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Eckernförder Zeitung

22. November 2017 | 04:51 Uhr

Auf dem letzten Weg nicht alleine sein

vom

Der erste Ausbildungskurs für Hospizbegleiter beendet / Beim Treffen im Dörphus tauschten sich die Ehrenamtler über ihre Erfahrungen aus

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

gettorf | Sie möchten Menschen in ihren letzten Wochen, Tagen und Stunden vor ihrem Tod Beistand leisten. Um auf diese Aufgabe möglichst gut vorbereitet zu sein, absolvieren 13 Teilnehmer aus dem Dänischen Wohld, Eckernförde und Angeln seit Anfang April den ersten Vorbereitungskurs zum Sterbebegleiter für den im November 2012 gegründete Hospizverein Dänischer Wohld.

Vier Monate Vorbereitung und drei Monate Praktikum mit wöchentlichem Besuchsdienst eines alten Menschen im Pflegeheim oder zu Hause liegen nun hinter den Teilnehmern. Am Sonnabend trafen sie sich im Dörpshus in Revensdorf, um von ihren Erfahrungen im Praktikum zu berichten und sich auszutauschen.

Sie sitzen auf Stühlen im Kreis. Es wird viel gelacht. Dann erzählen sie einer nach dem Anderen von der Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben und Tod, von Gerüchen, vom Zuhören und der Schwierigkeit, den zu begleitenden Menschen so sein zu lassen, wie er ist. Von Situationen, die es galt auszuhalten und der bewusst gestellten Aufgabe, den zu begleitenden Menschen am Ende des Praktikums los zu lassen.

"Wir arbeiten nach dem Celler Modell, das sich auf zwei Schwerpunkte konzentriert", erläutert Kursleiterin Dorothea Paulsen. "Auf die konkrete Sterbebegleitung und die Verankerung in der eigenen Person einerseits und die vertiefte Auseinandersetzung mit den Fragen und Themen des Lebens und des Sterbens andererseits." In Rollenspielen und Gruppenarbeit haben sie sich zuvor mit Inhalten wie wahrnehmen, mitgehen, loslassen, zuhören, bleiben, weitergehen, anhalten und verstehen beschäftigt. Den Vorbereitungskurs empfinden sie alle als Bereicherung. "Es war noch besser, als ich dachte", meint etwa Andrea Hunklinger (42) aus Altenholz. "Ich weiß jetzt, dass ich mir das auch wirklich zutraue." Sie hat gelernt, dass das Zuhören im Vordergrund steht. "Ich finde Sterbebegleitung ist eine sehr sinnvolle Tätigkeit, ein sehr sinnvolles Ehrenamt."

So empfindet es auch Hansi Bärz (56) aus Gettorf, einer der beiden Männer im Kurs. "Ich habe gelernt, dass ein Sterbender alles darf und nichts mehr muss", sagt er. Da könne man viel von ableiten. "Es ist für beide Parteien ein Gewinn, für den zu Betreuenden und für einen selbst." Der Gedanke, Sterbende zu begleiten, kommt bei ihm aus dem Familienumfeld, aus der Nachbarschaft und durch Freunde, die er unbewusst begleitet hat. Kursleiterin Dorothea Paulsen ist sehr zufrieden mit dem ersten Kurs. Keiner ist ausgeschieden. "Wir sind alle zusammen gewachsen", sagt sie. "Das ist wirklich etwas Besonderes." Sie werden sich auch weiter regelmäßig zu Gruppenabenden und Supervision treffen.

Zum 1. September werden die Auszubildenden fertig sein. Dann geht es in die Praxis. Über Ärzte, Pflegedienste oder die Internetseite des Vereins können die ausgebildeten Hospizbegleiter angefordert werden. Kosten entstehen den Betroffe durch diesen Dienst nicht.

Die nächsten Kurse sind bereits belegt. Der Hospizverein Dänischer Wohld, der sich als regionale Bürgerinitiative versteht und sich dafür einsetzt, dass jeder Mensch unter würdigen Bedingungen sterben darf, finanziert sich ausschließlich über Spenden. Wer Interesse an einer Sterbebegleitung oder Fragen dazu hat, darf sich unter Tel. 0171/389 7744 oder per E-Mail unter hospiz.im.wohld@gmail.com gern an den Verein wenden. Wer den Verein unterstützen möchte, spendet auf das Spendenkonto des Hospizverein Dänischer Wohld, Konto:130 422 40, BLZ 210 920 23 bei der Eckernförder Bank oder tritt dem Verein bei. Der Mindestbeitrag beträgt 30 Euro im Jahr. www.hospizverein-im-wohld.org

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