„Auch das Leben eines Baumes ist endlich“

Auf Einladung  von Dr. Dorothee Bieske (3. v. l.) bot Michael Packschies, Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung (4. v. r.), eine Wanderung durch den Schnaaper Forst an.
Auf Einladung von Dr. Dorothee Bieske (3. v. l.) bot Michael Packschies, Leiter der Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung (4. v. r.), eine Wanderung durch den Schnaaper Forst an.

Auf den Spuren der Sonderausstellung „Wildnis Eiche“ im Museum unterwegs im Schnaaper Forst

shz.de von
06. September 2018, 18:28 Uhr

Sie steht beinah in jedem Park und in jedem Wald Mitteleuropas, ist jedoch auch weltweit in unterschiedlichen Arten verbreitet. Sie überdauert die Ewigkeit mit ihrem Leben, das etwa 30 Generationen entspricht und steht für die Einigkeit Schleswig-Holsteins: die Eiche. Im Zuge des 12. Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen in Eckernförde und seinem Themenschwerpunkt der Artenvielfalt zeigt das Stadtmuseum Eckernförde in einer Sonderausstellung die Fotografien des prämierten Kieler Naturfotografen und Meeresbiologen Solvin Zankl unter dem Motto „Wildnis Eiche“. Zankl präsentiert in seinen Fotografien ganz ungewöhnliche und neue Perspektiven auf diese Baumart, die für ihr langsames Wachstum und die unzähligen Lebewesen einen äußerst vielfältigen Lebensraum bietet und nahezu einen eigenen Kosmos darstellt.

Diesen Perspektiven wollten auch die Teilnehmer der naturkundlich-geführten Wanderung mit Michael Packschies, Leiter der städtischen Abteilung Naturschutz und Landschaftsplanung, einmal mit eigenen Augen nachgehen. Im Zuge der Ausstellung „Wildnis Eiche. Fotografien von Solvin Zankl“ hatte Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske eine knapp eineinhalbstündige Wanderung zwischen dem Schnaaper See und dem Eckernförder Noor als Begleitprogramm organisiert. 18 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt, um sich den Baumbestand rund um den Schnaaper See zu erwandern.

Schon in seiner Begrüßung räumte Packschies mit dem gängigsten Vorurteil gegenüber der Lebensdauer von Bäumen im allgemeinen und der Eiche im speziellen auf: „Auch das Leben eines Baumes ist endlich.“ Im Zuge des Sturmes „Christian“ im Jahre 2013 mussten viele der alten Bäume Äste lassen oder waren derart beschädigt, dass sie sogar gefällt werden mussten. Spuren dieser Sicherungsarbeiten sind die vielen Astwunden an den Stieleichen entlang des Schnaaper Wegs, wie Packschies zu Beginn der Wanderung erklärte. Obgleich ein gesunder Baum solche Wunden selbstständig mit einer in der Fachsprache als „Kallusring“ bezeichneten Rinde überwallt, empfiehlt man heutzutage, so Packschies, möglichst keine großen Astwunden mehr anzulegen. „Denn die Baumfäulnis durch Feuchtigkeit (Niederschlag) schreitet schneller voran als der Wundverschluss eines Baumes wächst.“ Die Teilnehmer stellten während der Wanderung, die vom Schnaaper See aus über eine Weide zum Noorufer und wieder zum Ausgangspunkt zurückführte, viele Fragen an den obersten Naturschützer der Stadt Eckernförde. Zum Beispiel, ob Efeu ein Schmarotzer sei, wenn er Bäume überwuchere. Oder wieso an manchen Bäumen die Rinde in großen Stücken abfalle. Und ganz nebenbei – obwohl die Eiche der heimliche „Star“ der Wanderung war – lernten die Teilnehmer noch den Unterschied zwischen dem Zittern der Espe und dem Zittern der Kanada-Pappel kennen und dass die Rotbuche die eigentliche Herrin im heimischen Laubwald ist.


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