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Eckernförder Zeitung

21. November 2017 | 16:35 Uhr

Arme Ninive – trauriges Schiffsschicksal

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Abgezäunter Rumpf des einst stolzen Zweimasters „Ninive“ rottet seit über einem Jahr am Eckernförder Hafen vor sich hin

Seit dem 10. Dezember 2015 steht ein braun-schwarzes Ungetüm am Museumssteg, wie ein riesiger, halbtoter Fisch ohne Kiemen. Ein Aufmerksamkeit fordernder Blickfang, der die malerische Hafenidylle zerreißt. Ein dünner Metallzaun umgibt das gestrandete Schiff. Soll er vor dem Schiff schützen, das hilflos auf dem Trockenen steht? Oder soll das Schiff geschützt werden?

Das Ensemble weckt im Vorübergehenden keine angenehmen Gefühle. Mitleid vielleicht, weil es dem Schiff schlecht geht. Die Farbe blättert ab, Ruder und Umgebung erscheinen wegen Meeresbewuchs und Rost unbeweglich, Masten und Segel fehlen, es ist undicht, denn es war am 22. Januar 2015 im Binnenhafen gesunken, bevor es das THW an Land gehoben hat.

Es war doch ein stolzes Schiff mit einer lobenswerten Aufgabe: Es sollte Arbeitslosen und Freigängern der JVA Neumünster eine Chance bieten, ihre positiven Kräfte und Fähigkeiten zu entdecken und sich aus dem Verlierer-Dasein zu befreien. Der Verein „Jona“ hatte das Projekt ins Leben gerufen. Die Betroffenen selbst bauten von 1985 bis 1989 nach dem Vorbild einer „Pommerschen Galeass“ ihre „Ninive“ unter der Anleitung und Aufsicht eines Meisters der Berufsschule für Bootsbau in Lübeck. Sieben Zentimeter dicke Eichenplanken, die Nägel für deren Zusammenhalt mussten eigens handgeschmiedet werden, bildeten den fünf Meter breiten Rumpf. Bei 25 Metern Länge ein zuverlässiges, gutmütiges, gemütliches Schiff, keine Rennmaschine, genau das Zuhause für die Besatzung, das Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit ausstrahlte, eine gute Voraussetzung für den Start in ein neues Leben.

Die „Ninive“ hat die Erwartungen der wechselnden Besatzungen bestimmt nicht enttäuscht, bis sie schließlich nach 25 Jahren Dienst für benachteiligte Menschen ungepflegt und unbeachtet im Eckernförder Binnenhafen sank. Welch ein trauriges Schicksal. Arme Ninive. Quelle: www.schiffshistorisches-archiv.de

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