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Tag des Friedhofs : Auch Friedhöfe können sterben

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Kirchengemeinde Osdorf-Felm-Lindhöft bietet mit ihrem Himmelsgarten eine Alternative zum Friedwald an. Kirchengemeinde veranstaltete am Sonntag ein fiktives „Heute-Spezial“ zum Thema Bestattungen.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2017 | 05:35 Uhr

Osdorf | „Auch Friedhöfe können sterben“, das war das Thema eines Theater-Gottesdienstes jüngst in der Vater-Unser-Kirche Osdorf. Die Kirchengemeinde Osdorf-Felm-Lindhöft beteiligte sich in diesem Jahr erstmals am Tag des Friedhofs, der im Jahr 2001 vom Bund Deutscher Friedhofsgärtner ins Leben gerufen wurde. In einem von Nele Heik moderierten fiktiven „Heute Spezial“ aus der Vater-Unser-Kirche Osdorf trat zuerst Oma Stuhr auf, die sich Gedanken um ihre Bestattung machte und um ein Gespräch mit dem Pastor bat. Nein, sie wolle eigentlich nicht zu ihrem Mann Herbert ins Wasser, der vor acht Jahren mit einer Seebestattung seine letzte Ruhe gefunden hatte. Die Kinder waren offensichtlich davon ausgegangen, dass sie genau das wollte. Die Botschaft war klar: Unbedingt rechtzeitig mit den Angehörigen sprechen, was man im Todesfall selber möchte. In einer Expertenrunde des ZDF-Spezial traten dann die Trauerforscherin Frau von Stuppenheim, der Bestatter Schmiedestadt und Pastor Heik auf. Sie erörterten den Wandel der Bestattungskultur mit den Folgen für Angehörige und die Auswirkungen für die Friedhöfe. Der Trend gehe zu Urnenbestattungen und zu möglichst wenig Pflegeaufwand.

Die Gründe seien vielfältig. Eine Urnenbestattung sei preisgünstiger. Bestattungen seien allerdings auch in früheren Zeiten eine teure Angelegenheit gewesen, so die Trauerforscherin. Eine Bestattung habe damals, je nach Verdiensthöhe der Angehörigen, ein bis drei Monatslöhne gekostet. Für Karl den Großen war die Feuerbestattung noch ein klar heidnischer Brauch. Die Wende kam mit Martin Luther. Für ihn war die Art der Bestattung theologisch nicht relevant. Das heißt, die Art der Bestattung hatte von nun an nichts mehr damit zu tun, ob jemand in den Himmel kommt oder nicht. Dennoch war die Erdbestattung noch Jahrhunderte nach Luther der Normalfall. Urnenbestattungen gibt es in Deutschland gerade einmal seit 140 Jahren, wie Trauerforscherin von Stuppenheim berichtete. In der katholischen Kirche war die Urnenbestattung sehr lange verboten. Dieses Verbot ist inzwischen aufgehoben, dennoch wird weiterhin die Erdbestattung empfohlen. „Der Trend heute geht zur Bestattung in der Natur“, so die Trauerforscherin. Bestattungen in den Friedwäldern machten jedoch trotzdem bisher nur drei Prozent aus. Urnenbestattungen und naturnahe Bestattungsformen können Friedhöfe in wirtschaftliche Bedrängnis bringen. Ein Teufelskreis: weniger Beerdigungen, steigende Gebühren, noch weniger Beerdigungen. Und das ohne die Aufhebung des Friedhofzwanges wie in Bremen. Die Kirchengemeinde Osdorf bietet seit fünf Jahren eine Alternative zum Begräbniswald: den Himmelsgarten. Hier sind sowohl Urnen- als auch Erdbestattungen in einem schön gestalteten Garten möglich. 20 Jahre beträgt die Liegezeit bei Feuerbestattungen, 30 Jahre bei einer konventionellen Erdbestattung. Eine Verlängerung ist möglich. Der Himmelsgarten ist eine pflegearme Alternative zum traditionellen Grab. Dennoch gibt es hier keine Anonymität, denn es gibt Grabsteine mit Namen und Lebensdaten. Blumen können niedergelegt werden. Es gibt einen Ort für die Trauer. Die Pflege übernimmt der Friedhofsgärtner. Das Angebot wird sehr gut angenommen. Es geht kaum noch jemand aus der Gemeinde in den Friedwald.



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