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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 15:52 Uhr

Inventur : Auch der Likör will gezählt sein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Inventur im Eckernförder Einzelhandel: Nur wenige Läden oder Märkte haben deshalb extra geschlossen.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2016 | 19:28 Uhr

Eckernförde | Auch edle Whiskysorten, geschmackvolle Liköre, wie der Granatapfellikör mit Chili, oder edle Öle und Essigessenzen entgingen der genauen Bestandserfassung nicht. Für den Einzelhandel bedeuten die Tage um den Jahreswechsel traditionell die Zeit des großen Zählens. Laut Paragraf 240 Handelsgesetzbuch ist jeder Kaufmann zur Inventur verpflichtetet. Das gilt auch für die beiden Inhaber des Geschäfts „Das feine Eck“, Marc Masuhr (44) und Olaf Plueschke (58). Nicht nur über 1800 Servietten und 4000 Kerzen wurden von Masuhr und Plueschke mithilfe ihrer Frauen in rund zwölf Stunden Arbeit gezählt, auch 206 Teesorten sowie 55 verschiedene Öle und Essigessenzen galt es mengenmäßig zu erfassen. Besondere Sorgfalt kam aber dem kostbaren Inhalt in den Gallonen zugute. In ihnen werden schottische Whiskysorten, irischer und amerikanischer Whiskey, Liköre, Rum und Edelbrände angeboten. Um sie zu zählen, musste ihr Inhalte gewogen werden. Marc Masuhr erklärt das Verfahren: Er wiegt eine leere Gallone, die Waage zeigt 2000 Gramm. Die Gallone mit dem Granatapfellikör mit Chili bringt 3180 Gramm auf die Waage. „So weiß ich, dass ich noch 1,18 Liter dieses Likörs habe“, sagt der 44-Jährige. 56 Gallonen waren auf diese Weise zu erfassen.

Körperliche Inventur nennt der Gesetzgeber dieses Verfahren. Im Unterschied zur Buchinventur und Anlageninventur muss in einem Warenwirtschaftssystem, wie es auch im Sky Markt an der Reeperbahn herrscht, im Zeitalter der Digitalisierung noch von Hand gezählt werden. Wer gestern Vormittag als Kunde dort eingekauft hat, wird über 20 Mitarbeiter oder Aushilfen bemerkt haben, die teilweise kniend vor den Regalen emsig dabei waren, die rund 30  000 Einzelartikel zu zählen. „Jeder Artikel muss gezählt werden“, sagte die Marktleiterin Victoria Folenweider, „anhand des Inventurergebnisses, des tatsächlichen Istbestandes, wird der Marktleiter gemessen“, so die 29-Jährige. Jedes Regal im Markt ist eine Einheit für sich. Es gilt, dessen Gesamtverkaufswert zu ermitteln. Nicht besonders beliebt bei den Aushilfen ist das Knorr-Maggi-Tüten-Regal. Die Tüten sind in einem Kasten angeordnet, der aufgrund einer für den Kunden unsichtbaren Feder sich stets von allein wieder nach vorn schiebt und deswegen eine gewisse Handfertigkeit des Zählers erfordert.

Renate und Wolfgang Reinhardt sind Profis auf diesem Gebiet. Die Rentner aus Kiel arbeiten seit sechs Jahren für die Sky-Märkte in der Region als Inventurhilfen. „Neben dem Tütenzählen betreiben wir zugleich Regalpflege“, erklären beide. Während Wolfgang Reinhardt zählt, gibt seine Frau die Zahlen in ein mobiles Datenerfassungsgerät ein. Verzählen kommt bei ihnen eher selten vor.

12  000 verschiedene Artikel waren in dem Einzelhandelsgeschäft Spielzeug Carstensen zu zählen. Wie im Sky-Markt wurde auch hier bei laufendem Geschäft gezählt, einschließlich des Sonntags. Im Vergleich zu früher müsse nicht mehr jedes Kleinteil einzeln erfasst werden, sagt Geschäftsführer Dirk Schreiber. „Die Produkte sind zunehmend verkaufsgerechter geworden und in Packungen erhältlich“, so der 48-Jährige. Bei der Inventur hätten seine Mitarbeiter gleichzeitig die Ware durchgesehen und Fehlbestände feststellen können. „Der Warenbestand ist entscheidend für das Geschäftsjahr“, erläutert Schreiber. Seit der Inventur weiß er, dass sich allein im Siku-Regal rund 300 verschiedene kleine Autos und Fahrzeuge befinden.

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