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Berater ziehen Bilanz : Arbeitslosigkeit: Wenn Armut in die Sucht führt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Bilanz des Diakonischen Werkes bestätigt Wechselwirkung zwischen Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Alkohol und Drogen.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Rendsburg | Täglich eine Flasche Schnaps, Beruhigungstabletten griffbereit in der Handtasche oder der Drogenabhängige, der sich die Spritze setzt – Sucht hat viele Gesichter. Doch der Auslöser für alle Formen der Abhängigkeit kann sich gleichen. Denn es gibt einen generellen Zusammenhang zwischen Armut und der Gefahr, zu Betäubungsmitteln zu greifen. Zu diesem Ergebnis kommen die Suchtberater des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde. Die Fachleute untermauern ihre Erkenntnis mit Zahlen. Ausgewertet wurden die Daten des vergangenen Jahres der Anlaufstellen für Suchtfragen in Rendsburg und Eckernförde. „Die größte Gruppe der Ratsuchenden mit fast 300 Personen gehörte zu den Empfängern von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe“, sagt Hans-Jürgen Lauer, der Leiter des Fachbereichs Sucht im Diakonischen Werk. „Viele der Klienten sind Langzeitarbeitslose.“ Sie gelten als arm. „Nur etwa ein Fünftel der Betroffenen ist fest angestellt oder selbstständig.“

Soziale Not belastet die Menschen und grenzt sie aus. Armut ist oft verantwortlich für Probleme wie Depressionen, Existenzängste und Stress. Die Versuchung kann daher steigen, den Druck und die Einsamkeit durch Rauschmittel erträglicher zu machen. „Die Wechselbeziehung zwischen finanziellen Sorgen durch Arbeitslosigkeit und der Flucht in Suchtmittel hat in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen“, weiß Hans-Jürgen Lauer. Der Experte warnt vor einem Teufelskreis: „Wer Drogen, dazu gehört auch der Alkohol, konsumiert, riskiert seinen Platz in der Gesellschaft.“

Insgesamt holten sich im vergangenen Jahr 810 Menschen, vorwiegend im Alter zwischen 22 und 40 Jahren, Hilfe in den Diakonie-Beratungsstellen. Davon waren etwa doppelt so viele Männer wie Frauen. Am größten war (mit 328 Fällen) die Gruppe der Alkoholkranken, gefolgt von 214 Heroinabhängigen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Helfer bildet die Vorsorge. Im Kreisgebiet wurden fast 100 Jugendliche zwischen elf und 21 Jahren beraten. Oft besteht bei diesen Heranwachsenden noch keine Abhängigkeit, aber ein Risiko, immer öfter zu Alkohol oder Cannabis zu greifen. Bereits seit 25 Jahren gibt es die Suchtprävention für Jugendliche. Die Berater besuchen Schulklassen oder Konfirmandengruppen. In jüngster Zeit haben die Experten allerdings einen neuen Weg eingeschlagen. Die Berater wenden sich zielgerichtet an auffällig gewordene junge Menschen. „Die Jugendlichen haben oft Hemmungen, in ihren Gruppen offen über Probleme zu sprechen“, sagt Hans-Jürgen Lauer. „Die Angst vor Mobbing und Diskriminierung scheint gestiegen zu sein.“ Daher werden die jungen Menschen direkt angesprochen. Mit Erfolg. „In den meisten Fällen konnten wir durch die Gespräche eine positive Veränderung des Verhaltens feststellen.“

Das Diakonische Werk des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde berät bei Abhängigkeitserkrankungen und allen süchtigen Verhaltensweisen wie unter anderem Glücksspielsucht, Nikotinsucht, Kaufsucht.

Rendsburg
Prinzenstr. 13, II.OG
Telefon: 0 43 31/ 69 63 40

Eckernförde
Beratungszentrum Diakonie
Schleswiger Straße 33
Telefon: 0 43 51/ 893 110
E-Mail: info@diakonie-rd-eck.de

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