Auch Möwen mögen Meisenknödel

180507möwe

shz.de von
07. Juni 2018, 06:39 Uhr

Bereits während der sonnigen Tage im „goldenen Oktober“ machte ich mir Gedanken darüber, wie ich unsere große Anzahl von Vögeln im bevorstehenden Winter bei eisigen Temperaturen und hohem Schnee mit Futter unterstützen könnte. Ich lebe in einer kleinen Wohnung im zweiten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses. Dazu gehört zu meinem großen Glück ein niedlicher, kleiner Balkon. Um ein stabiles Futterhäuschen aufstellen zu können, ist er zu klein.

So hatte ich mich frühzeitig dazu entschlossen eine stabile Metallhalterung an meiner gitterförmigen Balkonumrandung zu befestigen. Diese behängte ich aus einem reichlichen Angebot mit Vogelfutter verschiedener Art. All die vielen kleinen bunten Vögelchen, die mich in den Frühlings- und Sommermonaten mit ihrem zarten oder kräftigen Gesang und Gezwitscher erfreut hatten, waren herzlich eingeladen, der Tisch war gedeckt. Sie kamen auch, nicht gerade in Scharen, aber hin und wieder konnte ich ein zartes Tierchen beobachten, das sich Futter holte.

Eines Tages jedoch erschrak ich zunächst gewaltig: Eine ausgewachsene Möwe dachte sich wohl, jeden Tag Fisch, Muscheln, Sand oder Salzwasser wird langweilig. Ich möchte mal etwas Abwechslung in meinen Nahrungsplan bringen, und so flog sie meinen Balkon an. Wie selbstverständlich bewegte sie sich schwankend auf dem gewölbten Rand meines leeren Blumenkastens und hangelte sich an das in grüne Netze verpackte Vogelfutter heran.

Ich war erstaunt und musste schmunzeln darüber, wie geduldig dieses große und schwere Tier mit seinen rot-orangen Platschfüßen ausdauernd und elegant auf dem schmalen Rand des Blumenkastens balancierte. Die Möwe ließ sich viel Zeit für ihre ganz spezielle Mahlzeit. Mich hat dieser Anblick begeistert und berührt, es sah alles so selbstverständlich bei diesem wunderschönen, schneeweißen Tier aus.

Ja, so sind sie halt, unsere liebenswerten und zutraulichen Ureinwohner. Man muss sie einfach mögen, die Möwen, auch wenn hin und wieder mal ein großer Klecks zielgerade auf unserer Kleidung, einem Auto oder einer Fensterscheibe landet.

Ein großer Zufall war es, dass ich gerade einen Tag vorher meinen seit Jahren nicht benutzten Fotoapparat aktiviert hatte. So konnte ich, wenn auch durch zwei Balkontürbehänge hindurch, einige interessante Aufnahmen machen. Man muss aber schon ganz genau hinschauen, um das Geschehen zu erkennen.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen