuhl, griffen die Maßnahmen nicht, Tempo 30 sei dort nicht ohne Weiteres zu verordnen. „Da sind uns die Hände gebunden“. Ohnehin seien Geschwindigkeitsreduzierungen „nicht das Maß aller Dinge“. Im Falle der Berliner Straße (B 76) sei aber als städtische Maßnahme geplant, das Kopfsteinpflaster durch Asphalt zu ersetzen, um die Geräuschbelastung für die Anwohner zu reduzieren.

Es folgte eine intensive Diskussion mit den Bürgern. Anlieger aus der Weidenstraße appellierten an die Stadt, gemeinsam etwas gegen den Straßenlärm in der direkt angrenzenden Rendsburger Straße zu tun. Anwohner der Rendsburger Straße berichteten von halsbrecherischer Raserei rund um den Lornsenplatz („Das glauben Sie nicht, das ist der Hammer“). Abhilfe könnten Geschwindigkeitskontrollen mit festen Blitzsäulen schaffen, die nicht immer „scharf geschaltet“ sein müssten, um die Autofahrer zu disziplinieren. „Dann wäre das Problem zum größten Teil gelöst.“ Ein Mann aus seinem Wohnhaus sei dort überfahren und tödlich verletzt worden. Ein Sandkruganwohner beklagte die permanente Überbelastung des Domstags. Sobald die B 76 Ende 2014 fertig vierspurig ausgebaut sei, würde der Verkehr dort aber abnehmen, weil der Windebyer Weg, Wulfsteert und Domstag derzeit auch wegen der Bauarbeiten als Umleitungsstrecke genutzt würden, sagte Bauamtsleiter Köppen. Bärbel Dreyer, die seit langem gegen die Verkehrsflut und Belastung in der Berliner Straße kämpft, wies darauf hin, dass in der Rendsburger Straße ein „Gefährdungstatbestand“ gegeben sei, der die Anordnung von Tempo 30 und eines Nachtfahrverbots für Lkw rechtfertige. Auch der landwirtschaftliche Verkehr „ist irre, aber da will auch niemand ran. Das Maß ist voll“.

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