Weltumrundung : Auf 10,60 Metern um die Welt

Sönke Roever berichtete unterhaltsam von seiner Weltumsegelung.
Sönke Roever berichtete unterhaltsam von seiner Weltumsegelung.

35 000 Seemeilen in 1200 Tagen: Weltumsegler Sönke Roever berichtet im Autohaus Kuntz von seinen Erlebnissen

shz.de von
15. September 2017, 06:15 Uhr

Gettorf | Wer eine Reise unternimmt, der kann viel berichten und zeigen. Unterhielten in der Vergangenheit Segelgrößen wie Boris Herrmann oder Tim Kröger das Publikum mit Einzelheiten aus ihrem Erfahrungsschatz, ließ kürzlich Sönke Roever die Besucher im Autohaus Kuntz an seiner dreijährigen Weltumseglung teilhaben.

Zum inzwischen 7. Mal erfreut sich die Veranstaltung „Landrover Live – Segeln“, eine Vortragsreihe im Autohaus Kuntz Gettorf, steigender Beliebtheit. Roever zeigte seine Bildershow „1200 Tage Samstag“. „Dass es richtig losging, merkten wir, als wir die Kugelbake von Cuxhaven passierten und der Horizont sich öffnete“, berichtete Roever, der sich zuvor mit Ehefrau Judith ein Jahr lang auf die Reise vorbereitet und ein passendes Schiff in rund 1000 Arbeitsstunden ausgebaut hatte. Entstanden aus einer Rotweinlaune heraus, war das Vorhaben für Roever selbst nur ein weiterer Schritt zur Erfüllung seines Lebenstraums und für seine im Süden Deutschlands beheimatete Frau ein Vorhaben, auf das sie anhand von Reiseberichten anderer Weltumsegler neugierig wurde.

„Eigentlich war nur von Hamburg bis nach Neuseeland geplant“, berichtete Roever den rund 250 Zuhörern mit eindrucksvollen Bildern und kurzen Videosequenzen. Dass es dann doch eine Weltumsegelung wurde, war eine rein wirtschaftliche Entscheidung, denn der Verkauf ihres Schiffes am anderen Ende der Welt hätte kurs- und steuerbedingt einen Verlust eingebracht. Von dem Wert dieses potenziellen Verlusts konnten die beiden noch eineinhalb Jahre weitersegeln und leben.

Sehr anschaulich berichtete Roever vom Umgang mit Behörden, Freundschaften mit anderen Seglern und der Gastfreundschaft Einheimischer auf den entlegensten Inseln der Welt. Beeindruckende Bilder des türkisen Wassers der Cocos Inseln, dessen Widerschein im Sonnenlicht sogar Wolken grün erscheinen lässt, erweckte Fernweh unter den Zuhörern. Meterhohe Wellen auf dem Atlantik, 18 Tage lang mit ein und derselben Schräglage ohne Segelveränderung über den Ozean, Großeinkauf in Panama City, der einen 4,1 Meter langen Kassenzettel hervorbrachte – es sind die vielen Details, mit denen Roever seine Zuhörer fesselt. Als Einhandsegler in Wohngemeinschaft bezeichnet er das Leben auf hoher See, das vom Tag- und Nacht-Rhythmus um 6 oder 18 Uhr bestimmt wird, denn während der eine schläft, ist der andere wach, Gemeinsamkeit gab es lediglich am Nachmittag. Und dann war da noch die Kenterung vor Südafrika: „Eine brechende Grundsee, die plötzlich da war, hat uns beim Einlaufen in die Lagune von Knysna einfach überrollt“, berichtete Roever. 600 Liter Wasser im Schiff, Ausfall der Bordelektronik und kleinere Schäden verursachten einen fünfstelligen Versicherungsbetrag.

Über St. Helena ging die Reise in Richtung Hamburg weiter, wo sie nach sechs angelaufenen Kontinenten und 30 besuchten Ländern nach genau 1200 Tagen am 28. August 2010 ankamen. Nach drei Jahren und zurückgelegten 35  000 Seemeilen auf ihrer 10,60 Meter langen „Hippopotamus“ wurden sie von rund 1000 Menschen in Hamburg begrüßt.

Für die Bewirtung und Durchführung der Vortragsreihe, der noch das Thema „Tauchen“ und „Jagen“ folgt, erbat Geschäftsführer Philipp Kuntz eine Spende, die dem örtlichen Hospizverein für dessen Neubau zugedacht ist. „Die Gesamtsumme soll am Ende auf einen runden Betrag erhöht werden“, so Kuntz.


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