Schlei-Akademie : Atelieratmosphäre in Sundsacker

Monotypie: Susanne Reinhart-Schäfer arbeitet mit der Drucktechnik. Fotos: Nordmann
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Monotypie: Susanne Reinhart-Schäfer arbeitet mit der Drucktechnik. Fotos: Nordmann

Kalligrafie und Drucktechniken werden am Wochenende in der Schlei-Akademie unterrichtet.

shz.de von
06. August 2018, 07:00 Uhr

Winnemark | Sogar sonntags wird gearbeitet. Obwohl. So richtig macht keiner den Eindruck, als würde er das hier tatsächlich als Arbeit empfinden. Natürlich steckt hinter der Schlei-Akademie ein echter Lehranspruch, und natürlich gilt der auch sonntags. Gleichzeitig aber weht viel Dynamik, viel gedankliche Freiheit und vielleicht am meisten individuelle Kreativität durch die Flure der Albert-Schweitzer-Schule in Sundsacker. „Ich habe das Gefühl“, sagt Brigitte Wollert, Dozentin für Chinesische Kalligrafie, „als könnte hier eine Quelle für Kunst entstehen“. Sie selbst ist eine davon, die dafür sorgen kann.

Zwei Kurse bestimmen am Wochenende das Akademie-Leben, das das St. Nicolaiheim Sundsacker ermöglicht hat. Unter der Woche ist mehr los, heute üben sich sechs Studierende draußen auf der Terrasse in Kalligrafie, sieben weitere im Keller in der Drucktechnik Monotypie. Und auf den ersten Blick wird klar: Dort unten im Keller geht es deutlich farbintensiver zu. Dozentin Heidemarie Utecht hat viel hineingesteckt in diesen Wochenendkurs, sie möchte Techniken vermitteln, zu Experimenten anregen, am liebsten auch zeigen, wie man vom willkürlichen zum bewussten Gestalten gelangt. „Wir haben hier in diesem normalen Werkraum sehr schnell eine Atelieratmosphäre geschaffen“, sagt Utecht. Und in dieser Atmosphäre ist offenbar einiges möglich: „Das Spannende ist“, sagt die Dozentin, „dass jeder auf seiner eigenen Spur arbeitet, der eine malerisch und verspielt, der andere klar und ordentlich.“

Ingrid Lahann beispielsweise benutzt ihre Finger, um ihre Spuren auf der Druckvorlage zu hinterlassen. „Ich habe mich so gefreut, als ich von dieser Kunstakademie gelesen habe“, sagt sie. „Nie hätte ich gedacht, dass das mal hier in der Gegend stattfindet.“ Die Seniorin ist schon lange künstlerisch und kulturell aktiv, schon lange habe sie nach einem Angebot wie diesem gesucht. Lahann: „Für mich hat sich eine neue Tür geöffnet.“ Auch Susanne Reinhart-Schäfer schätzt die Stimmung in Sundsacker. „Man kann hier ganz individuell arbeiten“, sagt sie und lobt ihre Dozentin: „Sie gibt jedem das Gefühl, wichtig zu sein, gleichzeitig bewertet sie nicht. Das finde ich angenehm.“ Reinhart-Schäfer ist aus Wuppertal für mehrere Wochen in den Norden gereist, um zu malen – „und zwar in Ruhe, im Alltag ist man immer so abgelenkt“. Die Schlei-Akademie biete ihr die Möglichkeit, einfach mal etwas auszuprobieren, ganz ohne Druck und ohne den Anspruch, ein perfektes Ergebnis abliefern zu müssen. Ihre Kurs-Kollegin Angeli Richter betont derweil den großen Lerneffekt des akademischen Grundgedankens. „Wir sehen nicht nur, was unsere Gruppe macht, sondern auch das, was andere gestalten“, sagt die Teilnehmerin aus Schinkel. „Ich habe das Gefühl, dass das ganz neue Ressourcen erschließt.“

Draußen unter freiem Himmel erlebt Dozentin Brigitte Wollert das Akademie-Flair ganz ähnlich. „Ich nehme das wirklich als sehr stark wahr“, sagt die Arnisserin. Dadurch, dass so viele verschiedene Kunstkurse unter einem Dach stattfinden, entwickle sich ein Gemeinschaftsgefühl. „Viele lassen sich auf ganz neue Sachen ein, man guckt, was die anderen machen und kommt viel stärker in den Austausch“, sagt Wollert. Sie habe selbst als Teilnehmerin beim Aktzeichnen mitgemacht, nebenbei auch mal einen Blick auf die Graffiti-Künstler geworfen und festgestellt: „Graffiti ist als Inspiration genial.“ Und dann setzt sich Brigitte Wollert auf eine der Holzbänke auf der Terrasse. Vor sich das Grün des Schulgeländes, irgendwo links von sich weiß sie die Schlei. „Die Kunst kann hier einen Raum finden“, sagt sie. „Genau das hat hier gefehlt.“

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